Andreaskirche Kammerkonzert in Hollage rührt zu Tränen


Wallenhorst. Zwei hervorragende Musikerinnen hat der Förderverein der evangelisch-lutherischen Andreasgemeinde Wallenhorst am Freitagabend zu einem Benefizkonzert nach Hollage eingeladen. Die Einnahmen kommen unter anderem der Jugendarbeit des Vereins zugute.

Der helle Gebetsraum der modernen Kirche war gut gefüllt. „Wir spielen heute Stücke quer durch verschiedene Epochen“, kündigte Violinistin Friederike Gäbel an: „Aus dem Barock, der Moderne, der Romantik und ein ehemaliges Lied, das viele aus der Werbung kennen.“

Amüsante Details

Jedes der Stücke von Mozart, Boulanger, Scarlatti, Dvorák, Liszt, Elgar und Wieniawski stellten die Musikerinnen kurz vor. „Wir erläutern amüsante Details, die nicht so bekannt sind, und Hintergründe“, teilte die Pianistin Lisa Jampolski mit. So wäre Mozart heutzutage wohl ein Plattenkönig, dessen Einnahmen die der Beatles bei Weitem überträfen. Die Sonate in F-Dur 377 Köchelverzeichnis galt einem früheren Kritiker als brilliant und erfordere einen ebenso kunstfertigen Geiger wie Pianisten. Beide Damen spielten sie hingebungsvoll mit exzellenter Betonung.

Tränen in den Augen

Die nächste Sonate war deutlich schwieriger, der erste Largosatz in Fis-Moll von Francesco Scarletti. Der Komponist wurde 1690 geboren und wirkte in der Hofkapelle von August dem Starken in Dresden. Er bewunderte Corelli, allerdings galten seine eigenen Sonaten als technisch ausgefeilter. Zwei wunderbare Stücke von Antonin Dvorák und Franz Liszt trieben einigen Zuhörern die Tränen in die Augen – so herrlich arbeitete das Duo die Stimmungen heraus.

Sprung in Moderne

Die siebte Humoreske von Dvorák war seiner Zeit voraus. Das Duo spielte sie in der bearbeiteten Version von Fritz Kreissler. Der Liebestraum von Liszt verursachte Gänsehaut. Ein beinah avantgardistisch anmutendes Stück von Lili Boulanger war der Sprung in die Moderne: stark akzentuiert, mal begleitete das Klavier die Geige – mal umgekehrt. „Eine Oase jugendlichen Lächelns“, schrieb um 1930 ein Kritiker, erklärte Gäbel. 

Ohrenschmaus

Ein musikalischer Ritt durch die Epochen wurde versprochen und es war ein fulminanter Ohrenschmaus. Das lag sowohl an der Auswahl als auch an dem Können des Duos, das Stimmungen und Zwischentöne genau herausarbeitete, Betonungen akzentuiert setzte und komplizierte Sätze beschwingt spielte. 

Zehn Jahre befreundet

Die Violonistin Friederike Gäbel und die Pianistin Lisa Jampolski verbindet eine zehnjährige, musikalische Freundschaft miteinander. Sie lernten sich über die Osnabrücker Musikschule Remelé kennen und arbeiten beide seit mehr als dreißig Jahren als Musikerinnen. Sechs Jahre spielte Gäbel im Osnabrücker Sinfonieorchester, später fünf Jahre an der Freilichtbühne Tecklenburg die Erste Geige. Dazu erteilt die gelernte Musiklehrerin Geigenunterricht zwischen Hase und Ems. Die gebürtige Russin Jampolski ist seit mehr zwanzig Jahren als Konzertpianistin tätig und lebt seit 2001 in Deutschland. Ihre Schüler sind mehrfach Preisträger beim bundesweiten Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf der Regional- und Landesebene geworden. 


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