30-Jähriger angeklagt Wallenhorster Zentrallager um 159.000 Euro gebracht?

Von Heiko Kluge

Einen komplizierten Fall von Unterschlagung verhandelt derzeit das Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael GründelEinen komplizierten Fall von Unterschlagung verhandelt derzeit das Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Seit Montag muss sich ein 30 Jahre alter Mann aus Bochum wegen des Vorwurfs der Unterschlagung vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Ihm wird zur Last gelegt, als Auslieferungsfahrer Barzahlungen von Kunden in Höhe von insgesamt 159.000 Euro nicht beim Wallenhorster Zentrallager eines Möbelunternehmens abgegeben, sondern für sich behalten zu haben.

Der Angeklagte hatte Auslieferungsfahrten für ein Bochumer Möbelunternehmen unternommen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, die von den Kunden entrichteten Barzahlungen nicht an das Unternehmen abgegeben zu haben. Zwischen dem 22. August und dem 17. Oktober 2014 summiert die Anklagebehörde insgesamt 35 Straftaten und kommt zu dem Ergebnis, dass der 30-Jährige insgesamt 159.000 Euro unterschlagen hat.

Geld in Safebags

„Stimmt nicht“, betonte der Verteidiger des Bochumers. Auch sein Mandant gab an, überhaupt nicht verstehen zu können, dass ihm derartiges vorgeworfen werde. Er habe die Beträge, die er von den Kunden entgegen genommen habe, immer in so genannte Safebags aus Plastik gesteckt und im Zentrallager des Unternehmens in Wallenhorst abgegeben. Dort habe man an der Kasse den Schlüssel zur Klappe des Tresors bekommen und die Safebags in die Öffnung geworfen. Anschließend habe man an der Kasse per Unterschrift quittiert bekommen, dass man das Geld abgegeben habe. Auch Differenzen von lediglich zehn Cent seien immer sofort aufgefallen, betonte der 30-Jährige. „Deswegen wundert es mich, dass monatelang nichts aufgefallen ist.“

Logistikleiter spricht von Chaos

Das wunderte auch das Gericht. „Es gibt viele Fragen“, meinte der Vorsitzende des Schöffengerichts. Auch er konnte es sich nicht erklären, dass die Buchführung des Unternehmens über fast zwei Monate nichts bemerkt hatte. Der Leiter für Logistik und Service an dem Wallenhorster Zentrallager führte alles auf das Chaos zurück, das durch die Übernahme eines Bramscher Möbelunternehmens durch die Bochumer Firma entstanden sei. Für ihn seien die Arbeitsprozesse immer absolut sicher gewesen. Aber offenbar habe der Buchhalter die Zähllisten des Sicherheitsdienstes, der den Tresorinhalt regelmäßig abholte, wochenlang liegen lassen. „Dass der Buchhalter Arbeitsprozesse nicht gemacht hat, das haben wir erst hinterher erfahren.“

Er sei zu der Zeit tatsächlich überlastet gewesen, räumte der damalige Buchhalter ein. Als er beim Abgleich der Listen festgestellt habe, dass immer wieder die Safebags des 30-Jährigen fehlten, habe er umgehend seinen Vorgesetzten informiert. Anhand der Listen habe er jedoch nur vermuten können, dass Geld fehlte, so der Zeuge.

Das kryptische Listen- und Quittiersystem stellte auch für das Gericht ein Problem dar. Für den Vorsitzenden war während des ersten Verhandlungstages nicht klar, wie sich aus diesen Unterlagen überhaupt Verdachtsmomente gegen den 30-Jährigen begründen lassen. Um Klarheit zu gewinnen, will man nun zu einem Fortsetzungstermin Anfang November weitere Angehörige des Bochumer Unternehmens als Zeugen hören.

Safebag bei Hausdurchsuchung gefunden

Bei einer Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten war eine aufgerissene Safebag mit einer aufgedruckten Nummer sichergestellt worden. Ein Begleitschein über den Eingang eines Beutels dieser Nummer war vom Zentrallager in Wallenhorst quittiert worden – ein entsprechender Beutel war im Tresor des Unternehmens aber nicht zu finden gewesen.

Der Angeklagte gab an, beim Einfüllen der Tagesseinnahmen von insgesamt 7226 Euro versehentlich einen Euro vergessen zu haben. Wenn man eine solche Geldtüte einmal zugeklebt habe, könne man die aber nicht mehr öffnen. Also habe er die Tüte aufgerissen und das Geld in einen neuen Safebag mit anderer Nummer gesteckt und dabei vergessen, im dazugehörigen Begleitschein aber die neue Nummer der Tüte zu notieren. Damit müssten die 7226 Euro sich einem anderen Geldbeutel zuordnen lassen, der an dem fraglichen Tag in den Tresor gegeben wurde. Anhand der bisherigen Unterlagen konnte das Gericht diese Frage bislang nicht klären.


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