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Ärger in Rulle – Ärger im Rat Wallenhorst: Ratsvorsitzender entzieht Belde das Wort

Von Sandra Dorn | 22.07.2014, 23:45 Uhr

Am Ende einer langen Debatte zur Umgestaltung des Andachtsplatzes in Rulle hat der Ratsvorsitzende Hans Stegemann Bürgermeister Ulrich Belde (beide SPD) in der Ratssitzung am Montagabend das Wort entzogen. Seit Tagen erhitzt das Thema die Gemüter im Wallenhorster Ortsteil.

Marion Müssen, Inhaberin der Postfiliale in Rulle und ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende, nutzte die Bürgerfragestunde in der Ratssitzung, um ihrem Ärger Luft zu machen. So wie sie sind manche Ruller unzufrieden mit der Umplatzierung des Wegkreuzes und mit dem Fällen zweier Linden. Das alte geweihte Wegkreuz auf dem Platz vor ihrer Post habe entsorgt werden sollen, sie habe es gerettet , betonte sie und wiederholte die Fragen, die SPD-Ratsherr Hubert Pohlmann vergangene Woche dem Bürgermeister gestellt hatte, ohne eine Antwort zu bekommen: Wer hat das Projekt geplant, warum sind Rat sowie Arbeitskreis Dorferneuerung nicht informiert worden, und wer hat das Fällen der Bäume veranlasst? Der Umweltbeauftragte Udo Stangier habe ihr gesagt, dass niemand ihn im Vorfeld über das Entfernen der Linden informiert habe, kritisierte Müssen. Ein weiterer Bürger wollte von Belde wissen: „Was verstehen Sie unter Entemotionalisierung?“

Letztere hatte Belde sich in einem Pressetermin zum Thema gewünscht. In seinem Bürgermeisterbericht las er im Rat die Pressemitteilung vor, die er für besagten Termin vorbereitet hatte, und wiederholte, das Projekt sei unabhängig von der Dorferneuerung zu betrachten und eine reine Unterhaltungsmaßnahme. Hintergrund: Der Arbeitskreis Dorferneuerung fühlt sich übergangen , da der Andachtsplatz auch auf der Liste von 41 Dorferneuerungsprojekten stand. Außerdem las Belde die Pressemitteilung von Pfarrer Schöneich vor, der den neuen Standort des Kreuzes theologisch begründet hatte.

Nach 45 Minuten und einigem Hin und Her zwischen Pohlmann und Belde sagte der Ratsvorsitzende Stegemann: „Ich halte die Situation für hochgradig unbefriedigend.“ Die Leistung der Kolpingsenioren, die die Arbeiten ehrenamtlich durchgeführt hatten, würden alle anerkennen, so Stegemann. Die Vorgehensweise der Gemeindeverwaltung hingegen sei „untauglich“.

„Ich erteile in diesem Tagesordnungspunkt niemandem mehr das Wort“, so Stegemann. Clemens Lammerskitten (CDU) erwiderte: „Ich hatte den Eindruck, dass der Bürgermeister noch etwas zu berichten hat.“ Belde: „Den Bericht des Bürgermeisters beendet immer noch der Bürgermeister.“ Stegemann: „Nein, das Wort erteile ich.“ Müssen: „Und was ist mit der Frage nach der Entemotionalisierung?“ Belde: „Ich habe es hier in 14 Jahren noch nicht erlebt, dass der Ratsvorsitzende dem Bürgermeister das Wort entzieht.“ Stegemann lenkte ein: „O.k., dann bitte.“ Belde: „Wir sollten jetzt versuchen, gemeinsam dem Platz einen würdigen Rahmen zu geben. Das meine ich mit entemotionalisieren.“

Einen Tag später stellten die Kolping-Senioren auf dem Platz das neue Wegkreuz auf. Der Korpus soll Ende September folgen. Belde sagte bei der feierlichen Aktion: „Ich wünsche mir, dass von diesem Platz Signalwirkung ausgeht.“ Und Pfarrer Schöneich freute sich augenzwinkernd über die Aufmerksamkeit, die der Platz nun hat: „Sogar Leute aus Wallenhorst sind hierhergefahren und haben sich den Platz angeguckt.“