Wallenhorster Unternehmerfrühstück Widerstand gegen das „Neue Mitte“ - Projekt

Von Christina Halbach

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Wallenhorst. Mit rund 70 Teilnehmern erwies sich das 17. Unternehmerfrühstück erneut als Magnet für Wallenhorster Firmen. Gastgeber war diesmal das E-Center am Lechtinger Kirchweg. Zentrales Thema: Die „Neue Mitte“. In Position brachten sich dabei Inhaber und Vertreter der Wallenhorster Supermärkte. Sie sprachen sich gegen das „Grüne Wiese-Projekt“ aus, das REWE und Lidl als Hauptmieter vorsieht.

„Der Kuchen für die Wallenhorster Gewerbetreibenden wird immer kleiner. Dadurch wird die Nahversorgung auf Dauer auf Eis gelegt“, erklärte Jens Wechsler, Inhaber des Ruller Markant-Marktes. Der Kaufmann verstärkt seit einiger Zeit das Vorstandsteam des Marketingvereins „Wir für Wallenhorst“, der seit rund fünf Jahren gemeinsam mit der Gemeinde das Unternehmerfrühstück organisiert. Er befürchtet durch die neuen Verkaufsflächen Umsatzeinbußen und als Folge einen Mitarbeiter-Rückgang. In dieser Kerbe schlugen auch Vertreter des Combi-Marktes: „Wir haben hier in Wallenhorst 61 Millionen Euro nahversorgungsrelevante Kaufkraft“, erklärte Combi-Prokurist Gerrit Hermeling mit Bezug auf ein Gutachten , das im Auftrag der Bünting AG als Betreiber der Combi-Märkte im April dieses Jahres erstellt worden ist. Durch die geplanten neuen Märkte werde ein geschätztes Umsatzpotential von bis zu 22 Millionen Euro generiert, so dass 36 Prozent der Kaufkraft durch die geplanten Discounter gebunden werde.

Gastgeber und E-Center Inhaber Guido Gartmann sieht dem Projekt ebenfalls mit Sorge entgegen: Er sieht sich „durch die jetzt geplante Form der Neuen Mitte mit den riesigen Lebensmittelflächen“ in seiner Existenz gefährdet. „Man kann die Milch nicht zweimal verkaufen“, stellt Gartmann fest, der vor zwei Jahren das E-Center am Lechtinger Kirchweg komplett neu gebaut hatte. In der Wallenhorster Kaufmannschaft rege sich, so Gartmann, mittlerweile erheblicher Widerstand gegen die „Neue Mitte“-Pläne: An die 24 Geschäftsleute wollen sich in gemeinsamen Aktionen unter dem Motto „Wir wollen die Neue Mitte nicht in dieser Form“ gegen das Projekt stemmen. Auch Gartmann geht es nicht um das ob, sondern vielmehr um das wie: „Ich bin nicht dagegen, dass grundsätzlich was passiert. Die grüne Wiese muss allerdings so bebaut werden, dass die Nahversorgung in der gesamten Gemeinde gesichert bleibt.“ Zugleich verweist Gartmann auf die bisherige positive Zusammenarbeit zwischen gut funktionierenden selbstständigen Gewerbetreibenden und den Wallenhorster Vereinen hin: „Wir möchten, dass das so bleibt.“

Auch unter den Frühstücksgästen: Immobilienmaklerin Andrea Oehler. Sie sieht die „Neue Mitte“ ebenfalls kritisch und bezweifelt, dass sich für die kleineren Ladenflächen Mieter finden lassen. Bereits für das Arkaden-Center habe sie seinerzeit als Mitarbeiterin der Osnabrücker Immobilienfirma Lührmann im Auftrag des ehemaligen Projektentwicklers Arne Hopmann versucht, Interessenten für die dort geplanten, kleineren Einheiten zu gewinnen. Das sei nicht gelungen: „Kleinteilige Vermietung funktioniert nicht mehr“, meint sie und verweist auf die Osnabrücker Theaterpassage. Dort stehe ein Großteil der Ladenlokale leer , Neuvermietungen seien nicht in Planung. Ähnlich sehe es in der benachbarten Krahnstraße aus.

Auch Bürgermeister Otto Steinkamp geht davon aus, dass es zu Umsatzverteilungen kommen werde. Aber: „So ist es immer, wenn sich der Einzelhandel neu aufstellt.“ Schließungen befürchte er indes nicht. Vielmehr werde sich die Situation der bereits ansässigen kleinen Geschäfte durch das Konzept von größeren Ankermietern wie REWE, Lidl und dm verbessern. Außerdem werden seiner Einschätzung nach auch das „ein oder andere kleinere, neue Geschäft“ im Zentrum entstehen.


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