So rechtfertigt sich das Ministerium Verborgenes BAMF-Büro: Flüchtlinge irren durch Wallenhorst

Von Hendrik Steinkuhl


Wallenhorst. Seit dem 22. August gibt es in Wallenhorst ein Büro des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Doch weder informierte die Behörde die Kommune darüber, noch hängte sie ein Schild am Gebäude auf. Wir haben uns das geheime Büro angeschaut und mit dem BAMF gesprochen.

Dass hier eine Behörde residiert, kann man von außen wirklich nicht erkennen. Kein Schild, kein Hinweis, nichts. Der verwinkelte weiße Bau mit der auffälligen Fensterfront an der Ringstraße 7 war bis zum vergangenen Jahr der Hauptsitz der Interport GmbH, geleitet von dem Wallenhorster Björn Schütte. In der Gemeinde kannte allerdings kaum jemand den Sanitär-Großhändler. Und das gilt auch für den neuen Mieter im Erdgeschoss des Gebäudes.

Flüchtlinge im Rathaus

Dort befindet sich nämlich seit dem 22. August ein Büro des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), von dem bislang auch kaum jemand wusste. Nicht einmal die Gemeinde Wallenhorst. „Wir haben zufällig davon erfahren, als Flüchtlinge bei uns im Rathaus aufgelaufen sind, weil sie das BAMF-Büro nicht gefunden haben“, sagte Bürgermeister Otto Steinkamp.

„Fröhliche Weihnachten mit Benjamin Blümchen“

Alles ziemlich geheim also an der Ringstraße 7 in Wallenhorst. Wer das Gebäude betritt und den Mitarbeiter des WSO-Sicherheitsdienstes passiert, findet im Flur auf der linken Seite dann immerhin für Muttersprachler eindeutige Hinweise darauf, wer hier residiert. Denn an den Bürotüren stehen nicht nur Namen, sondern darunter auch die Berufsbezeichnung „Entscheider“ beziehungsweise „Entscheiderin“. Diese Damen und Herren prüfen die Asylanträge und sollen übrigens laut Anforderungsprofil „kultursensibles Einfühlungsvermögen“ haben und „gängige Interviewtechniken“ beherrschen. Den Interviewtechniken der Presse dürfen sie sich allerdings nicht stellen.

Freudloser Warteraum

Denn nachdem der freundliche Sicherheitsmann den herumschnüffelnden Reporter aufgegriffen hat, bittet er ihn in einen freudlosen Warteraum, wo für die Kinder ein paar abgegriffene Spielzeuge und zerfledderte Bilderbücher („Fröhliche Weihnachten mit Benjamin Blümchen“) auf der Fensterbank drapiert sind. Nach ein paar Minuten kommt ein lächelnder junger Surfertyp in den Raum, in der Hand einen Post-it mit der Adresse der Pressetestelle des BAMF. „Wir dürfen nichts sagen.“

Wallenhorster BAMF-Büro nur eine Ausweichlösung

Das BAMF in Person von Pressesprecherin Andrea Brinkmann lässt schließlich schriftlich verlauten, dass der junge Surfertyp und seine Kollegen nicht dauerhaft in Wallenhorst bleiben werden. Das jedenfalls dürfte die Formulierung bedeuten, die Mitarbeiter seien „temporär disloziert“ (was in der Medizin übrigens heißt, dass man sich vorübergehend etwas ausgerenkt hat). In der Osnabrücker BAMF-Außenstelle würden derzeit 70 Personen arbeiten; weil der Platz dort aber momentan nicht ausreiche, habe man einige Mitarbeiter nach Wallenhorst ausgelagert.

Kein Publikumsverkehr

„In diesem Gebäude finden zum größten Teil interne Bearbeitungen und kein Publikumsverkehr statt“, schreibt die Pressesprecherin weiter. Um den Rückstand bei den Antragsstellungen abzubauen, hätten in Wallenhorst 16 Entscheider bis zum 31. Oktober auch Anhörungen durchgeführt. Weil aber ja grundsätzlich kein Publikumsverkehr im Wallenhorster Büro stattfinden solle, finde man draußen auch kein Schild.

„Wir bemühen uns um eine wohnortnahe Anhörungsladung“

Dafür habe man den Flüchtlingen eine Anfahrtsbeschreibung übermittelt. Die allerdings scheint ihren Zweck weitgehend verfehlt zu haben, da wie eingangs erwähnt viele Flüchtlinge das Büro nicht fanden und deshalb im Rathaus landeten . Da außerdem zahlreiche Anhörungen morgens um 8 Uhr stattfanden und Flüchtlinge aus ganz Niedersachsen nach Wallenhorst geschickt wurden, trudelten viele am Vortag in der Gemeinde ein und mussten sich dann irgendwo eine Übernachtungsmöglichkeit suchen.

„Wir bemühen uns um eine wohnartnahe Anhörungsladung“, schreibt dazu die Pressesprecherin der Behörde. „Zur Nutzung der verfügbaren Kapazitäten in Wallenhorst und zur Beschleunigung des Verfahrens wurde zum Teil von dem Grundsatz der wohnartnahen Anhörung abgewichen.“

Ausweichende Antwort im schönsten Beamtendeutsch

In Wallenhorst lebende Flüchtlinge kamen und kommen allerdings nicht in den Genuss der „verfügbaren Kapazitäten“ in der eigenen Gemeinde; und auch die Außenstelle in Osnabrück ist nicht, wie man glauben könnte, der fixe Anlaufpunkt für hiesige Flüchtlinge. Denn laut Wallenhorsts Bürgermeister Otto Steinkamp müssen viele von ihnen zur Anhörung nach Friedland bei Göttingen fahren. 

Ausweichende Antworten

Warum aber hat die Behörde der Gemeinde Wallenhorst nie mitgeteilt, dass sie auf ihrem Gebiet ein Büro eröffnet und wochenlang Flüchtlinge dorthin beordert hat? Auch auf diese Frage gibt es eine ausweichende Antwort im schönsten Beamtendeutsch: „Entscheidungen auch über die temporäre Aufnahme einer Liegenschaft werden im Dialog und im Konsens mit dem Land getroffen und dienen letztendlich zum Besten aller Beteiligten, so auch hier.“


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