Auf der Flucht Missio-Truck macht Station in Wallenhorst

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Wallenhorst. In eine andere Welt tauchten die Besucher des „Missio-Truck“ ein, der auf seiner Reise durch Deutschland auf dem Kirchplatz der St.-Alexandergemeinde in Wallenhorst Station machte. In dem 20 Meter langen Infomobil des katholischen Hilfswerks Missio konnten sie in nachgestellten Räumen und Computeranimationen das Schicksal afrikanischer Flüchtlinge miterleben.

Wie fühlten es sich an, auf der Flucht zu sein? Der Missio-Truck macht das in sechs Räumen am Beispiel des Kriegsausbruchs im Kongo bis zum Neustart in einem Flüchtlingscamp erfahrbar. Am Vormittag haben unter anderem Schüler der Wallenhorster Haupt- und Realschule das Angebot der 18 Tonnen schweren multimedialen Ausstellung gemeinsam mit ihren Lehrern wahrgenommen. Die beiden 17-jährigen Alexander Klan und Jannik Bauer, Zehntklässler der Realschule, gehörten mit zu den ersten Besuchern, die entlang eines nachgestellten afrikanischen Marktes das Infomobil betraten. Für kurze Zeit waren sie Samuel, der mit 15 Jahren nach Ausbruch des Bürgerkrieges aus seinem kongolesischen Dorf fliehen muss.

Nur ans Überleben gedacht

Im ersten Raum, einer Kirche, erzählt der junge Afrikaner – animiert auf einem Bildschirm - von seinem Leben und den wertvollen Bodenschätzen, dem in Mobiltelefonen verarbeiteten Coltan, das in den Erzminen des afrikanischen Landes abgebaut wird: „Wir könnten reich sein. Wir müssten nur Frieden haben“, stellt Samuel bedauernd fest, als erste Schüsse ertönen und sich Rebellen – als Computeranimation auf einem weiteren Bildschirm – nähern. Blitzschnell müssen die beiden Jugendlichen entscheiden, was sie auf der Flucht mitnehmen. Jannick denkt praktisch und tippt die Symbole Lebensmittel, Wasser und Kleidung auf dem kleinen Bildschirm an. „Ich habe nur an das Überleben gedacht und das Zeitlimit hat mich total unter Druck gesetzt“, stellt er später fest. Alexander hingegen hat auch an den Pass gedacht: „Ich wollte was dabei haben, um wegzukommen“, begründet er seine Entscheidung.

(Weiterlesen: Rohstoffe im Kongo – Der Krieg und unsere Handys)

Im nächsten Raum geht es auf einem Lkw durch die afrikanische Steppe weiter Richtung Nairobi. Zwei Räume weiter sind Alexander und Jannik alias Samuel schließlich in einem Flüchtlingscamp angelangt, wo dieser Hilfe in einem Traumazentrum erfährt.

Traumazentren im Kongo

Der Aufbau derartiger Traumazentren im Kongo zählt zu den zahlreichen Projekten, die Missio unterstützt. Finanziert wird diese Arbeit unter anderem durch die Verwertung der Wertstoffe aus Mobiltelefonen, die an den Haltestationen des Lkw gesammelt werden. Seit 2012 fährt der Missio Truck durch Deutschland. Die Ziele der von der Bertelsmann-Stiftung und dem Kolpingverband unterstützten Aktion sind vielfältig: „Wir wollen die Jugendlichen sensibilisieren, einen Zusammenhang herzustellen zwischen der Flüchtlingssituation und den Konsumgütern, die sie täglich nutzen“, erläutert Missio-Truckbegleiter Marcus Composs. Das kongolesische Erzgeschäft befinde sich, so Composs weiter, in der Hand von Rebellen, die das das Coltan unter menschenunwürdigen Bedingungen abbauen ließen und es dann illegal verkauften. Schon seit längerem fordert Missio daher mit der „Aktion Saubere Handys“ weltweit Mobiltelefonhersteller auf, kein illegales Coltan aus dem Kongo zu verwenden.

Intensive Erfahrung

Die beiden Jugendlichen Alexander und Jannik hat vor allem beeindruckt, wie intensiv sie die Flucht des jungen Samuel miterlebt haben: „Es war realistisch und man war mittendrin. Man kann sich jetzt vorstellen, wie sich die Menschen fühlen“, stellt Alexander fest, als er aus dem Truck wieder auf den Wallenhorster Kirchhof getreten ist.


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