Nicht richten, sondern schlichten Arnulf Nüßlein und Hans Stallkamp sind Schiedsleute in Wallenhorst

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Bei Unstimmigkeiten unter Nachbarn vermitteln Hans Stallkamp und Arnulf Nüßlein (links). Foto: Jessica von den BenkenBei Unstimmigkeiten unter Nachbarn vermitteln Hans Stallkamp und Arnulf Nüßlein (links). Foto: Jessica von den Benken

Wallenhorst. Im Herbst des zurückliegenden Jahres sind Arnulf Nüßlein (Die Grünen) und Hans Stallkamp (CDU) vom Wallenhorster Rat als neue Schiedsmänner der Gemeinde gewählt worden. Trotz unterschiedlicher politischer Gesinnung verbindet die neuen Schiedsmänner neben ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit eine langjährige persönliche Wertschätzung, die in der gleichen Auffassung ihrer neuen Aufgabe durchaus deutlich wird. Über ihre Aufgaben, ihre persönliche Motivation und wie sie ihr Schiedsamt angehen, sprechen die Herren im Interview mit dieser Redaktion.

Herr Nüßlein, Sie sind von Hause aus Jurist und Mediator, also ein Fachmann in Sachen Streitigkeiten. Wie haben Sie bisher die Wallenhorster Bürger erlebt? Herrscht im Ort idyllischer Frieden, oder ist der Wallenhorster Bürger eher streitlustig?

Natürlich gibt es in unserer Gemeinde Streitigkeiten. Wo viele Menschen zusammenleben, bleibt das nicht aus. Ein überdurchschnittliches Ausmaß an Auseinandersetzungen von Bürgern gibt es jedoch nicht.

Herr Stallkamp, Sie sind stellvertretender Schiedsmann. Sind Sie, was die Wallenhorster Bürger betrifft, derselben Meinung?

Durchaus sehe ich das genauso wie Arnulf Nüßlein. Es gibt in Norddeutschland Ecken, wie ich in der Fortbildung mit den Schiedsleuten anderer Schiedsbezirke erfahren habe, wo unsere Kollegen wesentlich mehr zu tun haben als wir. Wir leben hier in einer eher friedlichen Gemeinde. Das soll jedoch nicht heißen, dass es nicht auch Unstimmigkeiten gibt, die wir schlichten könnten, ehe die Parteien vor Gericht gehen.

Was genau ist Ihre Aufgabe als Schiedsmann, Herr Nüßlein?

Unsere ehrenamtliche Aufgabe besteht darin, Parteien, die sich freiwillig zur Schlichtung von Streitigkeiten an uns wenden, anzuhören und ihre rechtlichen Ansprüche mit ihnen zu erörtern. Beim sogenannten obligatorischen Schlichtungsverfahren agieren wir in öffentlicher Funktion. Wir sind dabei kleine Matadore im vorgerichtlichen Bereich (lacht). Per Gesetz ist es unsere Aufgabe, Streitverfahren im Vorfeld als Schiedsmänner außergerichtlich zu klären, bevor überhaupt eine Klage bei Gericht eingereicht werden kann. Unser Ziel ist es daher immer, eine „Win-win-Situation“ zu erlangen, die für beide Parteien zufriedenstellend ist.

Das hört sich weniger nach Ehrenamt an, sondern vielmehr nach einem juristischen Nebenjob. Welche Fähigkeiten haben Sie, die Sie für diese Aufgabe qualifizieren, Herr Stallkamp?

Mit dem juristischen Fachwissen meines Kollegen kann ich natürlich nicht mithalten. Wir beide besuchen jedoch regelmäßig Fortbildungen für Schiedsleute, und ich selber war über Jahrzehnte ehrenamtlicher Richter. Daher sind mir die Schlichtung und der Vergleich nicht fremd. Auch während meiner langen politischen Tätigkeit gab es viele Auseinandersetzungen im Rat und in Diskussionen mit dem Bürger, bei denen es galt, Kompromisse zu schließen. Ich kenne mich auf diesem Gebiet aus.

Herr Nüßlein, gibt es an der Aufgabe des Schiedsmannes etwas, was Sie besonders reizt?

Mit Blick auf mein Berufsleben als Anwalt und Mediator, das nicht ewig dauern wird, empfinde ich die Aufgabe als Schiedsmann als eine gute neue Herausforderung. Leider ärgert mich der enorme Verwaltungsaufwand, der an der obligatorischen Schlichtung hängt, sehr. Das hat mit der eigentlichen ehrenamtlichen Schiedstätigkeit nur wenig zu tun und belastet unsere Arbeit zeitlich sehr.

Und woher nehmen Sie Ihre Motivation, Herr Stallkamp?

Mich reizen besonders Tür- und Angelfälle, wie es im Volksmund so schön heißt. Das sind Streitigkeiten zwischen zwei Parteien, die man ohne großen juristischen Aufwand gewissermaßen zwischen Tür und Angel regeln kann. Dabei ist unser Menschenverstand gefragt, und es stehen nicht so sehr die Gesetze im Vordergrund wie beim offiziellen Prozedere zur außergerichtlichen Streitschlichtung.

Herr Nüßlein, was passiert, wenn Sie und Herr Stallkamp keine einvernehmliche Lösung herbeiführen können?

Dann steht es jedermann offen, den nächsten Schritt zu gehen und Klage bei einem Gericht einzureichen. Wir können eben nicht jede Angelegenheit klären.

Um welche Art von Streitigkeiten geht es in den meisten Fällen, Herr Stallkamp, und wann oder wer darf Schiedsleute einschalten?

Meist sind es Unstimmigkeiten unter Nachbarn, die über Jahre gewachsen sind oder ernsthafte gegenseitige Beleidigungen, die uns beschäftigen. Ansprechen darf uns jedermann, der in einen Streit verwickelt ist und Vergleichs- oder Schlichtungsbedarf sieht. Wenn wir diese Streitschlichtung nicht erreichen, stellen wir ein Negativzeugnis aus, damit können die Parteien dann vor Gericht gehen.


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