Kampf auf einer Parkbank Musiktheater Lupe im Ruller Haus

Von Frank Muscheid

<em>Auf einer Parkbank</em> eröffnen (v.l.) Katrin Orth (49) , Genifer Habbasch (24) und Dietmar Voigt (60) den Generationen-KonfliktFoto: Egmont SeilerAuf einer Parkbank eröffnen (v.l.) Katrin Orth (49) , Genifer Habbasch (24) und Dietmar Voigt (60) den Generationen-KonfliktFoto: Egmont Seiler

fram Wallenhorst. Steigerungsfähig war nur die Besucherzahl beim ersten Freilufttheater am Ruller Haus: 35 Zuschauer erlebten am Sonntag eine großartige Vorstellung des Osnabrücker Musiktheaters Lupe. Viele waren durch Kostproben bei der Kulturnacht neugierig geworden. In „Kufuna Kifaru – Nashörner zähmen“, geschrieben, komponiert und inszeniert von Ralf Siebenand, brillieren der Leipziger Dietmar Voigt (60) als alternder Nörgler, die Berlinerin Genifer Habbasch (24) als freche Lebegöre und die Osnabrückerin Katrin Orth (49) als vom Leben verspannte Geschäftsfrau. Sie eröffnen auf einer Parkbank den Generationen-Konflikt und handeln in urkomischen Dialogen nebenher die Rechte älterer Menschen oder die Situation von Großeltern in Afrika ab, deren Enkelkinder Aidswaisen geworden sind. „Sein Nashorn zu zähmen“ lautet ihre Aufgabe – ein afrikanisches Sprichwort dafür, Unmögliches zu schaffen.

Rentner Friedhelm macht sich in Schlabberhose auf „seiner Bank“ breit, erbost sich über Müllwegwerfer oder Überfälle auf Senioren. Als die junge Dakya mit MP3-Player die Bank besetzt, ist der Kampf eröffnet. Er schockt sie mit einer vorgetäuschten Herzattacke. „Mensch ey, ich hab gedacht, Du bist tot. Was machst Du sonst so“, fragt sie den alten Herren.

Der entflieht täglich dem Alltag im Seniorenheim. „Seniorenheim? Krass! Ich mach‘ das, was mir Spaß macht“, sagt das Mädchen, das aber ganz eigene Probleme hat. Der Ex-Wasserbauingenieur kennt ihre Heimat, Tansania. Und begreift, wie schlimm es sein muss, als Aidswaise in ein neues Land zu kommen. Mit seiner Tochter Gabriele (Katrin Orth) wird er aber gar nicht warm. Der wirft er vor, ihn verlassen zu haben. „Du wolltest, dass ich so werde wie du“, kontert sie. Plötzlich wird aus der frechen Dakya eine Vermittlerin, die davon erzählt, was es heißt, „sein Nashorn zu zähmen“. Allein der rituelle Nashornkampf, den Vater und Tochter hinlegen, ist die Buchung und den Besuch der vom Verein HelpAge in Auftrag gegebenen Produktion wert.

„Wir sind begeistert“, sagt Werner Stahl (64), der mit der Familie aus Pye gekommen ist. Wie diese drei Generationen miteinander ringen, erlebe man selbst, „auch die Mimik war absolut gelungen.“ „Es war lustig gemacht“, sagt Tochter Anna (18), in den Konflikten mit den Eltern fänden sich viele wieder. „Draußen haben wir noch gar nicht Theater gemacht. Wir wollen das ausbauen“, versichert Arno Weerd, Vorsitzender des Vereins Ruller Haus.

„Ich kann viel selbst einbringen“, sagt Dietmar Voigt über seine Rolle. Im Alter könne man sich auf der Bühne „viel mehr erlauben, Widersprüche aufmachen, grantig sein, das macht Spaß.“ „Bei einem Mehrgenerationenstück ist es wichtig, Leute zu bekommen, die diese Generationen glaubwürdig vertreten“, sagt Katrin Orth.

An ihrer Rolle gefalle ihr, „wie ich ausgehebelt werde, die Seiten einer Geschäftsfrau zu spielen, Traurigkeit und Sehnsucht.“ „Dakya sein zu können, obwohl sie selbst nicht weiß, wer sie ist“, gefällt Genifer Habbasch an ihrem Part. „Sie ist eine Rotzgöhre, aber nicht unangenehm – versucht, die Situation zum Guten zu wenden.“ Im Kongo geboren, ist Genifer Habbasch in ihrer Familie nicht mit dem Thema Aidswaisen konfrontiert: „Aber wen betrifft es nicht?“


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