Jetzt ein Pfarrheim Ehemaliges Hollager Rathaus wird 50



Wallenhorst. „Beispielhaft“, „Den Wandel der Zeit sichtbar gemacht“, „voll gelungen“ – so lauteten die Kommentare vor 50 Jahren anlässlich der Einweihung des neuen Rathauses der 1966 noch selbstständigen Gemeinde Hollage. Sechs Jahre später wurde der Ort nach der Gebietsreform Teil der Großgemeinde Wallenhorst, als Rathaus konnte es aber noch etliche Jahre weiter genutzt werden. Noch heute steht es der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Wachsendes Hollage

Die Zeitungskommentatoren lobten damals den modernen Stil des Gebäudes, seine Verbindung von Klinker, Beton, Glas und Travertin, einem porösen Kalkstein. Die Zeitungen gingen mit begeisterten Stimmen auf die Veränderung Hollages ein, das in den Jahren seit Kriegsende seinen Charakter von ländlich-bäuerlich hin zu einer Gemeinde mit Handel und Gewerbe gewandelt hatte. 1939 hatte man noch 1750 Einwohner gezählt, 1965 waren es bereits 4428 .

„Als ich 1961 Gemeindedirektor wurde, war die Verwaltung in der alten Schule untergebracht. Wir saßen auf 40 Quadratmetern. Das Bürgerbüro nahm davon die Hälfte ein, die Kassenverwalterin hatte einen weiteren Raum und ich saß im dritten – das war´s“, erinnert sich Hugo Pott . Als dann im selben Jahr ein neues Baugesetzbuch verabschiedet wurde, das den Gemeinden feste Straßen, Kanalisation und öffentliche Stromversorgung verordnete, konnte Pott die damit befassten Verwaltungsfachleute nicht mehr im alten Rathaus unterbringen. Also musste ein neues her.

Eröffnung im April 1966

Das vom Osnabrücker Architekten Günter Kron entworfene Gebäude ist dreifach gegliedert, zweigeschossig und mit einem rechtwinklig angebrachten Nebentrakt versehen. Es wurde im April 1966 eröffnet und bot den Mitarbeitern im Erdgeschoss acht Büroräume. Prunkstück war und ist der ehemalige Sitzungssaal mit dem Hollager Wappen.

Eine kleine, kaum 5000 Einwohner zählende Landgemeinde baut sich 1966 ein neues Rathaus für 500000 DM und wird knapp sechs Jahre später per Gesetz von einer anderen geschluckt – war das im Nachhinein betrachtet haushaltstechnisch nicht ein finanzielles Fiasko? „Nein“, schüttelt Pott den Kopf. Er war bis zur Eingemeindung der Verwaltungschef und übte das Amt dann bis 1984 in der Großgemeinde aus.

„Gebäude für die Zukunft“

Der Bau des Hollager Rathauses war kein Fall für eine Rüge des Bundesrechnungshofes, „denn die Erbauer hatten mit Weitblick gehandelt und das Gebäude für die Zukunft geplant“.

In den ersten Jahren war oben im Rathaus noch Platz für zwei Privatwohnungen, die 1972 zu Büros wurden, als die Großgemeinde Wallenhorst gegründet wurde. „Hollage war der einzige Ortsteil, der über das passende Gebäude für den Verwaltungssitz verfügte.“ Bis 1995, als das jetzige Rathaus in Wallenhorst seinen Dienst aufnahm, war hier der administrative Sitz der Gemeinde. Anschließend erwarb die Kirchengemeinde das Gebäude. Heute ist das Philipp-Neri-Haus, so sein Name, das Pfarrheim von St. Josef in der Pfarreiengemeinschaft Wallenhorst. Hier werden Sitzungen kirchlicher Gremien abgehalten, Vereine und Verbände treffen sich zu Gruppenstunden oder es finden Vorträge und Versammlungen statt.


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