Ex-CDU-Fraktionsmitglieder Zukunft von CDW in Wallenhorst noch offen

Von Sandra Dorn

Sie haben als CDW („Christlich, Demokratisch für Wallenhorst“) Spaß an der politischen Arbeit: Die Christdemokraten (von links) Mark Brockmeyer, André Schwegmann, Marlene Posnin, Manfred Gretzmann. Es fehlt urlaubsbedingt: Dirk Hagen. Foto: Sandra DornSie haben als CDW („Christlich, Demokratisch für Wallenhorst“) Spaß an der politischen Arbeit: Die Christdemokraten (von links) Mark Brockmeyer, André Schwegmann, Marlene Posnin, Manfred Gretzmann. Es fehlt urlaubsbedingt: Dirk Hagen. Foto: Sandra Dorn

Wallenhorst. Nein, die Bezeichnung „Abweichler“ hören sie nicht so gern, sagt CDW-Fraktionssprecher Manfred Gretzmann, das klinge viel zu negativ – und schließlich seien sie ja immer noch Mitglieder der Partei. Im Herbst vergangenen Jahres, kurz nach der Bürgermeisterwahl in Wallenhorst, haben er und seine vier Fraktionskollegen sich von der CDU im Wallenhorster Rat abgespalten und eine neue Fraktion gegründet. „CDW“, das steht für „Christlich, Demokratisch für Wallenhorst“.

Geht es irgendwann zurück ins Mutterschiff? Werden sie zur Kommunalwahl 2016 als eigene Gruppe antreten? Oder gar ganz aufhören? Wie es mit den fünf Kommunalpolitikern weitergeht, wissen sie selbst noch nicht, sagen sie. Klar ist nur: Ihnen macht die Ratsarbeit momentan richtig Spaß.

Nicht mehr in der CDU-Fraktion wiedergefunden

„Wir hatten uns in der CDU alle nicht mehr wiedergefunden“, blickt Mark Brockmeyer zurück, und seine Fraktionskollegen Gretzmann, Marlene Posnin sowie André Schwegmann nicken. (Weiterlesen: Wallenhorster CDU-Ratsfraktion gespalten) Der Fünfte im Bunde, Dirk Hagen, ist bereits im Urlaub. Es ist die letzte Fraktionssitzung vor der Sommerpause.

Sachpolitik

Jeden Montag treffen sie sich im Rathaus und beraten über die aktuellen kommunalpolitischen Themen . Der Tisch ist rund. Das habe auch Symbolcharakter, sagt Gretzmann. Im Rat stimmen die Fünf so ab, wie sie es in der Sache für richtig halten. Mal mit der CDU, mal mit der Mehrheitskooperation aus SPD, Grünen und Wählergemeinschaft. So waren sie wie die CDU dafür, die Höhe der neuen Trainingshalle für Blau-Weiß-Hollage auf 5,50 Meter zu erhöhen statt auf vier Meter zu begrenzen. Dadurch hätte die Halle einfach mehr Nutzungsmöglichkeiten, betont André Schwegmann. Als es um die heftig umstrittene Verabschiedung des neuen Flächennutzungsplanes ging, stimmten sie zusammen mit dem Mehrheitstrio und Bürgermeister Otto Steinkamp dafür.

Gründe für Abspaltung

Das Hin und Her der CDU bei der Kandidatenkür vor der Bürgermeisterwahl war 2014 das eine – der Wunsch nach einer konstruktiven Zusammenarbeit mit allen andern Ratsfraktionen nach der Wahl das andere. Den konnten die CDW-Mitglieder aus ihrer Sicht mit der von Clemens Lammerskitten geführten CDU-Fraktion nicht verwirklichen. „Wir wollen Politik für Wallenhorst machen“, sagt Mark Brockmeyer. „Wir verwenden unsere Energie auf die politischen Themen.“ Alle fünf arbeiten gern mit dem neuen Bürgermeister Otto Steinkamp zusammen. „Was sehr begrüßenswert ist, ist dass Herr Steinkamp einen Standpunkt hat – auch wenn das nicht immer der eigene ist“, sagt Brockmeyer. Und dass der Rat jetzt klare Aussagen von der Verwaltung bekomme, mache die Arbeit berechenbare und den Umgang angenehmer.

CDU schweigt

Das letzte Gespräch mit der Wallenhorster CDU liege bereits einige Monate zurück, erzählen die CDWler. Dann habe es geheißen, die CDU wolle sich mit ihnen vor der Sommerpause erneut treffen. „Es ist aber nichts gekommen“, sagt Mark Brockmeyer. „Wir wissen gar nicht, wie dort über uns gedacht wird.“ Auch vom Kreisverband hätten sie schon lange nichts mehr gehört. „Wir werden jetzt erst einmal die Sommerpause abwarten“, sagt Manfred Gretzmann.

Direktmandat

Alle fünf waren 2011 direkt in den Gemeinderat gewählt worden. In ihrer neuen Fraktion haben sie die Themen nach Interessen und Kenntnissen aufgeteilt: Mark Brockmeyer leitet ein Gymnasium in Vechta und kümmert sich um die bildungspolitischen Themen, Dirk Hagen hat seinen Schwerpunkt in der Energie- und Umweltpolitik, Manfred Gretzmann arbeitet im Finanzamt der Stadt Osnabrück und kümmert sich um die finanziellen Themen in Wallenhorst, Marlene Posnin ist nicht zuletzt wegen ihres Engagements für den Einzelhändlerverband Wallenhorster Hanse im Ausschuss für Gemeindeentwicklung vertreten und André Schwegmann als junger Familienvater hat seinen Schwerpunkt in den Bereichen Vereinsleben und Soziales.

Themen

Und welche Themen sind ihnen besonders wichtig? „Wir wollen das umsetzen, was im Flächennutzungsplan steht“, sagt Manfred Gretzmann und zählt auf: Das geplante Gewerbegebiet am Schwarzen See, das Baugebiet Witthügel und eine veränderte Verkehrsführung im Bereich Boerskamp/Moorbachstraße in Lechtingen. Bei neuen Wohngebäuden sei es wichtig, auf Barrierefreiheit zu drängen, betont Marlene Posnin – außerdem müssten die Wohnungen bezahlbar bleiben. Und dann wären da noch die Busverbindungen. „Die CDU hat damals ‚Nein‘ gesagt zum Konzept Hoppe“, sagt Posnin. Und auch die CDW halte das Konzept für falsch, das unter anderem einen Umstieg in Haste auf der Linie Osnabrück-Rulle vorsieht. Posnin: „Ohne Vergünstigungen für die Wallenhorster Bürger ist das mit uns nicht zu machen.“ Entschieden ist in Sachen Buskonzept übrigens immer noch nichts, die Gemeinde sei weiterhin in Gesprächen mit den Stadtwerken Osnabrück, sagte Bürgermeister Steinkamp auf Anfrage.

Ausblick

Und wie soll es nun weitergehen für die CDW? Von den drei Optionen „Zurück in die CDU“, „Weiter als eigene Gruppe“ und „Ganz aufhören“ sei die erste „sicherlich die schwierigste Variante“, sagt Gretzmann, „die haben wir selbst nicht in der Hand.“ „Es ist wie bei einer Beziehung“, sagt André Schwegmann. „Der eine will noch, der andere nicht. Da muss man baggern.“ „Aktuell liegt der Ball bei denen im Spielfeld“, sagt Posnin.