Ganzheitlicher Zugang zur Sprache Projekt zur Sprachbeobachtung im Osnabrücker Land gestartet

Die Sprachentwicklung in Kindergärten wollen Landkreis Osnabrück und Volkshochschule Osnabrücker Land fördern. Nun fand die Auftaktveranstaltung zu einem Pilotprojekt im Kreishaus Osnabrück statt. Foto: Landkreis Osnabrück/Henning Müller-DetertDie Sprachentwicklung in Kindergärten wollen Landkreis Osnabrück und Volkshochschule Osnabrücker Land fördern. Nun fand die Auftaktveranstaltung zu einem Pilotprojekt im Kreishaus Osnabrück statt. Foto: Landkreis Osnabrück/Henning Müller-Detert

Osnabrück. Bildungspolitik ist gefragter denn je: Dieser Überzeugung sind der Landkreis Osnabrück und die Volkshochschule Osnabrücker Land. Deshalb starten die Partner nun ein Pilotprojekt in der Sprachentwicklungsbeobachtung. 38 Kindertagesstätten aus dem Landkreis werden in der ersten Phase einen wissenschaftlich erarbeiteten Beobachtungsfokus auf Kinder aus ihren Einrichtungen richten. Unterstützung und Anleitung erfahren die Kita-Mitarbeiter von geschulten Sprachexpertinnen der VHS.

„Stellen Sie sich vor, es ist der erste Schultag und Sie verfügen nicht über Sprache. Das kann ein Problem für das ganze Leben werden“, befand Kreisrat Matthias Selle bei der Auftaktveranstaltung zum Pilotprojekt „BaSiK – Begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertageseinrichtungen“ (BaSiK). „Sprache muss schon in Kitas gelernt werden“, sagte Selle in seiner Begrüßung vor rund 80 Fachkräften für Sprache, Kita-Leitungen und Trägervertretern. Hierbei diene das Beobachtungsprojekt auch der Prävention.

Beobachtungsbogen für den pädagogischen Alltag

Hinter BaSiK steht die renommierte Erziehungswissenschaftlerin Renate Zimmer , Direktorin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (Nifbe). Sie hat gemeinsam mit ihrem Team einen Beobachtungsbogen für den pädagogischen Alltag erarbeitet. Dieser hat zum Ziel, den Sprachentwicklungsverlauf eines Kindes kontinuierlich zu dokumentieren und darüber hinaus auch speziellen Förderbedarf zu erkennen. Aufbauend auf den Beobachtungen können Maßnahmen einer alltagsintegrierten Sprachbildung abgeleitet werden. Das Verfahren liegt in zwei Versionen für Kinder unter drei Jahren sowie für Kinder über drei Jahren vor.

Ganzheitlicher Zugang zur Sprache

Besonders die Kinder, die noch am Beginn ihrer Sprachentwicklung stehen oder Deutsch als Zweitsprache erwerben, profitieren von Zugängen zur Sprache, die über die Wahrnehmung, den Körper und die Bewegung erfolgen. BaSiK verfolgt somit einen ganzheitlichen Zugang zur Sprache, ihrer Beobachtung und Bildung. Besonders erfreut zeigte sich Zimmer, dass der Landkreis Osnabrück BaSiK nun in einem Pilotprojekt testen will: „Der Prophet im eigenen Land wird nur selten gehört.“

Verschiedene Arten des Lernens

Die Wissenschaftlerin ging in ihrem Fachvortrag auf die verschiedenen Arten des Lernens ein, die sie anhand von Videobeispielen aus der Praxis verdeutlichte. So erklärte Zimmer beispielsweise, wie man Ablenkungen beziehungsweise sprunghafte Aufmerksamkeitsreize bei Kindern aktiv für emotionale oder spielerische Sprachentwicklung nutzen könne. So könne man über den Zugang zum Kind auch Zugang zur Sprache ermöglichen: „Die Förderung sollte nicht defizitorientiert direkt an der Sprache ansetzen“, ermutigte die Referentin die anwesenden Fachkräfte für Sprache und zitierte den Dichter Christian Morgenstern: „Mit jedem Wort wachsen wir!“


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