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Rechenspiele Wer kooperiert mit wem in Wallenhorst?

Farbenspiele: In Wallenhorst gibt es noch keine klaren Verhältnisse. Foto: Christoph GraniecznyFarbenspiele: In Wallenhorst gibt es noch keine klaren Verhältnisse. Foto: Christoph Granieczny

Wallenhorst. Die bisherige Kooperation aus SPD, Grünen und Wählergemeinschaft (WWG) stellt nicht mehr die Mehrheit im neuen Wallenhorster Rat. Aber wer stattdessen? Die SPD darf als stärkste Fraktion wählen, mit wem sie zusammenarbeitet. Zünglein an der Waage dürfte die CDW (Christlich, Demokratisch für Wallenhorst) werden, die aus dem Stand sechs Ratsmandate errungen hat.

Die konstituierende Ratssitzung eröffnen wird am 1. November wie schon vor fünf Jahren der Ratsälteste Arnulf Nüßlein von den Grünen (Jahrgang 1937) – dann wird ein neuer Ratsvorsitzender gewählt und übernimmt die Sitzungsleitung. Es könnte mit Hans Stegemann der alte bleiben, denn dessen SPD-Fraktion ist mit 11 Sitzen stärkste Kraft im neuen Rat.

(Weiterlesen: Steiler Start für CDW in Wallenhorst – CDU verliert massiv)

CDW: Nicht mit der CDU

Um klare Mehrheiten zu bekommen – 18 Sitze sind in dem 34-köpfigen Gremium (mit dem parteilosen Bürgermeister Otto Steinkamp hat der Rat 35 Sitze) nötig –, geht fast kein Weg an der CDW vorbei. Die schließt eines schon mal aus: Eine Koalition mit der CDU (10 Sitze), von der sich die CDW vor zwei Jahren abgespalten hat. „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagte am Montagmorgen der bisherige CDW-Fraktionschef Manfred Gretzmann. Zusammen mit SPD (11 Sitze) und dazu noch Grünen (2), WWG (3) oder FDP (1) wiederum könnten sie eine Mehrheitsgruppe bilden. Aber ob die CDW sich mit der SPD und einer weiteren Fraktion zusammentut, ist noch offen. „Darüber werden wir noch befinden“, so Gretzmann. „Denkbar ist auch, dass wir keine Koalition bilden und im Rat von Fall zu Fall entscheiden.“ Dann gäbe es einen Wallenhorster Rat ohne klare Mehrheiten.

FDP bevorzugt wechselnde Mehrheiten

Eine Alternative wäre rein rechnerisch möglich: Eine Erweiterung der Mehrheitskooperation (zusammen 16 Sitze), um die FDP – mit dem Bürgermeister als Mehrheitsgeber. Die FDP allerdings hat sich die Haushaltspolitik auf die Fahnen geschrieben, und der Liberale Markus Steinkamp sieht eine Zusammenarbeit mit der SPD aufgrund deren diverser kostspieliger Wahlversprechen als „eher schwierig“ an. „Ich sehe keine naheliegenden Partnerschaften“, sagte Markus Steinkamp, der aber grundsätzlich mit allen sprechen möchte. „Wir könnten uns gut vorstellen, mit wechselnden Mehrheiten zu arbeiten“, so der Liberale. Er fände es gut, so in den kommenden fünf Jahren die festgefahrenen Fronten im Wallenhorster Rat aufzubrechen.

CDU bleibt Opposition

Klar ist, dass die CDU auf der Oppositionsbank bleibt, denn SPD-Fraktionschef Guido Pott hatte im Vorfeld eine Große Koalition ausgeschlossen ; auch Ludger Meyer von der Wählergemeinschaft kann sich keine Zusammenarbeit mit der CDU vorstellen.

Grüne mit herben Verlusten

Nüßleins Grüne haben zwei Sitze verloren (minus 6,5 Prozent). „Ein dramatischer Verlust“, sagt Nüßlein. „Wir sind in der Kooperation als eigenständige grüne Stimme etwas untergegangen“, lautet eine seiner Erklärungen. Hinzu kamen Zerwürfnisse innerhalb der Partei. So war Mit-Gründungsmitglied der Wallenhorster Grünen Alfons Börger zur WWG gewechselt. Er verpasste übrigens den Einzug in den Rat. Für die Grünen gelte: „Wir warten ab, ob es für die SPD interessant ist, mit uns eine Koalition zu bilden“, so Nüßlein, der zusammen mit Dagmar Wellmann nur zwei Mandate bekommen hat. „Aber vielleicht müssen wir uns einfach mal erholen.“

WWG will stabile Mehrheiten

Die WWG könnte sich eine Zusammenarbeit mit SPD und CDW „sehr gut vorstellen“, sagte Fraktionschef Ludger Meyer. „Hier ist aber die SPD als stärkste Fraktion am Zuge.“ Und die schweigt noch. Der Wählergemeinschaft sei wichtig: „eine vernünftige, stabile Mehrheit“, damit auch Investoren verlässliche Ansprechpartner haben. Meyer sympathisiere auch mit Markus Steinkamp.

Linker bleibt Einzelkämpfer

Linke-Ratsherr Michael Riemann bleibt Einzelkämpfer im Rat, obwohl seine Partei das Stimmergebnis fast verdoppeln konnte. „Für zwei Mandate hat es leider nicht gereicht“, so Riemann. „Aber ich bin glücklich und stolz auf die Wallenhorster, dass sie sich gegen die ‚Neue Mitte‘ entschieden haben.“ Eine Zusammenarbeit mit CDW oder WWG schließt er aus. Wenn, dann wolle er nur mit einer Partei zusammenarbeiten, die auch ein Parteiprogramm und damit einen roten Faden habe.

Bestes Einzelergebnis für Guido Pott

Das beste Einzelergebnis bekam dieses Mal der SPD-Fraktionsvorsitzende Guido Pott (946 Stimmen). Vor fünf Jahren war es noch sein Gegenpart Lammerskitten von der CDU, der die meisten Wählerstimmen für sich verbuchen konnte. Bekam er 2011 noch 1459 Kreuzchen, waren es am Sonntag nur noch 816 für den CDU-Fraktions- und Gemeindeverbandschef, der auch einen Sitz im Niedersächsischen Landtag hat. Das beste Einzelergebnis der CDU fuhr statt Lammerskitten der ehemalige Bürgermeisterkandidat Stefan Düing aus Lechtingen ein. Er bekam 859 Stimmen.

Überraschungssieger: Michael Lührmann

Jüngstes Ratsmitglied ist der Überraschungssieger des Wahlabends Michael Lührmann von der CDW. Der Erzieher aus Hollage ist Jahrgang 1991 und bekam satte 699 Stimmen – 9 mehr noch als Manfred Gretzmann. Und nicht nur das: Er schaffte es sogar in den Kreistag. 4333 Stimmen bekam die CDW insgesamt auf Kreisebene, wo sich Wallenhorst und Belm einen Wahlbereich teilen.


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