Millionenforderungen angedroht Investor will in Wallenhorst wieder Arkaden-Center bauen

Wird auf Wallenhorsts Filetstück im Zentrum nun doch das Arkaden-Center gebaut? Foto: Michael GründelWird auf Wallenhorsts Filetstück im Zentrum nun doch das Arkaden-Center gebaut? Foto: Michael Gründel

Wallenhorst. Wird jetzt etwa doch das scheinbar ad acta gelegte Arkaden-Center auf der Grünen Wiese in Wallenhorst gebaut? Wenn es nach dem Hamburger Investor HBB geht: Ja.

Die alten und die neuen Pläne für ein Einkaufszentrum schienen nach der Bürgerbefragung am 11. September gleichermaßen tot zu sein. Doch der Investor zieht sich nicht zurück – im Gegenteil. Zwar haben die Wallenhorster die „Neue Mitte“ mehrheitlich abgelehnt. Aber das sei ja keine Abstimmung über das Vorgängerprojekt Arkaden-Center gewesen, sagt HBB-Geschäftsführer Harald Ortner. „Da hat keiner gesagt: ‚Das wollen wir nicht‘“, so Ortner im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wir hatten zuvor angefragt, ob der Investor noch Schadensersatzforderungen an die Gemeinde stellen möchte. Und genau das droht er nun an – falls die Verantwortlichen in Wallenhorst den Arkaden-Center-Bau nicht unterstützten. Er beruft sich dabei darauf, dass die Gemeinde rechtlich eine Vorhabenförderungspflicht habe, der sie beim Anfang 2012 beschlossenen Arkaden-Center nicht nachgekommen sei.

Erster Ausstiegsbeschluss

Im November 2013 hatte der Rat einstimmig beschlossen, die Zusammenarbeit mit den Vorhabenträgergesellschaften zu beenden, weil trotz Baugenehmigung für das Arkaden-Center nie Bagger angerollt kamen, der Investor noch einen Antrag auf Änderung der Fassadengestaltung stellte und plötzlich ein Schlüsselgrundstück auf dem knapp 2 Hektar großen Areal an der Niedersachsenstraße nicht mehr zur Verfügung stand. Inzwischen hat die HBB darauf wieder Zugriff. (Zur Themenseite)

2,5 Millionen Euro Schaden

Die Firma habe den Schaden hochgerechnet, der durch das Scheitern der Pläne für „Arkaden-Center“ und „Neue Mitte“ entstehe, sagt Ortner. Ergebnis: „Rund 2,5 Millionen Euro.“ „Die wollen wir bei Bedarf einfordern.“ Das Investitionsvolumen für die „Neue Mitte“ hatte er im Sommer mit circa 30 Millionen Euro beziffert. Darüber, dass die Bürgerbefragung überhaupt durchgeführt wurde, „haben wir uns wirklich geärgert“, so Ortner. „Es tut mir ein bisschen weh, dass wir jetzt was bauen müssen, was optisch nicht ideal ist.“ Das Arkaden-Center werde dann eben so gebaut, wie es in den alten Plänen vorgesehen sei – ohne Wohnungen im Obergeschoss, ohne rote Satteldächer, sondern als schlichter Flachdachbau. „Das ist dann halt leider so.“

Schon im April 2015 hatte Ortner Schadensersatzforderungen angedroht. Die „Neue Mitte“ war schließlich optisch verändert als Kompromiss nach der jahrelangen Hängepartie um das Arkaden-Center entwickelt worden, Bürgermeister Otto Steinkamp (parteilos) hatte sich dafür monatelang eingesetzt.

56,7 Prozent gegen „Neue Mitte“

Das letzte Wort sollten aber die Bürger haben, beschloss der Rat einstimmig. Und 56,7 Prozent der Teilnehmer an der Bürgerbefragung stimmten mit „Nein“. Die genaue Frage auf dem Stimmzettel lautete: „Soll das Wohn- und Geschäftszentrum ‚Neue Mitte Wallenhorst‘ errichtet werden?“ Ortner nimmt das wörtlich: Zurück zum Arkaden-Center.

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Kreis lehnt Verlängerung der Baugenehmigung ab

Jetzt hat die HBB beim Landkreis die Verlängerung der mittlerweile abgelaufenen Baugenehmigung fürs Arkaden-Center beantragt. Doch die habe der Kreis bereits abgelehnt, sagt Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff. Drei Jahre sei die alte Baugenehmigung gültig gewesen. In der Zwischenzeit hätten sich die Grundlagen verändert, etwa die Zeitschienen, die in der alten Genehmigung fixiert gewesen seien. Gegen die Ablehnung habe der Investor Widerspruch eingelegt, so Riepenhoff. Der Sprecher betont, dass für den Landkreis politische Überlegungen keine Rolle spielten: „Wir beurteilen das stumpf nach Baurecht.“ HBB-Geschäftsführer Ortner sagt: „Dann haben wir schon zwei, die wir für den Schaden verantwortlich machen können.“

Pleiten, Pech und Pannen

Die Geschichte des Arkaden-Centers ist eine von Pleiten, Pech und Pannen. Der Hamburger Projektentwickler Arne Hopmann hatte seinerzeit das Rennen in einem Inverstorenwettbewerb gemacht. Sein Arkaden-Center Entwurf überzeugte den Rat am meisten. Anfang 2012 wurden die baurechtlichen Grundlagen dafür gelegt. Die HBB stieg im Laufe das Jahres 2012 in das Projekt ein. Doch die Grüne Wiese blieb: grün. Und der Wallenhorster Rat verlor jegliches Vertrauen in Hopmann. Harald Ortner übernahm. (Weiterlesen: Grüne Wiese Wallenhorst: Geschichte des Scheiterns)

Mitleid mit dem Bürgermeister

„Für Herrn Steinkamp tut es mir ehrlich gesagt leid“, sagt Ortner. Und was ist mit den Bürgern? „Ich finde es bedauerlich, dass wir an dieser Stelle stehen“, so Ortner. „Aber ich bin für das Geld der Gesellschafter zuständig“, betont Ortner. Einer davon sei: Arne Hopmann.

Bürgermeister kommentiert Vorgang nicht

Und was sagt der Bürgermeister selbst zu Ortners Vorgehen? „Dazu äußere ich mich gar nicht“, so Steinkamp. „Ich gehe davon aus, dass er keine Baugenehmigung kriegt.“ Der Wallenhorster Rat hatte kurz nach der Bürgerbefragung schon einstimmig der Gemeindeverwaltung den Auftrag gegeben, alles vorzubereiten, um den fürs Arkaden-Center maßgeschneiderten Bebauungsplan und Durchführungsvertrag aufzuheben.


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