Ausschuss Straßen und Verkehr Kein Beschluss zum Zebrastreifen am Pingelstrang

Von Jessica von den Benken

Die Frage, ob es hier „Am Pingelstrang“ in Zukunft einen Zebrastreifen geben wird, beschäftigt aktuell die Wallenhorster Politiker. Foto: Jessica von den BenkenDie Frage, ob es hier „Am Pingelstrang“ in Zukunft einen Zebrastreifen geben wird, beschäftigt aktuell die Wallenhorster Politiker. Foto: Jessica von den Benken

Wallenhorst. Wenn es um die Einrichtung eines neuen Fußgängerüberwegs an der Straße „Am Pingelstrang“ in Höhe des Baugebietes „Wellmanns Hügel“ in Hollage geht, machen es sich die politischen Fraktionen des Wallenhorster Rates nicht einfach. Laut einer aktuellen Verkehrszählung der Verwaltung spricht alles gegen einen Zebrastreifen an dieser Stelle. Doch die Mitglieder des Ausschusses für Straßen und Verkehr sehen mehr als die reinen Zahlen und fassten daher während ihrer jüngsten Sitzung noch keinen Beschluss.

Ende Januar dieses Jahres stellte die CDW (Christlich, Demokratisch für Wallenhorst) einen Antrag auf Erstellung eines Fußgängerüberwegs an der Straße „Am Pingelstrang“ mit folgender Begründung: Die Baugrundstücke im Baugebiet „Wellmannshügel“ seien vorrangig an junge Familien vergeben worden, deren Kinder auf dem Schulweg die Straße „Am Pingelstrang“ in Höhe der Bushaltestelle „Hollage/Talstraße“ überqueren. Um die Geschwindigkeit des Verkehrs zu reduzieren und um die Sicherheit der Schulkinder und anderer Personen zu erhöhen, halte die CDW einen Fußgängerüberweg an dieser Stelle für notwendig.

Ergebnis der Verkehrszählung

Die auf den Antrag folgende Verkehrszählung der Verwaltung zeigte jedoch, dass sowohl die Anzahl der querenden Personen als auch die Anzahl der Fahrzeuge im Längsverkehr die Vorgaben der Richtlinien zur Straßenverkehrsordnung deutlich unterschreiten. Diese besagen, dass in Spitzenstunden – hiermit sind 60 Minuten gemeint, in denen die meisten Fahrzeuge auf die meisten Fußgänger treffen – 300 Fahrzeuge und 50 querende Fußgänger gezählt werden müssen.

Die Zählung der Verwaltung am 28. April zwischen sieben und acht Uhr erfasste jedoch nur 138 Fahrzeuge und 18 Personen. Daher rät die Verwaltung von einem Fußgängerüberweg an dieser Stelle ab.

CDW und CDU sehen Notwendigkeit

„Es ist richtig, dass die Gemeinde hier die Richtlinien ansetzt“, sagte Dirk Hagen (CDW) während der Ausschusssitzung. Es müsse aber auch Ausnahmen geben können. An dieser Stelle halte die CDW eine Ausnahme für notwendig. „Wir haben im Rat beschlossen, das Neubaugebiet für junge Familien einzurichten. Hier müssen wir nun besonders auf die jungen Einwohner, die zur Schule müssen, achten“, so Hagen. Zudem handele es sich um eine lang gezogene Straße, die zu 100 Prozent den Schulweg der Kinder betreffe und auch die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs würden häufig über die Straße gehen. „Diese Punkte sprechen aus unserer Sicht für den Ausnahmezustand und sind Grund genug dort einen Fußgängerüberweg einzurichten“, betonte er.

Alfred Lindner (CDU) stimmte dem zu und führte die Ampelanlage an der L109 in Lechtingen als Beispiel an. „Auch an der Stelle ist die Vorgabe der Richtlinie in keinster Weise erreicht. Hier ist sie aber wegen der Verkehrssicherheit notwendig“, meinte er. Juristisch sei die Verwaltung natürlich im aktuellen Fall im Recht, es sei jedoch nicht nur das Zahlenmaterial zu beachten, sondern auch das Verkehrssicherheitsbedürfnis.

Kooperation noch unsicher

Etwas zurückhaltender stellte sich die Mehrheitskooperation aus SPD, Wallenhorster Wählergemeinschaft und Grünen auf. So sagte Ludger Meyer (WWG): „Auf der einen Seite gibt es das legitime Interesse der Eltern, dass ihre Kinder auf dem kürzesten Weg sicher zur Schule kommen. Auf der anderen Seite ist die Erhebung der Verwaltung jedoch auch völlig korrekt und wir müssen aufpassen keine Präzedenzfälle zu schaffen.“ Die Kooperation wisse aktuell nicht, wie sie sich entscheiden solle. „Ich würde mir von der Verwaltung eine Prognose wünschen, wie sich mit der Veränderung des Baugebietes Witthügel die Zahl der Familien erhöhen wird“, regte Meyer an und beantragte während der Ausschusssitzung über die Einrichtung des Zebrastreifens keinen Beschluss zu fassen.  

Klare Worte des Bürgermeisters

Bürgermeister Otto Steinkamp positionierte sich deutlich und warb mit Nachdruck dafür, dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen, die sich klar gegen einen Zebrastreifen an dieser Stelle aussprach: „Wir müssen uns an den Richtlinien orientieren, sonst sind die Straßen in Wallenhorst bald alle schwarz-weiß.“ Das solle natürlich nicht heißen, dass er die Sorge der Eltern nicht für voll nehme, aber die aktuelle Messung habe nicht einmal die Hälfte der benötigten Werte ergeben. „Wie die Politik mit diesem Thema umgeht, ist mir wichtig, denn wenn wir hier den Weg verlassen, kommen wir in eine ganz schwierige Situation“, betonte er.

Die abschließende Abstimmung fiel klar aus. Dem Antrag der Kooperation, im Ausschuss für Straßen und Verkehr keinen Entschluss zu fassen, folgten Kooperation und CDU. Dirk Hagen (CDW) enthielt sich der Stimme.

Weiter wird die Beschlussvorlage nun am 14. Juni im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss und abschließend am 16. Juni in öffentlicher Sitzung im Rat besprochen.