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In mehrfacher Hinsicht Exot Der 24-jährige Patrick Huesmann leitet den Wallenhorster St.-Raphael-Kindergarten

<em>Spielen mit dem „Großen“:</em> Woche für Woche besucht der neue Leiter Patrick Huesmann derzeit die Gruppen und lernt die 120 Kinder plus Krippenkinder kennen, die täglich in St. Raphael ein und aus gehen. Foto: Stefanie HiekmannSpielen mit dem „Großen“: Woche für Woche besucht der neue Leiter Patrick Huesmann derzeit die Gruppen und lernt die 120 Kinder plus Krippenkinder kennen, die täglich in St. Raphael ein und aus gehen. Foto: Stefanie Hiekmann

Wallenhorst. Erzieherinnen, Grundschullehrerinnen – ganz selten taucht zwischen ihnen mal ein männlicher Kollege auf. Umso besonderer, dass das Team des St.-Raphael-Kindergartens in Wallenhorst seit Kurzem einen Mann an seiner Spitze hat: Patrick Huesmann ist mit gerade mal 24 Jahren der neue Leiter von Kindergarten und Krippe neben der St.-Alexander-Kirche.

„Patrick, warum gehst du da jetzt rein?“, fragt ein kleines Mädchen, als sich der neue Leiter zusammen mit Pfarrer Dietmar Schöneich für den Pressetermin in ein Besprechungszimmer begibt. „Weil wir uns da jetzt ein bisschen unterhalten werden“, antwortet der Erzieher. Mittlerweile stehen drei Mädchen vor der Tür und mögen den jungen Mann nicht gehen lassen. Doch gespielt werden kann erst später wieder. Kindergartenleiter haben schließlich auch organisatorische Aufgaben zu erledigen.

Bis vor wenigen Wochen war Margret Meyknecht die Leiterin des Kindergartens. So, wie man es von Kindern erwartet, seien in den ersten Tagen natürlich des Öfteren Fragen aufgekommen, wie: „Wo ist Margret?“, „Was machst du jetzt hier?“ oder „Wer bist du?“. „Ich mag es, wie direkt die Kinder sind“, sagt Huesmann. Da sei jemand Neues bei ihnen im Kindergarten. Logisch, dass sie erst mal genau erfragen müssen, was das auf sich hat. „Und sie geben mir eine Chance, das ist besonders schön“, sagt der neue Leiter, der nach eigenen Angaben nicht nur mit den Kindern sondern auch mit den 22 Kolleginnen bestens klarkommt. Die stellvertetende Leiterin Christel Brockhoff bestätigt: „Es passt einfach, Patrick passt hier super rein ins Team.“

Von Routine keine Spur

Von einem festen Arbeitsalltag könne er aber nach fünf Wochen beim besten Willen noch nicht sprechen: „Hier passiert gerade nicht jeden Tag etwas Neues, ich lerne jeden Tag noch neue Leute kennen, gehe durch die einzelnen Gruppen, lerne die Kinder näher kennen“, erzählt der junge Mann, der seit 2008 ausgebildeter Erzieher ist und danach vier Jahre im Osnabrücker Don-Bosco-Heim gearbeitet hat.

Der Entschluss, sich auf die Kindergartenleiter-Stelle der St.-Alexander-Gemeinde zu bewerben, ist wohl auf den Wunsch einer neuen Herausforderung zurückzuführen, meint er: „Es ist etwas ganz anderes, was ich dort gemacht habe.“ Kinder aus Problemfamilien zu holen, mit diesen Familien zu arbeiten und die Kinder anschließend zu begleiten, sei etwas anderes, als das, was ein „normaler“ Kindergarten zu leisten hat. „Hier begleiten wir die Kinder – und das steht im Mittelpunkt.“ Im Don-Bosco-Heim nahm die Arbeit mit den Familien und ihren Problemsituationen einen mindestens genauso großen Teil ein.

Kein Quoten-Mann

Für Pfarrer Dietmar Schöneich und den Kirchenvorstand waren diese Erfahrungen, die Huesmann von seiner vorigen Stelle mitgebracht hat, ein sehr positiver Faktor: „Kindergärten sind nicht nur Orte, zu denen man seine Kinder morgens hinbringt und irgendwann wieder abholt“, sagt der Pfarrer. Stattdessen empfinde er es als immer wichtiger, dass Kindergärten auch „Orte zum Verstandenwerden“ und „Orte zum Aufwachsen“ sind. Denn Probleme und Sorgen aus den Familien fließen teilweise auch in den Kindergarten-Alltag ein. Die Qualifikation, mit dieser Herausforderung gut umgehen zu können, habe bei der Einstellung von Huesmann im Übrigen vielmehr im Vordergrund gestanden als der Faktor „Mann“, erklärt Schöneich. Das sei natürlich ein positiver Begleitaspekt, wenn man die Anteile von Frauen und Männer in Erzieherberufen anschaut, spiele aber nicht die erste Rolle bei der Suche eines neuen Leiters oder einer neuen Leiterin.

Wie es mit den Eltern klappt? „So, wie man es erwarten kann“, sagt Huesmann. Mittlerweile habe er mit vielen Eltern gesprochen, teilweise ein zweites oder drittes Mal. „Da ist zu Anfang natürlich ein gesundes Misstrauen, was ich auch hätte, aber da ist auch die Chance, die man mir gibt“, sagt er. Mit dem „gesunden Misstrauen“ meine er ein vorsichtiges Herangehen, was er weder auf die Besonderheit zurückführt, dass er ein männlicher Kindergartenleiter ist, noch auf sein Alter. „Ich würde dieses Misstrauen auch haben – ganz gleich, ob da eine Frau oder ein Mann neuer Leiter des Kindergartens wird, in dem ich mein Kind jeden Tag lasse.“

Schön sei für ihn die Beobachtung, dass das anfängliche Misstrauen, dass zu Anfang oft bei ihm angekommen sei, mittlerweile bei den meisten in ein Gefühl von Vertrauen und Zusammenarbeit umgeschlagen sei: „Ich fühle mich hier wirklich wohl“, unterstreicht der 24-Jährige und bezieht sich dabei ausdrücklich auf das gesamte Zusammenspiel mit 22 Kolleginnen, den Kindern und ihren Eltern.

Die Tür geht auf, das Pressegespräch neigt sich dem Ende, nur ein Foto muss noch her. Die Mädchen, die zu Anfang mit ihrem Kindergartenleiter spielen wollten, haben inzwischen eine andere Beschäftigung gefunden. Dafür warten wieder andere Kinder vor der Tür – und eine Gruppe hat besonderes Glück: Sie dürfen mit dem Erzieher zusammen Perlenbilder machen.


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