Zweites Ruller Theaterfestival Wallenhorster Geschichten zwischen Aufbruch und Ankommen

Über drei Abende inszenierten Künstler und Laiendarsteller Vorführungen an unterschiedlichen Orten. Hier hat der Johannes-Chor seinen Auftritt. Foto: Susanne PohlmannÜber drei Abende inszenierten Künstler und Laiendarsteller Vorführungen an unterschiedlichen Orten. Hier hat der Johannes-Chor seinen Auftritt. Foto: Susanne Pohlmann

Wallenhorst. Singend und tanzend inszenierten 30 Laiendarsteller und Schauspieler an drei Tagen Wallenhorster Geschichten vom Aufbruch und Ankommen. Unter dem Titel „ Riding my Kaffeefahrt“ präsentierten das Ruller Haus und das Musiktheater Lupe das zweite Ruller Theaterfestival.

Immer und überall erwartete die Gäste etwas Überraschendes: Mal mischte sich der Johannes-Chor unter das Publikum, mal erhob sich ein Darsteller aus den Zuschauerreihen, der sich zuvor unbemerkt unter die Besucher gemischt hatte.

Nashörner zähmen

Ganz Rulle gab sich an diesem Wochenende einen neuen Anstrich. Gespielt wurde nämlich nicht nur auf der Bühne im Hof des Ruller-Hauses, sondern noch auf weiteren Plätzen, die zu Bühne wurden, und zu denen die Zuschauer mit dem Fahrrad, dem Oldtimer-Bus oder dem Planwagen gelangten. Im Carport von Arno Weerd waren Ausschnitte aus der Multikulti-Theaterproduktion „Kufuna Kifaru – Nashörner zähmen“ vom Musiktheater Lupe in Zusammenarbeit mit der Hip-Hop-Gruppe der Ballettschule von Iris Deuper-Schulze zu sehen.

Alte Geschichten

Erstaunliche Geschichten rund um das Café im Seniorenheim Westerfeld wurden ein paar Straßen weiter gezeigt. Denn dort betrieb einst Frau Flake das Café „Zur Wittekindsburg“. Viele der älteren Zuschauer erinnerten sich noch an den Flakeschen Käsekuchen. Zu den alten Geschichten gab es Ausschnitte des Bremer Tanzduos „tanzbar“ aus dem Stück „Rosa sieht rot“.

Heimarbeit und im Akkord

Ebenfalls als Erinnerung an die Ruller Zeiten, in denen die Frauen ihr Geld mit der Herstellung von Zigarren verdienten, diente eine Szene in der Mühle am Haus Maria Frieden. Wie ging es zu bei den Zigarrenrollerinnen und Wickelmacherinnen, die in Heimarbeit und im Akkord für die Zigarrenfabriken in den 20er Jahren Glimmstängel herstellten?

Kurze Vampirszene

In der ehemaligen Tankstelle ging es um das Thema „Flüchtlinge in Rulle“ und die Rolle des beliebten, aber auch recht gewöhnungsbedürftigen Arztes Dr. Spellmann, der hier früher seine Praxis hatte. Überraschend für das Publikum war eine kurze Vampirszene in einer kleinen Ruller Gasse, in der plötzlich Ruller Blutsauger auftauchten, gespielt von jungen Ballettratten.

Fotografien des Kaplans Raudisch

Und schließlich boten auch die Räumlichkeiten der Ballettschule die perfekte Bühne für ein Stück Ruller Geschichte mit den Fotografien des Kaplans Raudisch aus den 30er Jahren. Dazu hatten Rulleraner Zeitzeugen ihre Geschichten aufgeschrieben, die jetzt für das Theaterprojekt aufbereitet und vorgetragen wurden. Auch mit dabei war die Tanzgruppe der Blau-Weißen Garde Rulle, der Johannes-Chors unter Leitung von Martin Tigges und die Hip-Hop- und Ballettgruppe Iris Deuper-Schulze.

Das „partizipative Theaterfestival“ war nicht nur künstlerisch, sondern auch organisatorisch eine Herausforderung für die künstlerischen Leiter Ralf Siebenand und Katrin Orth (Musiktheater Lupe). Die Kombination aus Laiendarstellern und professionellen Künstlern ergab eine reizvolle und wirklich interessante Theatererfahrung, auch für die Zuschauer.


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