Fahrplanwechsel am 3. August Bald kaum noch Busse von Wallenhorst nach Bramsche



Wallenhorst. Zum Fahrplanwechsel am 3. August ändert die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) den Streckenverlauf der Buslinie 610. Eine regelmäßige Direktverbindung zwischen Wallenhorst und Bramsche wird es dann nicht mehr geben. Die Gemeinde wehrt sich, der Fahrgastverband Pro Bahn übt scharfe Kritik.

Einmal pro Stunde fuhr bislang die Linie 610 von Wallenhorst nach Bramsche und zurück – doch damit ist am kommenden Mittwoch Schluss. Denn mit dem Fahrplanwechsel am 3. August ändert die VOS die Linienführung des Busses, der bislang als Linie 583 von Osnabrück nach Wallenhorst und dann als Linie 610 weiter über Bramsche nach Fürstenau fuhr. Um die Fahrzeit für Fahrgäste aus dem Nordkreis zu verkürzen, soll der Bus künftig über die Bundesstraße 68 an Wallenhorst vorbei fahren – ohne Zwischenstopp im Zentrum. „Hierdurch reduziert sich die Fahrzeit um bis zu 15 Minuten“, wirbt die VOS in ihrer Pressemeldung zum Fahrplanwechsel – doch für Kunden, die zwischen Wallenhorst und Bramsche verkehren wollen, verlängert sich die Fahrzeit zum Teil drastisch. Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was ändert sich konkret? Die Linie 583 von Osnabrück nach Wallenhorst, die im weiteren Streckenverlauf zur 610 wurde, entfällt ab Donnerstag, 3. August, komplett. Stattdessen verkehrt die Linie 610 künftig direkt ab Osnabrück über die B68 nach Bramsche und weiter nach Fürstenau. Eine regelmäßige, also im Takt verkehrende Direktverbindung zwischen Wallenhorst und Bramsche gebe es damit nicht mehr, bestätigt Harald Schulte von der Nahverkehrsplanungsgesellschaft Planos auf Anfrage. Gleichwohl sollen auch weiterhin Busse zwischen Wallenhorst und Bramsche verkehren – wenn auch nicht mehr im Takt.

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Wie gelangt man künftig mit dem Bus von Wallenhorst nach Bramsche? Im ersten Schritt erweitert die VOS die Linie 511, die morgens und (nach)mittags als Schulbuslinie fungiert – und deshalb auch nur an Schultagen verkehrt. Die 511 fährt künftig auch Bramsche-Zentrum an, zudem kommt pro Tag und Richtung eine neue Verbindung hinzu. Dann fährt viermal täglich ein Bus von Wallenhorst nach Bramsche und fünfmal täglich einer von Bramsche nach Wallenhorst (siehe unten).

Um insbesondere vormittags und abends die „Lücken“ im Fahrplan zu füllen, soll in einem zweiten Schritt zu den Herbstferien ein sogenannter Anrufbus eingeführt werden. Dieser steht für weitere Fahrten an Schultagen, vor allem aber während der Ferien zur Verfügung – fährt aber nur, wenn er spätestens eine Stunde vor Abfahrt telefonisch bestellt wurde. „Mit diesem Modell haben wir in den vergangenen zwei Jahren in Georgsmarienhütte sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Schulte. Details zu Abfahrtszeiten oder Frequenz könne er derzeit noch nicht nennen, da das Angebot derzeit noch ausgearbeitet werde.

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Wer die Linie 511 nicht nutzen kann oder möchte oder lieber im Takt fahren möchte, kann künftig ausschließlich über Osnabrück zwischen Wallenhorst und Bramsche verkehren. In diesem Fall müsste der Umstieg an der Haltestelle Bramscher Straße erfolgen, wo Fahrgäste einmal die Straßenseite zu wechseln hätten, um dann über die B68 an Wallenhorst vorbei nach Bramsche fahren. Wie der Fahrgastverband Pro Bahn ausgerechnet hat, verlängert sich die Fahrzeit von Wallenhorst nach Bramsche dadurch von 14 auf 38 Minuten, in der Gegenrichtung gar auf 64 Minuten – mehr als vier Mal so lange wie bisher. Was die Fahrt künftig kostet, lässt sich derzeit in der Online-Fahrplanauskunft der VOS noch nicht ermitteln.

Warum ändert die VOS die Linienführung? Die VOS Nord, die für den Bereich Fürstenau und Bramsche zuständig ist, begründet die neue Streckenführung mit einer Fahrzeitverkürzung für Passagiere aus dem Nordkreis. Wenngleich die Linie 610 im Nordkreis einige neue Haltestellen ansteuert, etwa in Voltlage, sollen Fahrgäste etwa 15 Minuten eher in der Stadt sein. Zudem sei ein Zwischenstopp in Wallenhorst angesichts mangelnder Nachfrage nicht rentabel: Bei stichprobenartigen Fahrgastzählungen in vier verschiedenen Wochen sei in Alt-Wallenhorst kein einziger Fahrgast zugestiegen.

Wie verlässlich sind solche Fahrgastzählungen? In vier verschiedenen Wochen zwischen Frühjahr 2015 und Frühjahr 2017 zählte die VOS täglich auf den jeweils gleichen vier Fahrten alle Fahrgäste. „Dabei bleibt natürlich immer ein Risiko“, räumt Verkehrsplaner Schulte ein. Denn Pendler, die regelmäßig eine der nicht erfassten Fahrten nutzten, oder Gelegenheitsfahrer, die außerhalb der Erhebungszeiträume im Bus saßen, würden durchs Raster fallen. „Es gibt sicher Menschen, die auf der Strecke Bus fahren“, sagt Schulze. Und selbst, wenn das nicht viele seien: „Die wenigen, die der Wegfall der Linie 610 betrifft, trifft es dann richtig.“ Eben das sei der Grund, warum die VOS mit den Schul- und Anrufbussen der Linie 511 zumindest einige Verbindungen aufrecht erhalten wolle.

Wie steht die Gemeinde zu den Veränderungen? „Wir haben schon früh unser Interesse deutlich gemacht, dass der Bus mindestens eine Haltestelle in Wallenhorst bedient“, sagt Rüdiger Mittmann, Fachbereichsleiter Bürgerservice und Soziales, auf Nachfrage. Ende März hätten die Bürgermeister von Wallenhorst, Otto Steinkamp (parteilos), und Bramsche, Heiner Pahlmann (SPD), und er ein Gespräch mit Vertretern der VOS Nord geführt, in dem sich auch Pahlmann deutlich für den Erhalt der Direktverbindung ausgesprochen habe. „Das Gespräch hat nicht gefruchtet“, konstatiert Mittmann trocken – die VOS Nord blieb bei ihren Plänen.

Als Ende Mai im Ausschuss für Bürgerservice und Soziales eine politische Debatte über die Linie 610 losbrach, wandte sich die Verwaltung hilfesuchend an die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), die die Konzeption, Planung und Bestellung von Verkehrsleistungen im ganzen Land verantwortet. „Wir haben klar gemacht, dass wir den Wegfall der Linie 610mit großer Sorge betrachten“, sagt Mittmann. Bramsche sei ein Mittelzentrum mit AOK, Jobcenter, Maßarbeit, Niels-Stensen-Kliniken und Einzelhandel, deshalb müsse die Stadt im Taktverkehr erreichbar bleiben.

Doch die Anfrage blieb ohne Erfolg: Die LNVG bekräftigte, dass die VOS Nord als Betreiber ihre Linienführung selbst gestalten dürfe –auch ohne Rücksprache mit der Gemeinde Wallenhorst. Als Kompromiss regte die LNVG die Lösung an, die die VOS jetzt verfolgt: die Erweiterung der Linie 511 und die Einführung des Anrufbusses.

Und was sagt der Fahrgastverband? „Ich kenne bundesweit keinen Ort, wo zwei Nachbarkommunen mit insgesamt 60000 Einwohnern nicht durch eine direkte Buslinie im Taktverkehr verbunden sind“, sagt Martin Sturm vom Pro-Bahn-Regionalverband Südwestniedersachsen. Die von der VOS Nord als Argument angeführte Zeitersparnis nennt er sarkastisch einen „Wahnsinnsvorteil“: Damit seien die Busse der Linie 610 künftig „nur noch doppelt so lange zwischen Osnabrück und Bramsche unterwegs wie die halbstündlich verkehrenden Züge der Nordwestbahn“. Wer schnell nach Osnabrück reisen wolle, könne bereits jetzt den Zug nehmen.

Sturm verweist zudem darauf, dass die Busse nach Fürstenau auch im Stadtgebiet von Osnabrück künftig schlechter erreichbar seien: „Sie fahren an einigen Stationen an den Kunden vorbei, so am Hasefriedhof und an der Haster Mühle.“ Sturm sieht die Kommunen in der Verantwortung: Die Gemeinde Wallenhorst und die Stadt Bramsche müssten bei der VOS den Fortbestand der Direktverbindung einfordern.


Linie 511

Zwischen Wallenhorst und Bramsche verkehrt ab Donnerstag, 3. August, nur noch die Schulbuslinie 511 direkt. Sie steht allen Fahrgästen zur Verfügung, also nicht nur Schülern, und fährt viermal täglich Richtung Bramsche und fünfmal täglich Richtung Wallenhorst. Ab Oktober sollen weitere Verbindungen hinzukommen, die von einen Anrufbus bedient werden, der spätestens eine Stunde vor Abfahrt telefonisch bestellt werden muss. Bis dahin verkehren ausschließlich folgende Busse der Linie 511:

Wallenhorst Kirchplatz – Bramsche-Zentrum:

7:17 Uhr ab – 7:32 Uhr an

12:01 Uhr ab – 12:22 Uhr an

12:37 Uhr ab – 12:59 Uhr an

15:13 Uhr ab – 15:31 Uhr an

Bramsche-Zentrum – Wallenhorst Kirchplatz:

4:37 Uhr ab – 5:03 Uhr an (nur Schulzentrum)

7:38 Uhr ab – 7:53 Uhr an

12:20 Uhr ab – 12:38 Uhr an

13:10 Uhr ab – 13:28 Uhr an

15:45 Uhr ab –16:03 Uhr an

Quelle: VOS, ohne Gewähr

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