Info-Messe für Ehrenamtliche „Markt der Fördermöglichkeiten“ gut angenommen

Von Constantin Binder


Wallenhorst. Rund 140 ehrenamtliche Vertreter von Vereinen und Verbänden aus dem gesamten Landkreis informierten sich beim ersten „Markt der Fördermöglichkeiten“ in Wallenhorst, wie sie von potenziellen Geldgebern profitieren könnten.

Eingeladen zum ersten „Markt der Fördermöglichkeiten“ im Wallenhorster Rathaus hatten die Regionalmanager der fünf Ile-Regionen im Landkreis Osnabrück sowie der Landschaftsverband Osnabrücker Land. Gekommen sind rund 140 Ehrenamtliche aus dem gesamten Landkreis, die in drei Durchgängen jeweils einen von sieben exemplarisch ausgewählten Fördermittelgebern näher kennenlernen können:Welche Projekte fördert er, welche Bedingungen müssen hierfür erfüllt sein? Aber auch: Welches Programm passt am besten zum Projekt, bei wem ist ein Förderantrag am aussichtsreichsten? Nach einer kurzen Vorstellung des potenziellen Geldgebers dürfen die Interessenten dessen Vertretern dann konkrete Fragen stellen – ein Angebot, von dem sie rege Gebrauch machen.

Zwei Fördertöpfe beim Landschaftsverband

Als einer der am breitesten aufgestellten regionalen Fördermittelgeber präsentiert sich dabei auch der Landschaftsverband. Gabriele Janz, in der Bad Iburger Geschäftsstelle unter anderem zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und das Förderprogramm, stellt zunächst die beiden Fördertöpfe vor, aus denen der Landschaftsverband Zuschüsse verteilen kann: den mit eigenen „LVO-Mitteln“ und den zur „Förderung der regionalen Kultur aus Mitteln des Landes Niedersachsen“. Eine Förderung aus beiden Programmen gleichzeitig sei ausgeschlossen, stellt Janz klar, deshalb müsse in jedem Einzelfall entschieden werden, wo ein Antrag erfolgversprechender sei. Aus LVO-Mitteln etwa würden keine kommunalen Einrichtungen und keine denkmalpflegerischen Maßnahmen an Kirchen und Kapellen gefördert, sondern ausschließlich gemeinnützige Projekte; aus Landesmitteln hingegen auch nicht gemeinnützige Projekte, im Einzelfall sogar Privatpersonen.

Romantikorgeln oder Blasinstrumente?

Während Janz die Förderrichtlinien als Power-Point-Präsentation an die Wand wirft, schreiben etwa 20 Vereinsvertreter eifrig mit, durchblättern nebenbei schon einmal die ausliegenden Mappen mit Informationsmaterial. Nach dem Vortrag verlassen die ersten den Raum, sie haben offenbar genug gehört, um zu wissen, dass ihr Projekt beim Landschaftsverband keine Aussicht auf Förderung hätte. Andere wiederum fragen gezielt nach, zum Beispiel: Würde der Landschaftsverband die Restaurierung der Romantikorgel in der heimischen Kirchengemeinde bezuschussen? Janz zögert: „Zu Orgeln haben wir ein ganz besonderes Verhältnis“, sagt sie dann und erläutert, wegen der Vielzahl von Kirchenorgeln im Kreis fördere der Landschaftsverband deren Instandhaltung nur in besonderen Einzelfällen. Ob der Landschaftsverband den Ankauf von Blasinstrumenten fördere, fragt eine Vertreterin der Blaskapelle Gesmold. „Eher nicht“, ist Janz auch hier zurückhaltend. Und wie sehe es mit der regelmäßigen Förderung eines Rockfestivals aus?, fragt ein anderer Zuhörer. Hier nehme der Landschaftsverband eher eine Anschubfinanzierung vor, erläutert Janz. Im ersten Jahr vielleicht 9000 Euro, im zweiten Jahr vielleicht 5000, „aber dann erwarten wir schon, dass das Projekt auf eigenen Füßen steht“. Es sind nüchterne, aber realistische Auskünfte, mit denen sich die Vereinsvertreter am Ende auf den Weg zum nächsten Fördermittelgeber machen.

Sieben Fördermittelgeber, viele Förderschwerpunkte

In den Sitzungsräumen im Obergeschoss des Wallenhorster Rathauses stellen sich neben dem Landschaftsverband die Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück und die VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken vor; im großen Sitzungssaal im Erdgeschoss haben sich das Kulturbüro des Landkreises, das Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems, der Kreissportbund und die „Osnabrücke“ platziert. Die Förderschwerpunkte der Geldgeber sind vielfältig und reichen von Dorfentwicklung, ländlichem Tourismus und Denkmalpflege über die Förderung des organisierten Sports oder kultureller Vorhaben bis hin zum Natur- und Umweltschutz.

70 Euro für die Eseltherapie

Als – gerade im Vergleich zum Landschaftsverband – eher kleiner Fördermittelgeber präsentiert sich die Osnabrücke, die sich die Unterstützung sozialer Projekte für benachteiligte Menschen in der Region zum Ziel gesetzt hat. Der Verein ist eine Initiative der Wirtschaftsjunioren Osnabrück und hat eine Jahresbudget von rund 60000 Euro, das zu 100 Prozent sozialen Projekten zukommen, wie die zweite Vorsitzende Lisa Josef erläutert. Weil auch der Vorstand rein ehrenamtlich arbeite, dauere es in der Regel bis zu zwei Monate, bis über einen Förderantrag entschieden sei, sagt Josef, dafür sei der Antrag aber auch vergleichsweise unkompliziert. Rund 50 Anträge gingen pro Jahr ein, etwa die Hälfte davon erhalte einen Zuschlag – und sei es auch nur ein Zuschuss von 70 Euro zu einer Eseltherapie. Schnell wird deutlich: Bei der Osnabrücke geht Pragmatismus vor Formalismus. Ein Zuschuss sei nicht pauschal auf 50 Prozent beschränkt, sagt Marvin Waldrich, zuständig für das Ressort Netzwerk. Der Verein fördere vielmehr einzelne Bestandteile eines Projekts, also zum Beispiel den Guide und die Verpflegung, nicht aber die Fahrtkosten. „Wichtigstes Kriterium für die Förderung ist die Hilfsbedürftigkeit“, stellt Josef klar.

„ Resonanz besser als erwartet“

Nach den jeweils halbstündigen Durchgängen läutet Cornelia Holthaus mit einer hellen Glocke, die Gäste machen sich auf den Weg zur nächsten Station. „Wir Regionalmanager haben festgestellt, dass wir in Beratungsgesprächen immer das Gleiche erzählen, deshalb wollten wir die Fördermittelgeber einmal direkt vor Ort vorstellen“, erzählt die Regionalmanagerin der Ile-Region „Hufeisen“, die ihr Büro im Wallenhorster Rathaus hat. Das Konzept scheint aufgegangen zu sein: „Die Resonanz ist sehr viel besser, als wir erwartet haben“, sagt Holthaus. Statt der letztlich erschienenen 140 Gäste habe sie „höchstens 80 bis 100 Teilnehmer“ erwartet.


Ile, Ilek und Ile-Region

„Ile“ steht als Abkürzung für die „Integrierte Ländliche Entwicklung“, ein Instrument des Landes Niedersachsen zur Förderung des ländlichen Raums. Voraussetzung dafür ist ein „Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept“, kurz „Ilek“, in dem Ziele, Perspektiven und Projektideen zusammengefasst sind. Ein solches Konzept bezieht sich stets auf eine bestimmte Region, die wiederum von einem sogenannten Regionalmanager bei der Umsetzung des Konzepts unterstützt wird. Im Landkreis Osnabrück gibt es fünf solcher „Ile-Regionen“: das „Hufeisen“ mit Hasbergen, Hagen, Georgsmarienhütte, Bissendorf, Belm und Wallenhorst (Regionalmanagerin: Cornelia Holthaus), das Südliche Osnabrücker Land („SOL“) mit Bad Iburg, Bad Laer, Bad Rothenfelde, Dissen, Glandorf und Hilter (Hendrik Kettler), das Wittlager Land mit Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln (Anna Becker), die Stadt Melle als „Fabelhafter Grönegau“ (Katrin Harting) sowie die vier Samtgemeinden Artland, Bersenbrück, Fürstenau und Neuenkirchen im Nördlichen Osnabrücker Land („NOL“). Die Regionalmanager beraten kostenlos Vereine, Institutionen, gemeinnützige und private Initiativen, Kommunen, Politik, Wirtschaft und Privatpersonen.