Alexanderschüler zeigen Dokumentation „Wege der Erinnerung“ im Wallenhorster Rathaus eröffnet


Wallenhorst. Fotografien und Zeichnungen vom Besuch der Wallenhorster Alexanderschüler im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau sind jetzt im Foyer des Rathauses zu sehen. „Wege der Erinnerung“ nennt sich die beeindruckende Ausstellung, die im Rahmen einer Vernissage im Beisein von Schülern, Lehrern, Eltern sowie Vertretern der Politik eröffnet wurde. Gestaltet wurde sie von deutschen und polnischen Jugendlichen sowie dem Streicher-Sextett „Das Gespann“.

„Diese Reise war besser als jedes Geschichtsbuch“, brachte es Dominik Jordan im Laufe der informativen und zugleich stimmungsvollen Veranstaltung auf den Punkt. Der Alexanderschüler ist einer von 19  Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren, die im Dezember 2015 tief bewegt von einer Reise nach Polen zurückgekehrt sind. Gemeinsam mit Schülern des Gimnazjum nr 12 aus der polnischen Partnerstadt Olsztyn haben sie nach einer Vorbereitung in einer Jugendbildungsstätte das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besichtigt.(Weiterlesen: Holocaust, Schoah, Auschwitz: Wofür diese Begriffe stehen )

40 großformatige Bilder und Zeichnungen

Bei den Jugendlichen hat diese Reise zu einem der dunkelsten Orte der deutsch-polnischen Vergangenheit tiefe Spuren hinterlassen. „Wir haben eine starke, ganzheitliche Erfahrung gemacht“, stellte Alexanderschullehrer Michael Hoffmann heraus. Die Schüler seien „so voll“ davon gewesen, dass man sich zu dieser Dokumentation der Reise entschlossen habe: „Die Eltern sollten das einmal in einer Präsentation hören.“ 40 großformatige Bilder und Zeichnungen geben nun einen Eindruck von dem Verlauf der Fahrt: Von den Begegnungen der deutschen und polnischen Schüler über die Besichtigung einer jüdischen Kultureinrichtung und Synagoge bis hin zum Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und der Stadt Krakau als Schlusspunkt der Reise. Versehen sind die Bilder mit Erklärtexten in deutscher und polnischer Sprache.

Emotionaler Moment

Die exemplarische Vorstellung von 13 Bildern gab den Schülern beider Länder jeweils in ihrer Muttersprache die Gelegenheit, von dem Gesehenen und Erlebten zu erzählen. Übersetzt wurden die polnischen Jugendlichen, die anlässlich der Ausstellungseröffnung nach Wallenhorst gereist sind, von dem polnischen Koordinator Jacek Sulkowski. Ihre Betroffenheit und Verbundenheit war ihnen dabei noch heute anzumerken: „Das war so ein emotionaler Moment, in dem jeder für jeden da war“, erinnert sich Benedikt Küttner, als die Gruppe unter dem eisernen Schriftzug  „Arbeit macht frei“ das Konzentrationslager betreten hatte.

Lange Geschichte der Ausgrenzung

Eine der Fotografien erinnert an die Kranzniederlegung am Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma. Carmen Bird und Mario Franz als Vertreter des Vereins „Maro Dromm Sui Generis“ beeindruckt dieser Moment noch heute: „Hier habe ich die Möglichkeit gesehen, gemeinsam Wege zu gehen“, erinnert sich Bird, die zugleich Lehrerin an der Alexanderschule ist. Projektbegleitend hat sie mit einigen Teilnehmern das Schauspiel „Lustig ist das Zigeunerleben“ erarbeitet, das auch zur Ausstellungseröffnung über die Bühne ging. In kurzen Spielszenen wurde die lange Geschichte der Ausgrenzung und Diskriminierung der Sinti und Roma vom Mittelalter über den Nationalsozialismus bis in die heutige Zeit dargestellt.

Rapper tritt auf

Musikalisch unterstützt wurden die Akteure von dem Osnabrücker Rapper „Einfach Sam“: „Mensch Jule, echt krass, hast du dir einen Zigeuner angelacht“, rappt Samuel Bird, als im letzten Akt eine Tochter ihren Eltern die Freundschaft mit einem jungen Mann namens Moro offenbart. (Weiterlesen: Zum Ortsportal )


Die einwöchige Reise nach Polen der Alexanderschule Wallenhorst ist ein Projekt der Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus/Schule mit Courage“, die von Michael Hoffmann sowie Carmen Bird und Mario Franz als Vertreter des Kooperationspartners, dem Verein zum Erhalt der Sprache und Kultur der Sinti „Maro Dromm Sui Generis“, geleitet wird. Finanziell unterstützt wurde die Fahrt vom Deutsch-polnischen Jugendwerk (DPJW) und der Bethe-Stiftung. Die Ausstellung „Wege der Erinnerung“ ist mit der Unterstützung des Förderkreises der Alexanderschule, der Bürgerstiftung Wallenhorst und dem Fotostudio Volb entstanden.

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