Nachzahlung von 7400 Euro in 2016 Trotz Minus: Wallenhorst hält am Carsharing fest

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Wallenhorst. 17.291,64 Euro hat die Gemeinde Wallenhorst im vergangenen Jahr für das Carsharing ausgegeben, darunter eine Nachzahlung von 7391,99 Euro, weil der zugesicherte Mindestumsatz nicht erreicht wurde. Verwaltung und Politik wollen trotzdem an dem Projekt festhalten.

Seit 1. November 2015 stellt die Gemeinde Wallenhorst in Kooperation mit der Stadtteilauto OS GmbH zwei Leihfahrzeuge zur Verfügung, davon eines mit Elektroantrieb. Im Umweltausschuss am Dienstagabend präsentierte Wallenhorsts Klimaschutzmanager Stefan Sprenger nun die Nutzungszahlen und Kosten des Carsharing-Angebots im Jahr 2016. Demnach wurden bei 766 Fahrten insgesamt 15.000 Kilometer zurückgelegt, davon etwa drei Viertel (11.100 Kilometer) von Gemeindebediensteten und ein Viertel (3900 Kilometer) von den gegenwärtig 32 Privatkunden, die sich in Wallenhorst für das Angebot angemeldet haben.

Mindestumsatz nicht erreicht

Die Gesamtkosten beliefen sich Sprenger zufolge auf 17.291,94 Euro, darunter 4284 Euro Miete für das Elektroauto und 5614,65 Euro für die Dienstfahrten der Gemeindemitarbeiter. Zusätzlich schlugen 7391,99 Euro zu Buche, die die Gemeinde als Nachzahlung an die Stadtteilauto OS GmbH zahlen muss, weil der bei Vertragsabschluss vereinbarte Mindestumsatz von 17.136 Euro brutto nicht erreicht worden war. Dabei kam der Gemeinde noch zugute, dass ihr die Stadtteilauto OS GmbH als Betreiber den Mindestumsatz des Elektroautos für drei Monate erließ, weil die Ladesäule im Sommer und Herbst defekt war – andernfalls wäre die Nachzahlung um 2142 Euro höher ausgefallen.

Inzwischen hätten Gemeinde und Betreiber vereinbart, den Mindestumsatz je Fahrzeug und Monat von 600 auf 500 Euro zu reduzieren, verkündete Sprenger. Ab 1. Juli verringere sich der Mindestumsatz damit auf 14.280 Euro brutto.

Debatte über zusätzliche Kosten

Im Ausschuss entbrannte nach der Präsentation der Zahlen eine Debatte über Vor- und Nachteile des Carsharings. Anna Schwegmann (CDU) äußerte die Befürchtung, dass sich Carsharing in einer Flächengemeinde „einfach nicht rechnet“ und forderte, stattdessen besser in einen öffentlichen Personennahverkehr mit „funktionierenden Querverbindungen“ zu investieren. Bürgermeister Otto Steinkamp (parteilos) entgegnete, er sehe die Mehrkosten als Investment in den Klimaschutz. Es sei nicht leicht, ein derartiges Angebot in einer Gemeinde wie Wallenhorst zu etablieren, deshalb sei er auch nicht davon ausgegangen, mit dem Carsharing gleich im ersten Jahr schwarze Zahlen zu schreiben. Zur Nachzahlung zum Mindestumsatz sagte er: „Das ist ein Betrag, der ist es mir wert.“

„Geduld und gute Werbung“

Rückendeckung erhielt der Verwaltungschef von den Vertretern der anderen Fraktionen. Marion Müssen (UWG) sagte, anderthalb Jahre Laufzeit seien „im Prinzip noch gar nichts“. Die Gemeinde brauche „Geduld und gute Werbung“, um mehr Nutzer zu gewinnen. Ähnlich äußerte sich Markus Broxtermann (SPD), der sich von der Öffentlichkeitsarbeit der Stadtteilauto OS GmbH enttäuscht zeigte. Sein Fraktionskollege Markus Steinkamp (FDP) empfahl, verstärkt in Fahrschulen Werbung zu machen, weil das Carsharing eine preiswerte Option für Fahranfänger sei. Als weiteren Vorteil brachte er ins Spiel, dass sich mit der Kundenkarte der Stadtteilauto GmbH auch Carsharing-Angebote in anderen Städten nutzen ließen. Dirk Hagen (CDW/W) regte an, eines der Autos in einem Wohngebiet zu platzieren, um den Nutzerkreis zu erhöhen.

Tatsächlich solle ab September die Öffentlichkeitsarbeit für das Angebot intensiviert werden, kündigte Klimaschutzmanager Sprenger an; zudem solle an zwei Termin ein Berater für interessierte Bürger zur Verfügung stehen. Daraus folgt: Die Gemeinde hält vorerst weiter am Carsharing, für das es eine halbjährliche Kündigungsfrist gibt, fest.

Ladesäulen auch in Lechtingen und Rulle?

Im nächsten Tagesordnungspunkt stimmte der Ausschuss schließlich bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen für die Installation einer neue Schnellladesäule im Ortsteil Lechtingen. Die Kosten hierfür schätzt die Verwaltung auf 15.000 Euro; bei einem 40-prozentigen Zuschuss durch den Bund verbliebe ein Eigenanteil von 9000 Euro, der in den Haushalt für 2018 einzustellen sei. In einem nächsten Schritt soll Sprenger zufolge auch Rulle eine solche Säule erhalten, ebenso liefen Prüfungen für das Gewerbegebiet Schwarzer See. Bislang stehen in der Gemeinde zwei Ladesäulen zur Verfügung: eine von Ladenetz betriebene am Carsharing-Parkplatz am Rathaus und eine von Innogy betriebene in Hollage.


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