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Jury kürt Paar mit Manieren Kniggekurs für Wallenhorster Schüler: Essen unter strengster Beobachtung

<em>Das Glas immer schön am Stiel</em> halten und dezent nippen – die Schüler machen ihre Sache nicht schlecht. Foto: Egmont SeilerDas Glas immer schön am Stiel halten und dezent nippen – die Schüler machen ihre Sache nicht schlecht. Foto: Egmont Seiler

Wallenhorst. Vormachen lassen sich diese Jugendlichen nichts mehr: „Ich wusste vorher auch nicht, dass man die Beine im Sitzen nicht überschlagen soll“, erklärt die 16-jährige Anja Wolf der NOZ-Reporterin, die sich gerne korrigieren lässt. Wenn es um Höflichkeit und Umgangsformen geht, sind zwölf Schüler der Alexanderschule in Wallenhorst dank eines Kniggekurses jetzt Experten.

Zwei Tage lang übten sie mit ihren Trainern gutes Benehmen, am Freitag hatten sie ihren großen Auftritt: Bei einem Drei-Gänge-Menü in der Alten Küsterei konnten sie ihr neues Wissen unter Beweis stellen – unter den Argusaugen einer hochkarätigen Jury.

Schulsozialpädagogin Birte Loddeke konnte in diesem Jahr prominente Juroren für das Projekt gewinnen. Darunter: Tanzlegende Michael Hull und Ex-VfL-Spieler Joe Enochs. Sie und sechs weitere Juroren bewerteten die Schüler in Disziplinen wie Kommunikation, Erscheinungsbild und Tischmanieren. Das ließ die Jugendlichen natürlich nicht kalt: „Das Schlimmste wäre zu stolpern“, machte sich Vanessa Laermann Gedanken. „Außerdem bin ich erkältet, aber husten und Nase putzen geht heute nicht“, meinte die 16-Jährige.

Die erste und wohl schwierigste Aufgabe für die Neunt- und Zehntklässler war die Begrüßung der achtköpfigen Jury. Einzeln und mit Handschlag musste sich jeder vorstellen. Dann ging es um die Kommunikation. „Ein gekonnter Small Talk, das ist schwierig“, sagte Organisatorin Loddeke. Gerade diese Disziplin machte auch Florian Uffhaus nervös. Um die Jury zu überzeugen, hatte er sich extra Anzug und Hemd vom großen Bruder ausgeliehen. Schließlich wurde auch das angemessene Styling der Teilnehmer bewertet. „Sonst habe ich so was nicht im Schrank“, sagte der Schüler.

Bereits zum fünften Mal führte die Alexanderschule den Knigge-Kurs im Rahmen der Schwerpunktwoche Berufsorientierung durch. Das Konzept kommt bei den Schülern gut an. Wie in den vergangenen Jahren gab es mehr Interessenten als freie Plätze. Verhalten gegenüber Chef und Kollegen oder Geschäftsessen – das sind Themen, die die Jugendlichen kurz vor dem Schulabschluss interessieren. „Wir erhoffen uns damit natürlich auch, sie gut auf den Ausbildungsstart vorzubereiten“, erklärte Sozialpädagogin Loddeke.

Nach dem – natürlich alkoholfreien – Aperitif bat Gastgeber Marvin Blusche zu Tisch. Auf ihn wartete noch eine besondere Aufgabe: Die obligatorische Weinprobe – mit einem Glas weißem Traubensaft. Mit einem Gruß der Küche begann dann das Drei-Gänge-Menü, das die Inhaber der Alten Küsterei spendierten. Wirklich genießen konnten es die Schüler aber kaum. „Es ist eine sehr ungewöhnliche Situation“, sagte Anja Wolf. „Wir haben uns schon über unser Praktikum unterhalten und darüber, welchen Ausbildungsplatz wir gerne hätten.“ Ein entspanntes Gespräch unter Schulkameraden verläuft wohl anders. „Jetzt geht es um die Details“, meinte auch Schulleiter und Jurymitglied Thomas Behning, der die Schüler immer im Blick behielt: „Umgang mit der Serviette und dem Glas, Kommunikation mit dem Personal und so weiter.“

Weniger kritisch war Trainerin Birte Rönk. Normalerweise arbeitet die Personalentwicklerin mit Geschäftsführern zusammen. Nun brachte sie den Alexanderschülern die Kniggeregeln bei. „Für die Schulform präsentieren sie sich ungewöhnlich gut. Das ist kein Vergleich zu dem, was ich aus anderen Städten von Hauptschülern kenne“, sagte sie. „Ich würde jeden Schüler mitnehmen zum Geschäftsessen.“

Eine hat sich beim Essen in der Alten Küsterei besonders gut präsentiert: Leonie Strätgen überzeugte die Jury und sicherte sich den ersten Platz im Benimmwettbewerb. Genau wie die Zweitplatzierte Julia Brick und die Drittplatzierte Maureen Hartung bekam sie einen Bekleidungsgutschein.

Auch wenn es für Gastgeber Marvin Blusch nicht zum Sieg gereicht hat, hat er etwas Wichtiges gelernt: Beim nächsten Date heißt es: Augenkontakt halten. Und Mitschüler Joel Reverret ergänzte: „Wenn wir halt eine Freundin haben: die Tür aufhalten und ihr die Kleidung abnehmen – also die Jacke!“


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