Interview mit Trauerbegleiterinnen Ort für Trauer im Wallenhorster Ortsteil Rulle

Die Trauerbegleiterinnen Kerstin Kohne und Tania Schmidt mit dem Symbolbild für das Trauercafé „Gezeiten“ in Rulle. Foto: Christina HalbachDie Trauerbegleiterinnen Kerstin Kohne und Tania Schmidt mit dem Symbolbild für das Trauercafé „Gezeiten“ in Rulle. Foto: Christina Halbach

Wallenhorst. Seit Herbst 2007 bietet die Ökumenische Hospizgruppe Wallenhorst in der Caritas-Sozialstation in Hollage das Café „Oase“ für Trauernde an. Im April dieses Jahres öffnete in Rulle ein weiteres Trauercafé seine Pforten: Das „Gezeiten“ im Ruller Haus. Geleitet wird es von den ehrenamtlichen, ausgebildeten Trauerbegleiterinnen Tania Schmidt und Kerstin Kohne. Wie es bisher angenommen wurde und was die Besucher dort erwartet, haben die beiden langjährigen Mitarbeiterinnen der Hospizgruppe in einem Gespräch mit unserer Redaktion erzählt.

An drei Donnerstagen hatte das Trauercafé bereits geöffnet. Wie wurde es bisher angenommen?

Schmidt: Wir hatten zwischen einem und vier Gästen. Grundsätzlich braucht ein Trauercafé Zeit, bis es angelaufen ist. Das ist etwas Neues und darauf müssen sich die Menschen erstmal einstellen. Da wir die Sterbebegleitung überall in Wallenhorst anbieten, ist es uns in einer großflächigen Gemeinde wichtig, auch für die Trauerbegleitung einen Ort zu schaffen, der für Menschen aus Rulle und Lechtingen gut erreichbar ist.

Hat sich das „Café Oase“ in der Sozialstation in Hollage auch eher langsam entwickelt?

Kohne: Nein, da sind gleich beim ersten Mal 18 Gäste gekommen, was aber wohl daran liegen mag, dass das „Café Oase“ in der Sozialstation in Hollage veranstaltet wird, die einfach eine gewisse Bekanntheit hat.

Welche Menschen können zu ihnen kommen?

Schmidt: Menschen, die einen nahen Angehörigen durch den Tod verloren haben. Das können Ehepartner, Kinder oder auch Eltern sein. Auch wer einen guten Freund verloren hat, ist herzlich willkommen.

Was erwartet die Besucher des Trauercafés?

Schmidt: Wir starten mit einem Anfangsimpuls, über den wir mit den Gästen ins Gespräch kommen. Dafür bereiten wir einen Text aus der Trauerliteratur vor. Religiöse Texte verwenden wir nicht, da wir eine überkonfessionelle Gruppe sind. Wir nehmen uns Zeit für jeden einzelnen Gast und jeder einzelne Verstorbene wird gewürdigt. So hat jeder ein Teelicht vor sich stehen, das an der Gruppenkerze für den verstorbenen Menschen entzündet wird, sodass dieser in unsere Gesprächsrunde geholt wird.

Kohne: Wichtig ist, dass sich jeder zur Verschwiegenheit über die Gespräche der Gruppe verpflichtet. Wir möchten den Trauernden einen Ort anbieten, an dem sie Gemeinschaft erfahren und Zeit für ihre Trauer haben.

Mehr zum Thema Trauer lesen Sie im NOZ-Trauerportal.

Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben?

Kohne: Wir sind die Moderatoren des Trauercafés. Dazu gehört, dass wir den Raum mit Blumen, Kaffee, Tee und Gebäck so vorbereiten, dass sich jeder wohlfühlt. Es soll ein Ort sein, an dem die Gäste ihre Trauer leben können. Wir begegnen ihnen mit Zurückhaltung und Wertschätzung, versuchen ganz nah bei ihnen zu sein und sie zu begleiten. Wir sagen den Trauernden, die sich in ihrem Schmerz nicht wiedererkennen: Alle Gefühle haben in der Trauer ihre Berechtigung.

Sie unterstützen beide seit vielen Jahren als ehrenamtliche Sterbebegleiterinnen der Ökumenischen Hospizgruppe todkranke Menschen und ihre Angehörigen. Für ihre Arbeit als Trauerbegleiterin haben sie noch eine weitere Ausbildung gemacht. Was hat sie dazu bewogen?

Schmidt: Uns ist es wichtig, dass unsere Begleitung der Sterbenden und seiner Angehörigen nicht abrupt durch den Tod endet. Wir möchten auch danach noch für die Trauernden da sein.

Gibt es Menschen, die sich nicht als Trauerbegleiter eignen?

Kohne: Es wird von den Ausbildern darauf geachtet, dass die Teilnehmer in der Lage sind, die Trauerbegleitung zu tragen. So wird Menschen, die eine nicht verarbeitete Trauer in sich tragen, geraten von der Ausbildung Abstand zu nehmen.

Hat sich durch Ihr Ehrenamt Ihr eigener Blick auf den Tod verändert?

Schmidt: Das Thema Tod ist im eigenen Leben durch meine Arbeit als Sterbe- und Trauerbegleiterin sehr präsent. Dadurch lebe ich intensiver, genieße mehr den Augenblick, weil ich um die Endlichkeit des Lebens weiß.


Die Ausbildung zum Trauerbegleiter wird in der Region Osnabrück im Haus Ohrbeck in Georgsmarienhütte angeboten und ist vom Bundesverband für Trauerbegleitung anerkannt. Im Rahmen des über ein Jahr angelegten Kurses werden den Teilnehmern in sieben Einheiten unter anderem Kenntnisse über Trauervorgänge, theologisches Grundwissen und Abgrenzung zur Therapie sowie Methoden der Gesprächsführung und Begleitung vermittelt. Die Ausbildung schließt mit einer Abschlussarbeit zu einem frei wählbaren Thema ab.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN