Auf dem Weg zur IGS Bramsche Behning verlässt Wallenhorster Alexanderschule

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Wallenhorst. Dass die Wallenhorster Alexanderschule einen guten Ruf hat, hat sie nicht nur einem engagierten Kollegium, sondern auch ihrem Rektor Thomas Behning zu verdanken. Unter seiner Leitung seit 2007 heimste die Hauptschule eine Auszeichnung nach der anderen ein. Ab dem kommenden Schuljahr aber muss die Schule ohne ihn auskommen. Der 46-Jährige geht nach den Sommerferien als kommissarischer Leiter nach Bramsche an die neue Integrierte Gesamtschule (IGS). Zuvor hatte er die Planungsgruppe dafür geleitet.

Herr Behning, wieviel Alexanderschule steckt in der IGS Bramsche?

Eine ganze Menge. Die Alexanderschule ist pädagogisch gar nicht so weit von einer guten Gesamtschule entfernt. Wir haben eine etwas andere Schülerschaft, aber was die Ausrichtung angeht, da haben wir hier schon eine sehr, sehr gute Programmatik am Start. Viele Erfahrungen fließen in die neue IGS mit ein. Leitungserfahrung zum Beispiel habe ich nur an der Alexanderschule gesammelt.

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Sie hatten bei einer der Info-Veranstaltungen zur IGS einmal gesagt, dass Sie dort keine Kuschelpädagogik machen wollen. Wie meinen Sie das?

Es geht darum, auch hochbegabten Kindern eine Möglichkeit zu geben, sich positiv zu entwickeln. Der IGS wird oft vorgeworfen, dass man dem einzelnen Schüler nicht gerecht wird, aber das ist eben nicht der Fall. Jeder hat seine Entwicklungsräume und das ist nicht nur für die leistungsschwachen, sondern vor allem auch für die leistungsstarken Schüler der Fall. Die neue IGS ist eine Schule für alle Begabungen – vom Hochbegabten bis hin zum Förderschulkind. Das wird ganz spannend.

Auf Ziffernoten verzichten Sie in der IGS. Wie funktioniert das?

Es gibt keine Ziffernoten, aber Lernentwicklungsberichte. Eine Zwei oder eine Vier sagt ja eigentlich nicht viel aus. Der Grund für eine Bewertung geht daraus nicht hervor. In der IGS geben wir eine individuelle Rückmeldung zum Leistungsstand in den einzelnen Fächern in Form eines Kompetenzrasters, ergänzt durch Bemerkungen zu schon erreichten oder noch zu verfolgenden Zielen. Dies beginnt bei der Bewertung der mündlichen Mitarbeit sowie in den Klassenarbeiten und wird ganz logisch auch in der Zeugniszeit durch den Lernentwicklungsbericht fortgeführt.

Fällt Ihnen der Abschied von der Alexanderschule schwer?

Ja, es ist schon schmerzhaft. Denn letztlich kann man Leitung nur ausüben, wenn man da wirklich mit Herzblut dahintersteht. Wie haben hier so viel auf die Beine gestellt, dass es schon schwerfällt, die Schule zu verlassen. Man kann auch anders herum sagen, der Laden läuft, man kann jetzt gehen. Aber es ist vor allen Dingen so, dass man den einen oder anderen Schüler auch vermissen wird. Ich bin immer gerne Leiter der Alexanderschule gewesen und freue mich jetzt auf den nächsten Schritt in ein größeres System. Die herausfordernde Situation der Gründung einer Schule ist etwas, das man nicht häufig angeboten bekommt und wo man auch einfach zugreifen muss. Für mich kommt dieser Schritt eigentlich vier, fünf Jahre zu früh. Ich würde gerne noch ein wenig die Früchte unserer gemeinsamen Arbeit genießen, bin mir aber doch sicher, dass ich jetzt den richtigen Schritt gehe.

Wie muss man sich so eine Schulneugründung vorstellen?

Das ist ein unglaublicher Aufwand. Im Grunde habe ich ja seit Anfang März zwei Schulen geleitet, wobei es die eine noch gar nicht gab.

Am Eingang der Alexanderschule hängen Plaketten von allen Auszeichnungen, die die Schule bekommen hat. Welche ist Ihnen am wichtigsten?

Die zur Berufsorientierung sind sicher ganz wichtig, viel Spaß hat auch die Kooperation mit dem Juniorenleistungszentrum des VfL Osnabrück gemacht. Das wird auch weitergehen. Die Alexanderschule wird sich weiter positiv präsentieren.

An der IGS, die mit vier fünften Klassen startet, werden Sie wieder mehr unterrichten als bislang an der Alexanderschule. Warum sind Sie eigentlich Lehrer geworden?

Gute Frage... (überlegt). Die herausfordernde Arbeit mit Jugendlichen, die macht mir Spaß. Auch das Organisieren, die Kommunikation mit den Kooperationspartnern, das Konfliktmanagement und überhaupt die Ausrichtung einer Bildungseinrichtung sind sehr erfüllend.

Was, würden Sie sagen, hat sich an der Alexanderschule unter Ihrer Leitung am meisten verändert?

Da fragen Sie andere am besten (lacht).

Was werden Sie am meisten vermissen?

Die Zusammenarbeit mit den Schülerinnen und Schülern. Man begleitet den Einzelnen ja schon intensiv, und es ist schade, dass ich das nicht bis zum Schulabschluss machen kann. Und die Zusammenarbeit mit den lieb gewonnenen Kollegen. Es ist immer herausfordernd gewesen, hier eine gute Schule an den Start zu bringen, Projekte nachhaltig zu begleiten und gleichzeitig offen für Neues zu sein.

Was wollen Sie der Alexanderschule mit auf den Weg geben?

Ich habe der Alexanderschule schon ganz viel mit auf den Weg gegeben. Und ich hoffe, dass ein paar Spuren und ausgetretene Wege da sind, die man weiter verfolgen wird. Und gleichwohl muss es auch so sein, dass eine Schule, die erfolgreich bestehen möchte, ihre Bereitschaft zur Innovation aufrecht erhalten muss. Diese Bereitschaft im Kollegium zu haben, ist wirklich ein großes, großes Pfund. Der neuen Leitung sowie dem Kollegium der Alexanderschule wünsche ich stets ein glückliches Händchen und immer liebe sowie motivierte Schülerinnen und Schüler.


Nach den Sommerferien geht in Bramsche nach Fürstenau die zweite Integrierte Gesamtschule für den Nordkreis Osnabrück an den Start. Vorangegangen waren jahrelange zähe Verhandlungen auf politischer Ebene und mehrere Elternbefragungen, um den Bedarf nach einer solchen Schule abzuklären. Größte Sorge der IGS-Gegner: die neue Gesamtschule könne bestehende Schulen in Bramsche und den um liegenden Kommunen in ihrer Existenz gefährden. Gegenwind gab es auch aus Bersenbrück, wo Samtgemeindebürgermeister Horst Baier vehement eine IGS vor Ort forderte. In Bramsche selbst scheiterte die Verwaltung im Stadtrat mit ihrem Vorschlag, mit Start der IGS Realschule und Hauptschule zu einer Oberschule zusammenzufassen. In der Tuchmacherstadt gibt es also zum Schuljahr 2015/16 eine Hauptschule, eine Realschule, eine IGS und das Greselius-Gymnasium. Sowohl IGS wie auch Gymnasium befinden sich in Kreisträgerschaft und wollen perspektivisch im Rahmen der Sekundarstufe II zusammenarbeiten. – „Eine Schule für alle“: Neue IGS in Bramsche stellt sich vor. wek

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