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Ausstellung „Heimatfront“ Mobilmachung im Wallenhorster Heimathaus

Von Joachim Dierks | 12.08.2016, 21:16 Uhr

Vor 100 Jahren tobte der Erste Weltkrieg. Der Landkreis Osnabrück hat aus diesem Anlass eine Wanderausstellung in Auftrag gegeben, die die damaligen Folgen für die Zivilbevölkerung im Osnabrücker Land veranschaulicht. Sie macht bis zum 28. August im Heimathaus Hollager Hof Station.

Die Ausstellung trägt den Titel „Wi moaket mobil!“ („Wir machen mobil!“). Sie zitiert den Ausruf des Gemeindeboten von Rüsfort bei Gehrde, der noch ein „Et geiht loss!“ anhängte. Klingelnd fuhr er auf seinem Fahrrad durch die Bauerschaft und verkündete am 1. August 1914 die allgemeine Mobilmachung. Er wurde wenig später selbst zum Frontdienst eingezogen und war acht Monate später tot.

Mit eindrücklichen Fotos, Tagebucheinträgen, Todesnachrichten und öffentlichen Aushängen zeichnet die Ausstellung nach, wie sich der Krieg auf die „Heimatfront“ im Osnabrücker Land auswirkte, auch wenn die Menschen damals, anders als im Zweiten Weltkrieg, von Bombenangriffen verschont blieben. Dafür war die Todesrate unter den hoffnungsvollen jungen Männern zunächst umso katastrophaler. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Infanteristen, der 1916 in der Schlacht von Verdun oder an der Somme kämpfte, betrug gerade einmal 14 Tage.

Mit diesen und anderen drastischen Beispielen führte der Historiker Arnold Beuke, zugleich Macher der Ausstellung und Autor der Begleitbände, das Publikum bei der Ausstellungseröffnung in das Thema ein. Er zeigte, wie die Folgen des Krieges bis in die kleinste Landgemeinde hineinwirkten, wenn der Postbote den schon äußerlich als solcher erkennbaren Brief eines Regimentsstabes austrug, in der der „Witwe xy“ der „Heldentod“ ihres Mannes bekanntgegeben wurde.

Gefallen in Verdun

Auch Wallenhorster Schicksale werden beleuchtet, so das des Ferdinand Rölker, Steinbrucharbeiter, geboren 1885, gefallen in Verdun 1916, oder das des Wilhelm Frasch, Eisenbahnanwärter aus Rulle, geboren 1896, gefallen 1915. Beuke ging auf das Kriegstagebuch des Georg Middendorf aus Ankum ein, der mit Erich Maria Remarque befreundet war. Für sein Werk „Im Westen nichts Neues“ griff Remarque teilweise auf Middendorfs Schilderungen der Fronterlebnisse zurück.

Weitere Großthemen der Ausstellung sind die Nahrungsversorgung, der Rohstoffmangel, Feldpostbriefe, Militärbegeisterung der Schüler, „Liebesgaben“ und Verwundetenpflege, Kriegsgefangene und Fremdarbeiter.

Der Vorsitzende des Heimathausvereins, Stefan Gutendorf, hatte zuvor auf das „Geschenk“ des Friedens hingewiesen, den wir seit mehr als 70 Jahren genießen dürften. Den verdankten wir der Öffnung unseres Landes zu unseren Nachbarn und zur ganzen Welt hin. „Wer das wieder zurückdrehen will, so nach dem Motto ‚Deutschland den Deutschen‘, der kann die Folgen hier in dieser Ausstellung studieren“, meinte er. Der stellvertretende Bürgermeister Alfred Lindner betonte in seinem Grußwort, wie wichtig die Ausstellung gerade für junge Leute sei, die zum Teil keine Vorstellung davon hätten, was Krieg bedeute. Er appellierte an die Lehrer, mit ihren Klassen in die Ausstellung zu gehen.

Die Ausstellung „Wi moaket mobil“ im Heimathaus Hollager Hof, Uhlandstraße 20, ist bis zum 28. August samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Zusatztermine nach Vereinbarung: Telefon 0172/5643779. Der Eintritt ist frei.