Leid von Vermehrerhunden Wallenhorster Verein für Deutschen Tierschutzpreis nominiert


Wallenhorst. Wenn der Deutsche Tierschutzbund am Donnerstag in Berlin soziales Engagement, Tierliebe und Verantwortungsgefühl mit dem 12. Deutsche Tierschutzpreis auszeichnet, gehört zu den drei Nominierten auch die Wallenhorster Organisation „Das Leid der Vermehrerhunde“. Ein Verein, der sich für die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Haltungs- und Lebensbedingungen sogenannter Vermehrerhunde einsetzt.

Unter 150 Bewerbern konnten sich die Wallenhorster Tierschützer mit ihrem ehrenamtlichen Engagement bis zur letzten Auswahlrunde durchsetzen. Welchen der drei ersten Plätze sie belegen werden, entscheidet sich am Donnerstagabend. Die Ehrungen sind mit insgesamt 6000 Euro dotiert.

Freude über Nominierung

Jennifer Regenbrecht ist die Vorsitzende des Vereins. Gemeinsam mit zwei Kollegen ist sie nach Berlin gefahren, um die Ehrung entgegenzunehmen. „Wir freuen uns sehr über die Nominierung und waren total überrascht, als wir davon erfuhren“, sagt sie.

Hundekäufer aufklären

Bei der Arbeit ihres Vereins gehe es in erster Linie darum, Hundekäufer über unseriöse Züchter und Händler aufzuklären. „Hündinnen aber auch Rüden werden bei Massenvermehrern, wie wir sie nennen, unter katastrophalen Umständen gehalten und ausgebeutet“, so Regenbrecht. Der Verein zeige die Schattenseiten des unseriösen Welpenhandels auf, mache auf das Thema mit Aufklärungskampagnen aufmerksam und beobachte auch die Zuchtbedingungen von Hunde-Verbänden und deren Untergruppen.

Hilfe beim Welpenkauf

Außerdem – und das sei besonders wichtig – stehe der Verein für Menschen, die sich einen Welpen kaufen möchten, als Berater zur Verfügung. „Wir zeigen Welpeninteressenten einen Weg in Richtung qualitativer Zucht auf und warnen vor den Tricks der Vermehrer und Welpenhändler“, erklärt die Vorsitzende. Nur wenn man die Öffentlichkeit dazu bringe, keine Hunde mehr aus Massenzuchten zu kaufen, könne man das Leid der Vermehrerhunde lindern.

Hiebe, Prügel und Quälerei

„Die Hunde werden auf engstem Raum gehalten. Hündinnen müssen bis zu dreimal im Jahr und 20 Mal in ihrem Leben werfen und Deckrüden werden mit Hieben, Tritten oder Stromschlägen zum Decken gezwungen“, weiß Regenbrecht und erklärt: „Normal ist, dass eine Hündin alle zwei Jahre einen Wurf macht.“

Sie selbst sei Tierliebhaberin durch und durch. Ihr Vater habe in England Cocker Spaniel gezüchtet. So sei sie mit Hunden bereits groß geworden. Ihr erster eigener Hund sei ihr zugelaufen. „Ben kam mit neun Monaten zu uns. Er war einem Nachbarn entwischt und ist dann direkt bei uns geblieben“, erinnert sie sich. Zu diesem quirligen Rüden habe sich die Familie einen Zweithund anschaffen wollen. Ein Golden Retriever sollte es sein.

Welpe aus Massenvermehrung

Über den Tierschutz sei sie dann auf die viereinhalb Monate alte Hündin Bille gestoßen. „Die Kleine wog nur dreieinhalb Kilo und war ein Häufchen Elend. Ein Welpe aus der Massenvermehrung.“ Bille litt seit ihrer Geburt an Ellenbogendysplasie und sei an beiden Vorderläufen operiert worden. Diese Erfahrung habe Regenbrecht für das Leid der Vermehrerhunde sensibilisiert und sie zum Handeln bewegt.

Junger Verein fordert Zuchtregulierung

Der Verein selbst sei noch jung. „Seit zwei Jahren sind wir erst eingetragen“, so Regenbrecht. Mit 30 Mitgliedern und Förderern eher eine kleine Organisation, die sich im Tierschutz engagiert und vehement nach Gesetzen zur Zuchtregulierung verlangt. „Die Nominierung zum Tierschutzpreis bringt uns unheimliche Öffentlichkeit, die wir für unsere Arbeit brauchen“, freut sich Regenbrecht. Das Geld werde man in Aufklärungskampagnen investieren und andere Tierschutzorganisationen damit unterstützen.


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