Die heilende Kraft des Miteinanders Eckart von Hirschhausen in der Ruller Wittekindhalle

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cby Wallenhorst. Mehr als 1000 Zuschauer ließen sich am Samstagabend in der ausverkauften Ruller Wittekindhalle von Multitalent Eckhart von Hirschhausen begeistern. Mit seinem aktuellen Programm „Wunderheiler“ bot der 47-Jährige nicht nur Einblicke in Absurditäten der Alternativmedizin, sondern zugleich auch ein fast dreistündiges Gemeinschaftserlebnis mit hohem Wohlfühlfaktor.

Sogleich zu Beginn entpuppte sich von Hirschhausen als Kenner der Region und brachte mit einer ironisch kommentierten Fotoshow reichlich Lokalkolorit in die Halle. „Hier aufzutreten, ist für mich etwas sehr Spezielles“, bemerkte der Mediziner und verwies auf Rulle als einen „Ort der Wunder“. „Das größte Wunder ist meine Frau, die hierher kommt“, fügte er mit einem liebevollen Seitenblick auf seine im Publikum sitzende Gattin hinzu.

Gesunder Menschenverstand

Unterhaltsam leitete von Hirschhausen zum Streit zwischen Schulmedizin und Alternativmedizin über und ließ bei treffenden Vergleichen reichlich gesunden Menschenverstand walten. „Die Festkörperphysik sagt, es ist Menschen möglich, über Wasser zu gehen, entscheidend ist die Außentemperatur“, so von Hirschhausen augenzwinkernd.

Kritisch kommentierte er die zunehmende Ökonomisierung der Medizin. So habe ein Kassenarzt im Schnitt nur sechs Minuten für jeden Patienten. „Wäre ich Kassenarzt wäre die Show schon vorbei.“ Patienten sollten sich mehr trauen und die eigene Verantwortung klarer wahrnehmen, appellierte von Hirschhausen an das Publikum, um im Anschluss durch die Reihen zu schreiten und mit Beschäftigten aus dem Gesundheitswesen ins Gespräch zu kommen.

Er liebe die Spaziergänge im Nettetal, ließ von Hirschhausen wissen und fügte hinzu, dass die Natur uns in vielen kleinen Dingen Gutes tun könne. Für die Wirkung von Akupunktur fand er einen besonderen Vergleich: „Stellen sie sich vor, sie haben chronisch Zahnweh, können nicht schlafen, gehen ins Bad und bleiben mit dem kleinen Zeh am Couchtisch hängen. Was passiert? Für einen Moment ist Ihnen der Zahn egal. So funktioniert Akupunktur.“

Unwirksame Wundermittel

Auch den Annahmen der Homöopathie setzte er mit zahlreichen eingestreuten Bespielen eine starke Dosis Realismus entgegen. So habe er beispielsweise in all seinen ärztlichen Arbeitsjahren nie jemanden mit einer homöopathischen Überdosierung behandeln müssen. „Warum hat jeder ein Wundermittel und jedes ist unwirksam?“, fragte von Hirschhausen mit Bezug auf Alltagsirrationalitäten und weit verbreitetes, magisches Denken. „Wenn sie unwirksame Dinge nehmen, nehmen sie zumindest was Unschädliches“, lautete sein Tipp, mit dem er erneut zeigte, wie er aus kleinen Anekdoten große Botschaften zu formulieren vermochte.

Zusammen mit Pianist Christoph Reuter stimmte er mehrfach den Katja-Ebstein-Hit „Wunder gibt es immer wieder“ an und holte, wie zum Beweis, einen aus Lechtingen stammenden Besucher auf die Bühne, um ihm, auf „Schamanen-Art“ ohne Narkose den Blinddarm zu entfernen. Die auf Großleinwand übertragene, spektakuläre Live-OP verlief zwar mit reichlich Kunstblut, aber ohne bleibende Blessuren für den Maschinenbauingenieur.

Präsenz auf der Bühne zeigten auch zwei Clowns, mit denen Hirschhausen über seine Stiftung „Humor hilft heilen“ und ihre dortige Tätigkeit plauderte. Am knisternden Lagerfeuer formulierte der äußerst unterhaltsame Mediziner zum Abschluss ein Plädoyer, die schönen Seiten des Lebens immer wieder neu zu entdecken und erntete für sein Programm einen wohlverdienten, lang anhaltenden Applaus.


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