Kirche mal ganz anders Wallenhorsterin lernt Christen in der Minderheit kennen

Katharina Hornhues geht für ein Jahr ins schwedische Uppsala.Foto: BonifatiuswerkKatharina Hornhues geht für ein Jahr ins schwedische Uppsala.Foto: Bonifatiuswerk

Wallenhorst. Nach dem Abitur eine Zeit lang ins Ausland gehen, einen Sprachkurs machen oder per Work and Travel durch das Land ziehen, das machen viele Jugendliche. Britta Förstermann aus Lingen (Ems) und Katharina Hornhues aus Wallenhorst aber haben sich für ein ganz besonderes Auslandsprojekt entschieden. Sie lernen mit dem Bonifatiuswerk eine ganz andere Seite der katholischen Kirche in Schweden kennen. Christine Wencker hat bereits drei Monate in Uppsala verbracht und kehrt nun wieder zurück.

Anfang August geht es für Britta Förstermann los. Ihr Ziel ist das Birgittenkloster in Vadstena, in dem die Abiturientin das gesamte nächste Jahr verbringen wird. An das Kloster ist ein Gästehaus mit 30 Betten angegliedert, in dem Gäste aus aller Welt übernachten. Zu Britta Förstermanns Aufgaben werden die Betreuung der Gäste und die Unterstützung der Schwestern bei ihrer täglichen Arbeit gehören. „Meine Großtante war selbst Ordensschwester, daher war mir diese Lebensform schon immer in gewisser Weise vertraut. Ich freue mich auf die Erfahrungen, die ich nun selbst durch die Beherbergung im Kloster machen darf“, erklärt Förstermann, die nach ihrem Schweden-Aufenthalt Sonderpädagogik auf Lehramt studieren möchte.

Kontakt zu unterschiedlichen Menschen

Katharina Hornhues wird am 18. August nach Uppsala aufbrechen, wo sie am Newman-Institut, einer akademischen Einrichtung für Theologie, Philosophie und Kulturwissenschaften, bis Juli nächsten Jahres eingesetzt sein wird. Dort wird die Abiturientin verschiedene Aufgaben übernehmen und zudem im Secondhand-Shop Erikshjälpen aushelfen. „Ich möchte nach dem Aufenthalt in Schweden Soziale Arbeit studieren. Daher erhoffe ich mir, in Uppsala mit unterschiedlichsten Menschen in Kontakt zu kommen, mich helfend einzusetzen und so auf mein Studium vorbereitet zu werden“, beschreibt Hornhues ihre Intention, nach Schweden zu gehen.

Christine Wencker kehrt in diesen Tagen bereits wieder aus Uppsala zurück. Seit April war sie am Newman-Institut aktiv und hat zudem an der Katarinaskolan, einer freien christlichen Schule, hospitiert. „Ich wollte herausfinden, wie sich das schwedische vom deutschen Schulsystem unterscheidet“, erläutert die angehende Grundschulreferendarin. „In meinen Unterrichtshospitationen und den intensiven Gesprächen mit meiner Mentorin wurde mir schnell klar, wie grundlegend sich das Bildungskonzept unserer beiden Länder unterscheidet.

Weite Wege zur Kirche

So dominiert in Schweden die Vorstellung, dass mit ausreichend Zeit, Geduld, Motivation und Unterstützung jeder in der Lage sein sollte, nach der neunten Klasse das Gymnasium zu besuchen und zu studieren.“ In Schweden gibt es keine Unterteilung der weiterführenden Schule in Haupt-, Realschule und Gymnasium, die Schüler bleiben stets im Klassenverbund zusammen.

Ein Prozent Katholiken

Anders als in Deutschland ist in Schweden gerade einmal etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung katholisch. Das kirchliche Leben und der Glaubensalltag unterscheiden sich daher grundlegend, denn katholische Einrichtungen oder Kirchen gibt es nur sehr wenige. Die Gläubigen, die dort leben, müssen oft weite Distanzen hinter sich bringen, um einen Gottesdienst oder eine katholische Schule besuchen zu können. Das Bonifatiuswerk unterstützt in der Minderheit lebende Katholiken auf vielfältige Weise und fördert auch die Praktika von Britta Förstermann, Katharina Hornhues und Christine Wencker finanziell.


Das Bonifatius-Praktikanten-Programm

Das „Bonifatius Praktikanten-Programm“ ist ein Kooperationsprogramm zwischen dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. in Pader¬born / Deutschland, dem Newman Institut in Uppsala / Schweden, einer Hochschule für Theologie, Philosophie und Kulturwissenschaften und den zusammenwirkenden Bistümern und Institutionen.

Das Programm richtet sich an engagierte junge Menschen, die Interesse haben, Land und Leute sowie die Situation der Katholiken in der Diaspo¬ra in Nordeuropa, Estland und Lettland kennen zu lernen. Zudem kön¬nen sie ihre interkulturellen Kompetenzen weiter ausbauen, auch dient es ihrer Persönlichkeitsbildung.

Pfarrgemeinden und kirchliche Einrichtungen erhalten durch den Ein¬satz der Praktikanten Unterstützung in ihrer Arbeit. So bietet sich die Möglichkeit, jungen Menschen direkt und unmittelbar kirchliches Leben in der Diaspora zu vermitteln. Des Weiteren ist dieses Projekt keine „Einbahnstraße“, denn die gemachten Erfahrungen werden in die Arbeit des Bonifatiuswerkes eingebracht.