Bürgerinitiative trotzt dem Verfall Verein für Wallenhorster Alexanderkirche wird 40 Jahre alt

Von Joachim Dierks


Wallenhorst. Ein Gebäude, das nicht mehr genutzt wird, ist dem Untergang geweiht. Meistens, jedenfalls. Dieses Schicksal drohte der Alten Alexanderkirche, als 1881 die neue Alexanderkirche auf dem Bockholt geweiht wurde. Es kam anders: Seit 1976 kümmert sich der Verein der Freunde und Förderer der Alten Kirche zu Wallenhorst um den baulichen Erhalt und die Ausstattung der Kirche. Am Samstag, 29. Oktober wird der Verein in der Hofstelle Duling sein 40-jähriges Bestehen feiern.

Mehr als tausend Jahre diente die Alexander-Kirche im „Alten Dorf“ den Gläubigen Wallenhorsts und den Bauerschaften des weitläufigen Kirchspiels als Gotteshaus. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie für die wachsende Gemeinschaft zu klein, zudem lag sie ganz am nordöstlichen Rande des Kirchspiels. Für die Kirchgänger etwa aus Hollage oder Pye war der Weg weit und beschwerlich. Auch konnte sie den Wunsch der Geistlichkeit nicht erfüllen, dass der Kirchturm aus möglichst vielen Bereichen des Kirchspiels zu sehen und der Glockenklang zu hören sein möge. Alt-St. Alexander lag in einem feuchten Loch.

Die Feuchtigkeit griff das Kirchengebäude an. Es war insgesamt in einem schlechten Zustand. Am 10. Dezember 1852 beschloss die Gemeindeversammlung, einen Neubau in Angriff zu nehmen. Nach einigen Standortdiskussionen wurde 1878 der Bau auf der Anhöhe des Bockholt neben der gotischen Anna-Kapelle begonnen und 1881 fertiggestellt. Neben der Baulast der neuen Kirche nun auch noch den Unterhalt der alten zu leisten, dazu sah sich die Gemeinde nicht in der Lage. Der Abriss der Alten St.-Alexander-Kirche wurde zwar immer wieder mal erwogen, jedoch nicht ausgeführt. Derweil schritt der Verfall fort. Fenster waren zerstört, Birken wuchsen aus dem Mauerwerk.

Leute mit Weitblick

Im 20. Jahrhundert erkannten weitblickende Leute in Wallenhorst und Osnabrück den kulturhistorischen Wert der alten Kirche. Man möge sie bitte nicht auf „zu klein“ und „zu feucht“ reduzieren, sagten sie, und arbeiteten ihre Geschichte als eine der ältesten Kirchen des Bistums auf. Manche sagen sogar: Die älteste Kirche des Bistums, je nachdem, ob man eher der Sage oder archäologischen Befunden und gesicherten Schriftquellen Glauben schenkt.

Jedenfalls ergaben Ausgrabungen von 1968, dass sich unter der heutigen Kirche ältere Fundamente aus Findlingen aus dem 8. Jahrhundert befinden. Womöglich gehören sie, wie die Sage es behauptet, zu einem vorchristlichen Heiligtum. Um 800 wurde eine Saalkirche mit einer Grundfläche von 16 mal 7 Meter gebaut, die teilweise auf dem Fundament des Vorgängerbaus ruht. Der Sage nach hat Karl der Große den Bau veranlasst, um damit nach seinem Sieg über die heidnischen Sachsen den neuen Glauben zu befestigen. Auf den Turmhelm setzte er eine goldene Henne zum Zeichen, dass sie weitere Christenkirchen im Lande ausbrüten möge. Am 3. Januar 851 machte der Widukind-Enkel Waltbert mit den Reliquien des christlichen Märtyrers Alexander in Wallenhorst Station. Für die erste christliche Kirche auf Wallenhorster Gebiet wurde ein kleiner Teil der kostbaren Reliquien-Fracht abgezweigt. Auf diese Weise wurde Alexander ihr Namenspatron.

Der heutige Baukörper der Alten Alexanderkirche stammt überwiegend aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Der Turm wurde um 1500 angefügt. Den stark gesicherten Bau nutzte die Bevölkerung, um in Kriegszeiten, etwa während des Dreißigjährigen Kriegs, wertvolle Güter unterzubringen. 1692 wurde die Sakristei angebaut. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfuhr die Kirche noch einmal bauliche Veränderungen und erhielt auf der Südseite des Kirchenschiffs vier größere Barockfenster. Über die südliche Kirchentür ließ Pastor Friedrich Gosmann während dieser Umbauten eine Inschrift meißeln, die auf die angebliche Weihe der Kirche im Jahr 777 durch Karl den Großen hinweist.

Grundlegende Renovierungsmaßnahmen

Von 1968 bis 1976 erfolgten grundlegende Renovierungsmaßnahmen, um die Bausubstanz zu sichern und wieder Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen zu ermöglichen. Zwei Namen müssen in diesem Zusammenhang genannt werden: Der langjährige Heimatbund-Vorsitzende Kaspar Müller und Hauptlehrer i. R. Kurt Jünemann (1907 – 1989) waren es, die die baugeschichtliche Dokumentation vorantrieben, für die Freigabe der Gelder kämpften und die Sanierungsschritte begleiteten. Jünemann erkannte, dass ein Zusammenschluss der vielen ehrenamtlichen Freunde von Alt-St. Alexander, die großenteils auch schon bei den vorangegangenen Sanierungen mit Hand angelegt hatten, die sicherste Gewähr dafür bieten würde, dass der erreichte bauliche Zustand erhalten und möglichst weiter verbessert wird und auch die Innenausstattung vervollständigt wird.

Am 6. Oktober 1976 fand im Hotel Bitter die Gründungsversammlung des „Vereins der Freunde und Förderer der Alten Kirche zu Wallenhorst“ statt. Zum Vorsitzenden wurde Kurt Jünemann gewählt. Weiterhin gehörten dem ersten Vorstand Willi Brüggemann, Heinz Rölker, Günter Wallenhorst, Gerhard Hawighorst, Heinz Langener, Ursula Langkamp und Franz Vincke an. Der heutige Vorsitzende Karl Burmeister wird beim Festakt im Dulingschen Hof am 29. Oktober ab 11 Uhr den Gästen von vielen erfolgreichen Maßnahmen der zurückliegenden 40 Jahre berichten, seien es die Sanierung des Turms, die „Heimkehr“ der Glocke, der Einbau der Orgel oder die Anschaffung neuer gestalteter Kirchenfenster und die Sanierungen der Barockkanzel, des Chorgestühls und der Emporen.