Caroline Kiyai und Solomon Otwao sagen „Tschüss“ Ugandische Gäste verabschieden sich aus Wallenhorst


Wallenhorst. Drei Monate hatte die Wallenhorster St. Alexandergemeinde Besuch von ihrer Partnergemeinde St. Pauls aus dem ugandischen Kumi: Jetzt hieß es für Caroline Kiyai und Solomon Otwao Abschiednehmen. Gemeinsam mit Organisatoren, Gast- und Arbeitgebern sowie Mitgliedern der Pfarreiengemeinschaft ließen sie das in Deutschland verbrachte Vierteljahr Revue passieren.

Organisiert hat ihren Aufenthalt die ehrenamtliche Wallenhorster Palexgruppe. Sie ist Initiatorin und Motor der seit 2009 bestehenden Partnerschaft zwischen den katholischen Kirchengemeinden St. Pauls und St. Alexander, die durch regelmäßige, aber bislang kurze Besuche bekräftigt wird. Mit einem dreimonatigen Aufenthalt sollten die Gäste aus der ugandischen Partnergemeinde erstmals tiefer in das Leben in Deutschland eintauchen. „Das ist uns gelungen“, stellte der Palexgruppen- Sprecher Martin Brüggemann in einem ersten Résumé fest. Tatsächlich liegt ein vielschichtiger Einblick in das berufliche und soziale Leben der Deutschen hinter Caroline und Solomon.

Untergebracht bei verschiedenen Gastfamilien haben sie Praktika in Schulen, Kindergärten und Behörden absolviert, soziale Einrichtungen wie die Behindertenwerkstatt, Wärmestube und Tafel besucht sowie die Arbeitswelt in einer Fahrradwerkstatt und der Landwirtschaft kennengelernt. Auch Ausflüge zum Katholikentag nach Leipzig, an die Nordsee oder die Teilnahme am Messdiener-Zeltlager standen auf ihrem Programm.

Zehn Tage haben sie mit rund 150 Kindern und Jugendlichen in einem Zeltplatz in Ankum verbracht und den Weg in die 30 Kilometer entfernte Gemeinde mit dem Fahrrad zurückgelegt. Für Caroline war diese Tour zugleich die größte Herausforderung ihres Aufenthalts: „Lange Distanzen mit dem Fahrrad zurückzulegen, ist für mich nicht so einfach“, gibt sie schmunzelnd - übersetzt von Martin Brüggemann – auf Englisch zu, denn in ihrer Heimat würden eher Fahrradtaxis, die Boda-Bodas, genutzt.

Solomon hingegen habe vor allem unter der Kälte gelitten. „Zum Marienkindergarten in Rulle ist er immer mit Handschuhen gefahren“, erinnert sich sein Gastgeber Franz Hollermann lachend. Der 24-Jährige, der in Kumi eine kleine Landwirtschaft betreibt, hat seinen Aufenthalt dafür genutzt, sich über die Arbeitsweise der deutschen Landwirte zu informieren. Dabei habe ihn vor allem deren Organisationsfähigkeit begeistert. „Sie achten darauf, das richtige Produkt zur richtigen Zeit anzubauen, um dafür den besten Ertrag zu bekommen“, hat er festgestellt. Überhaupt ist das Zeitmanagement eine Tugend, die er gerne nach Uganda exportieren möchte: „Wenn man sich hier um sechs Uhr verabredet, kommen auch alle zu dieser Uhrzeit.“ Erstaunt habe ihn indes, wie deutsche Jugendliche mit Religion umgehen: „Sie sagen, dass sie glauben, gehen aber nicht zur Kirche oder beten“, konstatiert er, der in seiner Heimat einen intensivere Bindung zwischen den Menschen und ihrer Kirche gewohnt ist. Gottesdienstbesuche sind hier fest in den Tagesablauf integriert.

Auch Carolines Praktikum in einem Altenheim war für die junge Frau ein Blick in  eine fremde Welt, da in ihrer Heimat alte Menschen zuhause gepflegt werden. Dennoch sieht sie die Gründe und Vorteile dieses Systems: „Die Kinder können ihrer Arbeit nachgehen und im Altersheim haben die alten Menschen alles, was sie brauchen“, sagt sie. Für sich würde sie jedoch die heimische Pflege bevorzugen. Nicht richtig anfreunden, konnte sie sich mit dem deutschen Essen. Das würde sie schon lieber hierlassen, gesteht sie. „Ja, mit Käse hatte sie so ihre Probleme“, erinnert sich Gastgeberin Martina Sandmann. Gesüßter Früchtetee, Reis mit Gemüse und vor allem Erdbeeren haben zu ihren favorisierten Speisen gezählt. „Sie ist ein ganz angenehmer Gast gewesen“, erinnert sich Gerhard Sandmann, der von Caroline vor allem eines gelernt habe: „Entschleunigung, einfach mal einen Gang zurückschalten.“

Am Mittwoch geht ihr Flug in die afrikanische Heimat. Zuvor stehe noch eine zweitägige Besichtigung der Hansestadt Hamburg auf dem Programm, berichtet Brüggemann. Gegenseitige Besuche auf Zwei-Wochen-Basis werde es auf jeden Fall weiterhin geben. Ob die Palexgruppe dieses Programm wiederholen wird, müsse indes eine Auswertung der drei Monate zeigen.


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