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Feuer und Grillen untersagt Hollager Heimathausverein übernimmt Steinbruch

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<em>Das ist der Stoff</em>, aus dem Kirchen gebaut sind: Hollager Muschelkalk. Steinbruch-Eigentümer Thomas Stallkamp (Mitte) und die Heimathaus-Vereinsmitglieder (von links) Siegfried Wulftange, Heinrich Maßbaum, Johannes Otte und Josef Pott besiegeln den neuen Nutzungsvertrag. Foto: Joachim DierksDas ist der Stoff, aus dem Kirchen gebaut sind: Hollager Muschelkalk. Steinbruch-Eigentümer Thomas Stallkamp (Mitte) und die Heimathaus-Vereinsmitglieder (von links) Siegfried Wulftange, Heinrich Maßbaum, Johannes Otte und Josef Pott besiegeln den neuen Nutzungsvertrag. Foto: Joachim Dierks

Wallenhorst. Von den aufgelassenen Steinbrüchen auf Wallenhorster Gebiet wurden einige ganz offiziell mit Müll verfüllt, um die Löcher in der Landschaft wieder zu schließen. Eine bewusste Ausnahme von dieser Praxis stellt der ehemalige Kalksteinbruch Middelberg südlich des Heimathauses an der Uhlandstraße dar. Er wurde zum Naturdenkmal erklärt, weil sich an seinen Steilwänden wunderschön die Geologie des Hollager Berges ablesen lässt.

Leider bekam auch dieses Naturdenkmal mit Müll zu tun. Die katholische Kirchengemeinde St. Josef, seit 1986 mit dem Nutzungsrecht des Steinbruchs als eine Freizeit- und Begegnungsstätte ausgestattet, hatte darin eine Schutzhütte, Kinderspielgeräte und einen Grillplatz errichtet. Nicht die angemeldeten Gruppen, sondern andere nächtliche Gäste hatten des Öfteren ihren Müll zurückgelassen, Tische und Bänke zerschlagen und die Hütte angesteckt.

Gleichzeitig ging die Zahl der offiziellen Nutzungen aus den Gruppierungen der Kirchengemeinde zurück, sodass sie zunehmend weniger Freude an der Sache hatte. Anfang des Jahres gab sie das Nutzungsrecht auf, „schweren Herzens“, wie der zweite Vorsitzende des Kirchenvorstandes Markus Otte schrieb. Die Kirchengemeinde wolle den Ort nicht für andere Interessenten blockieren, die ihn vielleicht intensiver nutzen könnten. Dabei erwähnte Otte den Verein Heimathaus Hollager Hof .

Das nicht ohne Grund, denn die Heimathaus-Freunde hatten schon immer eine Art Küsterfunktion für den Steinbruch. Sie führten das Benutzerbuch, hatten die Schlüsselgewalt über die Kfz-Schranke und sahen wegen der räumlichen Nähe immer mal nach dem Rechten. Als sich nun die Josefsgemeinde zurückzog, stand der Verein vor der Alternative, der zu erwartenden Verwilderung und zunehmenden Vermüllung vor der eigenen Haustür zuschauen zu müssen oder das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen.

Der Vorstand entschied sich für Letzteres. Auf der Mitgliederversammlung im März ließ er sich das neue Projekt absegnen. Mit dem Eigentümer des Geländes, Thomas Stallkamp, einigte man sich schnell auf eine neue Nutzungsüberlassung. „Mir ist sehr daran gelegen, dass der Steinbruch als Naturdenkmal der Öffentlichkeit erhalten bleibt und sich jemand um die Pflege kümmert“, sagte er. Im Gegenzug für die ehrenamtliche Pflege braucht der Verein nichts für das Nutzungsrecht zu bezahlen.

„Im Wesentlichen soll alles so bleiben wie bisher“, sagte der Vereinsvorsitzende Josef Pott, „mit einem großen Unterschied: Grillen und offenes Feuer sind nicht mehr erlaubt.“ Die Erfahrung habe gezeigt, dass bei diesen Aktivitäten quasi wie ein Naturgesetz Müll liegen bleibe. „Einzelpersonen können den Steinbruch während der Tageslicht-Stunden unangemeldet aufsuchen“, ergänzte der zweite Vorsitzende Heinrich Maßbaum, „Gruppen melden sich bitte vorher bei uns an.“ Wie bislang auch schon, sind das Abbauen von Steinen und das Klettern in der Felswand nicht erlaubt, ebenso wenig das Abspielen von Musikanlagen, das Aufstellen von Zelten und das Übernachten. „Wir wollen einen sanften, schonenden Tourismus der Heimat- und Naturfreunde, die die einmalige Kulisse genießen wollen“, sagte Pott. Es biete sich an, den Besuch des Heimathauses, seines Bauerngartens und der Streuobstwiese mit einem Gang in den Steinbruch zu verbinden. Auch biete die Gästeführerin Maria Barz eine spezielle Steinbruch-Tour mit dem Titel „Ein Spaziergang auf dem Meeresboden“ an, zu buchen über das Rathaus.

Zur Sache: 235 Millionen Jahre haben die hellgrauen bis gelblichen Kalksteine auf dem Buckel, die im Hollager Berg bis dicht an die Oberfläche treten. Sie entstanden aus feinem Kalkschlamm, der sich am Grund eines Meeres absetzte, das damals weite Teile des heutigen Deutschlands überflutete.

Vor etwa hundert Jahren begann der vorindustrielle Abbau des Muschelkalk-Gesteins. Zahllose Häuser, Kellersockel und Hofmauern wurden daraus errichtet, auch die 1922 geweihte Hollager Josefskirche. 1936 übernahm Caspar Middelberg den Steinbruch zur Pacht. Caspar Middelberg zahlte an den Grundeigentümer Georg Klumpe „eine halbe Reichsmark für jeden aus dem Steinbruch zur Verladung kommenden Kubikmeter Steinmaterials“. So steht es in dem alten Pachtvertrag, den der heutige Eigentümer Thomas Stallkamp verwahrt. Bis 1981 fand Gesteinsabbau statt.

Nach der Betriebsaufgabe erkannten Naturschützer den besonderen Wert des Aufschlusses. Als Naturdenkmal, das gleichermaßen Kulturgeschichte der Nutzung dokumentiert, ist der Steinbruch unter Schutz gestellt und Bestandteil des Natur- und Geoparks Terra-Vita. 1986 vereinbarte die damalige Eigentümerin Marianne Klumpe mit der Hollager Kirchengemeinde St. Josef eine Nutzungsüberlassung. Die Gemeinde oder ihr nahestehende Gruppen errichteten ein „Stifterkreuz“, einen Altarstein, eine Schutzhütte und Spielgeräte. Zahlreiche Gottesdienste, auch ökumenische und plattdeutsche, fanden hier statt. Anfang 2013 kündigte die Josefsgemeinde den Nutzungsvertrag. Seit dem 21. Juni 2013 übt der Verein Heimathaus Hollager Hof das Hausrecht aus.


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