Bürgerbefragung zur Grünen Wiese Wallenhorster sollen über „Neue Mitte“ mitreden

Von Sandra Dorn

So soll die „Neue Mitte“ in Wallenhorst aussehen. Die Grafik zeigt den Geschäfts- und Wohnkomplex von der Eisdiele „Gianni“ aus betrachtet. Grafik: RKW Düsseldorf/HBBSo soll die „Neue Mitte“ in Wallenhorst aussehen. Die Grafik zeigt den Geschäfts- und Wohnkomplex von der Eisdiele „Gianni“ aus betrachtet. Grafik: RKW Düsseldorf/HBB

Wallenhorst. Die Arkaden-Center-Pläne sind Vergangenheit, und zum Nachfolge-Projekt „Neue Mitte Wallenhorst“ soll es eine Bürgerbefragung geben. Das hat die Mehrheitskooperation aus SPD, Grünen und Wählergemeinschaft (WWG) beantragt.

Monatelang wurde hinter den Kulissen verhandelt, jetzt sind die Pläne endlich öffentlich. Und nicht nur das: Am 11. September werden die Wallenhorster aller Voraussicht nach nicht nur entscheiden, wer in den neuen Gemeinderat einrückt, sondern können auch sagen, ob sie das Projekt der Hanseatischen Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) wollen oder nicht. Das verkündeten die Vertreter der drei Fraktionen SPD (Guido Pott), Grüne (Alfons Börger) und WWG (Ludger Meyer) sowie Bürgermeister Otto Steinkamp (parteilos). Vor der Befragung soll es außerdem einen Bürgerdialog geben.

„Neue Mitte“

Geplant ist für die Grüne Wiese im Wallenhorster Zentrum jetzt ein Komplex mit großen Märkten im Erd- und 15 bis 18 Wohnungen im Obergeschoss. Einkaufen könnten die Wallenhorster in der „Neuen Mitte“ unter anderem bei Rewe, Lidl, dm und Deichmann. Am 10. Mai soll HBB-Geschäftsführer Harald Ortner das Projekt detailliert in der öffentlichen Ratssitzung (ab 17.30 Uhr im Ratssaal) vorstellen. Zum Investitionsvolumen äußert er sich noch nicht. Beim Arkaden-Center waren etwa 20 Millionen Euro geplant.

„Uns hat Herr Ortner überzeugt“, sagt Pott. Der neue Entwurf für das Einkaufszentrum unterscheidet sich komplett von dem gescheiterten Arkaden-Center: Statt einem Flachdachbau ist nun etwas geplant, das sich optisch in das Wallenhorster Zentrum einfügt, entworfen vom Architekturbüro RKW aus Düsseldorf.

Vorgeschichte

Die HBB war 2012 in das Projekt „Arkaden-Center“ eingestiegen, für das bis dato der Projektentwickler Arne Hopmann von der Firma Concept Immobilien verantwortlich zeichnete. Die Investoren ließen sämtliche Fristen verstreichen, bis im Herbst 2013 die Eigentümerin eines wichtigen Grundstücks auf dem 1,7 Hektar großen Areal an der Niedersachsenstraße von ihrem Kaufvertrag zurücktrat . Der Rat fasste am 7. November 2013 einstimmig einen Ausstiegsbeschluss: Die Zusammenarbeit mit Hopmanns Vorhabenträger-Gesellschaften sollte beendet werden – vorausgesetzt der Gemeinde drohen keine Schadensersatzforderungen. Letzteres ist bis heute in der Schwebe. Steinkamp, seit November 2014 als Bürgermeister im Amt, nahm die Verhandlungen mit der HBB wieder auf, band die Ratsfraktionen mit ein, und das Ergebnis lautet: „Neue Mitte“. (Hier geht’s zur Arkaden-Center-Themenseite)

Ausstieg aus dem Ausstieg

Nun will das Mehrheitstrio den Ausstiegsbeschluss aufheben und die 2011 versprochene, aber nie umgesetzte Bürgerbefragung durchführen. Steinkamp steht dahinter. Auch die CDU-Fraktion hat immer wieder eine Bürgerbefragung gefordert, will allerdings weiter komplett aus dem HBB-Projekt aussteigen und den vorhabenbezogenen Bebauungsplan zugunsten einer ganz neuen Wohnbebauung ändern. (Weiterlesen: 20 Jahre Grüne Wiese und kein Ende – Eine Geschichte des Scheiterns)

Bürgerbefragung

„Der Investor lässt sich auf die Bürgerbefragung ein, weil er von dem Konzept überzeugt ist“, sagt Steinkamp. „Wir haben bei unseren Verfahren immer eine höchstmögliche Transparenz gegenüber den Bürgern“, sagt Harald Ortner auf Anfrage. „Vorbehalte gibt es immer nur, wenn die Bürger nicht richtig informiert sind.“ Können die im Zuge des Bürgerdialogs überhaupt noch etwas beeinflussen? „Wir müssen gucken, was geht und was nicht geht“, sagt Ortner. Und was passiert, wenn die Bürger „Nein“ sagen? „Das müssten wir natürlich akzeptieren“, sagt Ortner, aber Gedanken habe er sich darüber noch keine gemacht. Eine Bürgerbefragung ist übrigens formal nicht verbindlich, das letzte Wort hat immer der Gemeinderat.

GMA: Ohne Center stirbt das Zentrum

Eine Bewertung der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) habe die Mitglieder des Mehrheitstrios und den Bürgermeister weiter von dem HBB-Projekt überzeugt, sagten Pott, Meyer und Börger. Hauptaussage der GMA: Ohne ein Center mit Magnetfunktion würden das Wallenhorster Zentrum und seine Geschäfte in der Bedeutungslosigkeit versinken. Die „Neue Mitte“ stelle zudem kein Risiko für die übrigen Nahversorgungsstandorte in der Gemeinde (also etwa die zwischenzeitlich vergrößerten Edeka-Center in Hollage, Lechtingen und Wallenhorst) dar. Das wiederum sieht Combi-Marktbetreiber Bünting ganz anders . Die Firma hatte dazu eine Stellungnahme von dem Sachverständigen Peter Urban Berger eingeholt , der „Zweifel an der Unabhängigkeit und Neutralität der Kurzbewertung“ der GMA äußerte .

Kritik an Bünting-Kritik

Zur Bünting-Kritik, dass sich die Nahversorgung in Wallenhorst in den vergangenen Jahren massiv verändert hat und eine komplett neue Bewertung her müsse, sagt Steinkamp: „Die Marktvergrößerungen haben wir immer genehmigt vor dem Hintergrund des Wissens, was städtebaulich im Zentrum entstehen soll.“ Und letztlich solle nun eben auch Rewe durch die Verlagerung um wenige Hundert Meter vom Kreise Niedersachsenstraße in die „Neue Mitte“ die Gelegenheit zur Vergrößerung und Modernisierung bekommen. Und weiter: „Ja, es wird eine Veränderung der Kundenströme geben. Das Ganze nennt sich nun mal Wettbewerb.“ Ludger Meyer (WWG) nannte die Bünting-Kritik „fadenscheinig“ vor dem Hintergrund, dass deren Combi-Markt selbst eine Vergrößerung plant.

Nächste Schritte

Wie geht es weiter? Die HBB muss noch den Nachweis erbringen, dass sie wieder über alle nötigen Flächen auf der Grünen Wiese verfügt und einen Zeitplan vorlegen, der Teil des Durchführungsvertrages werden soll. Und über den soll nach der Bürgerbefragung am 11. September – ein „Ja“ vorausgesetzt – noch der alte Gemeinderat beschließen, erläutern die Kooperationsvertreter.