Großer Rummel Wallenhorster KLIB setzt auf Neuheiten und Tradition

Von Stefan Buchholz


Wallenhorst. Samstagnachmittag ist Halbzeit auf der Wallenhorster KLIB. Was ist neu in diesem Jahr, was war schon immer so? Der Faktencheck entlang an 700 Meter Kirmes.

Die Uhr der Alexanderkirche steht heute beständig auf fünf vor zwölf. Soll das ein Zeichen für die Wallenhorster KLIB sein? Geht es mit dem alljährlichen Kirmestreiben in der Großen Straße vielleicht den Bach runter? „Nö, eigentlich nicht“, stellt Dirk Detmer fest. Der Gemeindeangestellte ist diesmal zum ersten Mal für die KLIB zuständig, weiß aber, dass sich der Rummel in diesem Jahr nicht vom Treiben vergangener Jahre unterscheidet. Also: 1:1 zwischen dem Neuen (Detmers 1. KLIB) und der Tradition.

Schausteller Stefan Dermeier steuert gleich den zweiten Punkt für das Althergebrachte hinzu. Gerade hat er bei Detmer 170 Euro Standgeld abgedrückt. Und der Schausteller (Verlosung und Dosenwerfen) gibt ungefragt Einblicke auf seinen Kontostand. „Du startest im Frühjahr eh‘ mit einem Minus, dann gleicht man das im Juni und Juli wieder aus und erst im Spätsommer macht man Gewinn.“ Klingt irgendwie nach ewigem Schicksal und ehernem Schaustellergesetz, daher: 1:2 für die Tradition.

Aus dem Hintergrund kommt aber nochmals Detmer und gleicht aus. „Von den 72 Schaustellern inklusive der zehn Fahrgeschäfte ist die Rutsche zum ersten Mal auf der KLIB.“ Neuer Punktestand wegen der Rutschenpremiere demnach: 2:2.

Eigentümer der zwölf Meter hohen und 36 Meter langenTaboga-Rutsche ist Hans-Werner Oberschelp. Er ist auf dem Jahrmarkt groß geworden. „Mein Opa hat noch vor dem Krieg mit einem Velodrom angefangen.“ Der Vater war Schausteller und auch Hans-Werner Oberschelp wollte nichts anderes als Beruf und Rummel zusammenbringen. Nach dem er mittlerweile mehrere Fahrgeschäfte hatte, ist er heute einer von nur fünf bundesdeutschen Rutschen-Eigentümern. Seinen drei Kindern ließ Vater Oberschelp nach Jahren im Schaustellerinternat die freie Berufswahl. „Aber alle wollten auch was mit dem Rummel machen.“ Klarer Zähler für die War-schon-immer-so-Seite, daher: 2:3.

Aus einer Kirmes-Dynastie kommt auch Winfried Welte. Einen Punkt für das Standbesitzeroriginal (Plüschfiguren, Softair-Waffen und Folienballons) gibt es aber trotz 40-jähriger Berufserfahrung nicht. Welte gleicht vielmehr aus: „Das Geschäft geht nicht mehr so wie früher. Alles ist teurer geworden, die Leute schauen auf‘‘s Geld und kaufen nicht mehr alles.“ Diese Behauptung könnte man auch anders auslegen, dennoch wird Weltes Beobachtung dem Neuen zugerechnet, also 3:3.

Stefan Düing, Lokalpolitiker und langjähriger Kirmesbesucher, verhilft der Tradition zur erneuten Führung: „Jedes Mal, wenn die KLIB am Samstag um 14 Uhr startet, fängt es an, zu regnen“, sagt er mit Kennerblick. Klare Sache: 3:4 dank des Wetters.

Ungefähr aus ähnlichen Sphären kommt bestimmt der Schutzengel von Marvin Lüdtke. Während sein Kollege DJ Jens im Glaskabuff die große Drehscheibe des Break Dancers immer schneller in Richtung 14 Umdrehungen pro Minute steuert, steht Lüdtke stoisch am Rand der Scheibe und beantwortet dabei Smartphone bewaffnet noch die letzte Whatsapp-Nachricht. Dass er die coole Pose auch für Mädels einnimmt, streitet der 18-Jährige gar nicht erst ab. Haben die jungen Männer zum Mitreisen ja schon immer gemacht: Bis zur allerletzten Sekunde mitsurfen und manchen Dorfgirls den Kopf verdrehen. Klare Kiste: 3:5 für die Tradition.

Neu dagegen ist endlich jene Lösung des Rätsels, die endlich DJ Jens ins Reich des sicheren Wissens überführt. Warum die zumeist männlichen Stimmen der Fahrgeschäfte stets den gleichen näselnden Sound haben, liege daran, dass man den vokalen Schwingungen seit Jahrzehnten ein Echo unterlege. Endstand also: 4:5. Und damit Sieg für die Tradition auf der Wallenhorster KLIB in diesem Jahr.

Endstand? Da hat man die Rechnung aber ohne Marten, Lennard und Alan gemacht. Die drei haben nach ein paar Stunden Kirmes-auf-und-ab kaum noch Geld in der Tasche. Fast alle Euros investierten die geschätzt Zehnjährigen in die Fahrgeschäfte. Frage nun: Ist das ein neues Phänomen oder war das schon immer so?