Karaoke im Kollektiv Zweites Wallenhorster Rudelsingen: 450 machten mit


Wallenhorst. Eintritt zahlen, singen und vom ersten Lied an ein Lächeln im Gesicht haben – das ist Rudelsingen. David Rauterberg und Philip Ritter haben die Gymnastikhalle zum Klingen gebracht. Zum zweiten Mal sangen die Wallenhorster aus voller Brust.

Rudelsingen ist wie Karaoke im Kollektiv. Den Text lesen die versammelten Sänger von der Leinwand in der Mitte, links steht David Rauterberg mit Notenpult und Gitarre, rechts sitzt Philip Ritter am Piano. Rauterberg singt laut mit und vor, er tanzt, schwingt die Arme weit nach links und rechts, er macht Faxen – aber er dirigiert nicht. Es geht nicht darum, so gut wie möglich zu singen, es geht darum, überhaupt zu singen, egal ob schief oder schön, und dabei Spaß zu haben.

Akustiktest mit Amarillo

Zum ersten Rudelsingen vor einem Jahr kamen 150 Gäste in die Hofstelle Duling. das kam so gut an, dass es dieses Mal mit 450 Sängern in die Gymnastikhalle ging. „Ich bin mal gespannt, wie hier die Akustik ist“, setzte David Rauterberg an. „Das können wir vorher nicht testen, wenn sie schlecht ist, gehen wir alle nach einem Lied nach Hause.“ War natürlich nur ein Witz und der Klang war völlig in Ordnung, das zeigte der Test mit Tony Christies „Amarillo“ eindrucksvoll. „Es klingt prima, wir können weitermachen.“ Später verriet er, dass die Akustik für eine Turnhalle tatsächlich erstaunlich gut ist.

Einmal um die ganze Welt

Gassenhauer, Schlager, Seemannslieder, Evergreens – im Karaoke-Chor ging es rund um die Welt. Gestartet in Amarillo ging es über „New York, New York“, in den Wilden Westen zum Geisterreiter bis hin zu „Major Tom“ ins Weltall. ABBA gehört zwingend zu jedem ordentlichen Rudelsingen, die Beatles natürlich auch. Das alles in einer Tonlage, die für Frauen angenehm ist und bei der die Männer nicht leiden.

Nicht zu schlagerlastig

„Wir haben 400 Songs im Repertoire, von denen wir wissen, dass sie funktionieren.“, erklärte Philip Ritter. „Die eine Hälfte deutsch, die andere Hälfte englisch. Wenn wir nur deutsche Stücke singen, wird es schnell zu schlagerlastig. Was ein Fehler wäre, wie Marion Schaeffer aus der ersten Reihe bestätigte: „Ich mag englische Sachen lieber. ‚Chöre‘ von Mark Forster hat mir nicht so gefallen, aber den Rest fand ich spitzenmäßig.“ Beim unverwüstlichen „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ von Jürgen Marcus singt sie trotzdem begeistert mit. „Das ist schmissig.“ David Rauterberg findet das gut „Es soll für jeden etwas dabei sein und ich finde es toll, wenn die Leute mit Inbrunst singen.“

„Du, du liegst mir im Herzen“

Seit 2011 lädt Rauterberg zum gemeinsamen Singen ein, angefangen hat er in Münster, mittlerweile gibt es zehn Teams, die in ganz Deutschland unterwegs sind. In Wallenhorst waren – wie fast überall – etwas mehr Frauen in der Halle. Das Alter reichte von 20-Jährigen bis zur Gruppe 60 plus. Alle machten alles mit. Die Jungen schmachteten „Du, du liegst mir im Herzen“, ein wunderschönes Volkslied von 1820, die Alten rockten bei Bon Jovi mit.

Stehen ist die einzige Regel

„Das macht Spaß“ sind sich Steffie Fänger, Annika Wernke, Anke Meyer und Jana Manthey einig. Die vier Frauen zwischen 20 und 40 hatten sich einen Platz an den Stehtischen hinter den Stuhlreihen gesucht. „Wir wollen dabei tanzen.“ Doch das durften – ja sollten – die Menschen an jeder anderen Stelle des Saales auch. „Es gibt nur eine einzige Regel beim Rudelsingen“, forderte David Rauterberg, „beim Singen stehen wir. Und dann werden Sie erstaunt feststellen, wie gut ihr Nachbar singt.“ Ob das tatsächlich für jeden einzelnen Sänger galt, sei dahingestellt. Aber es war auch egal, Hauptsache Spaß.


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