Otto Steinkamp 100 Tage im Amt: Interview mit Wallenhorsts Bürgermeister

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Die ersten 100 Tage sind rum: Seit 1. November 2014 ist Otto Steinkamp (parteilos) Bürgermeister in Wallenhorst. Foto: Elvira PartonDie ersten 100 Tage sind rum: Seit 1. November 2014 ist Otto Steinkamp (parteilos) Bürgermeister in Wallenhorst. Foto: Elvira Parton

Wallenhorst. Am Sonntag ist Otto Steinkamp (parteilos) seit genau 100 Tagen Wallenhorsts Bürgermeister. Am 28. September 2014 hatte er im ersten Anlauf mit großem Vorsprung vor seinen beiden Mitbewerbern Ulrich Belde und Stefan Düing die Wahl zum Verwaltungschef der Gemeinde gewonnen. Knapp 63 Prozent der Wallenhorster Wähler machten ihr Kreuzchen bei dem 52 Jahre alten Osnabrücker.

Herr Steinkamp, sind Sie angekommen in Wallenhorst?

Das bin ich. Die Leute sind wirklich sehr offen und freuen sich auch auf einen politischen Neuanfang.

Was war die größte Herausforderung bislang?

Das Hauptproblem war der enorme Zeitdruck. Wir hatten von November bis 27. Januar vier Ratssitzungen mit durchaus sehr anspruchsvollen Themen, die teilweise im letzten Jahr aufgeschoben worden waren. Das war so viel, dass ich auch durchaus einräume, dass es als Bürgermeister schwierig war, sich in die Vielfalt der Themen einzuarbeiten.

Wo wir schon beim Thema Zeit sind: Wieviel hat denn Ihre Familie noch von Ihnen?

Die hat jetzt zu etwas anderen Zeiten etwas von mir. Ich mache schon noch eine Mittagspause. Die braucht man auch, wenn der Tag fast immer bis 19 Uhr geht, manchmal auch bis 22 Uhr.

Fahren Sie dann mittags nach Hause ?

Nicht immer, aber meistens schon. Ich bin aber auch morgens um halb acht schon im Büro – praktisch zur ersten Stunde, wenn ich die Kinder zur Schule gebracht habe. Die Zeit von halb acht bis halb neun oder neun, wenn noch keine Besprechungen anstehen, ist einfach wichtig für mich, um mich in die Themen einzuarbeiten.

Haben Sie sich mittlerweile einen Überblick verschafft?

Das denke ich. Ich habe mittlerweile eine sehr gute Schreibtischperspektive gewonnen. Die sieht ein bisschen anders aus als die Wahlkampfperspektive in dem einen oder andern Fall.

Zum Beispiel?

Wenn man über das Arkaden-Center spricht, ist das sehr wohl das Detailwissen, das man jetzt gewonnen hat.

Wie geht es auf der Grünen Wiese denn nun weiter?

Der Rat ist umfassend informiert, wie da der Stand der Dinge ist. Bis zum 30. September 2015 hat der Investor Zeit, das Arkaden-Center zu bauen und man kann das sehr wohl so einschätzen, dass die Zeit immer knapper wird. Die Gemeinde Wallenhorst hat all die Rahmenbedingungen geschaffen, dass er bauen kann. Der Ball liegt in der Hälfte des Investors. In sofern muss man abwarten.

Was macht Ihnen am meisten Spaß in dem Bürgermeister-Job?

Das kann ich gar nicht sagen. Ganz viele Dinge. Wenn man wie ich beim Landkreis 20 Jahre ausschließlich in den sozialen Handlungsfeldern unterwegs war, ist es einfach spannend, dass die Themenpalette jetzt alles umfasst.

Gibt es irgendetwas, worauf Sie lieber verzichten würden?

Das kann ich so nicht sagen.

Das erste große Thema, das Sie angepackt haben, war der Haushalt für 2015. Sind Sie zufrieden damit, wie das abgelaufen ist?

Letztendlich zählt immer das Ergebnis. Und mit dem Ergebnis, dass wir den Haushalt einstimmig verabschiedet haben, bin ich außerordentlich zufrieden. Es hat sich auch gezeigt, dass es sinnvoll ist, sich außerhalb der Gremien mit allen Fraktionen zusammenzusetzen. Das ist sehr zeitaufwändig, aber das lohnt.

Wie ist sonst Ihr Eindruck vom Ratsklima? Die letzten Sitzungen waren ja nicht ganz so harmonisch wie die ersten beiden.

Der Eindruck ist schon so, dass alle bemüht sind, konstruktiv und vertrauensvoll mit dem Bürgermeister zusammenzuarbeiten. Gleichwohl gibt es natürlich das eine oder andere Thema, wo man unterschiedlicher Meinung ist. Bis auf die Diskussion um den Flächennutzungsplan habe ich alle Diskussionen als sehr sachlich empfunden, auch wenn man unterschiedlicher Meinung war. Sicherlich wird es hier und da mal ein bisschen emotionaler, aber das gehört dazu.

Den Flächennutzungsplan hatte die CDU abgelehnt, weil dort die Trasse der geplanten A33-Nord eingezeichnet ist. Ihre Meinung?

Da ist die Diskussion ein bisschen ausgeufert und es wurde ein Nebenkriegsschauplatz aufgemacht, das fand ich schade. Alle wissen, dass die größte Aussicht auf eine wirksame Verhinderung der A33 nicht aufseiten der Gemeinde liegt, sondern darin, die Interessengemeinschaft der Gegner zu stärken und so zu unterstützen, dass die Klage gegen die Autobahn zielführend sein kann. In diesem Monat wollen wir gemeinsam abstimmen, wie wir das Jahr 2015 gestalten.

Vergangene Woche wurden Sie zum ersten Mal von der Ratsmehrheit aus SPD, Grünen und Wählergemeinschaft – die Sie im Wahlkampf unterstützt hatte – überstimmt. Das Trio setzte den Einbau von Bodenschwellen in der Wessels Straße in Lechtingen durch, obwohl Ihr Verwaltungsteam davon abriet. Und auf den Vorschlag von Ihnen und der CDU, das Thema noch einmal zu vertagen, ging das Trio nicht ein. Ärgert Sie das?

Es hat mich überrascht. Aber man kann immer nur für ein bestimmtes Verfahren werben. Manchmal gibt es eben politische Mehrheiten. Ich bin Bürgermeister aller Wallenhorster.

2016 wird bei der Kommunalwahl der Rat neu zusammengesetzt. Mit dem Wahlkampf geht es so langsam los...

Da bin ich raus. Da bin ich ganz raus (lacht).

Aber Sie sitzen als Bürgermeister dann in einem Rat, in dem Wahlkampf gemacht wird...

Das ist so. Man hat ja jetzt schon manchmal das Gefühl, dass der Wahlkampf so langsam schon Fahrt aufnimmt. Das wird auch sicherlich in den nächsten anderthalb Jahren so sein. Das betrachte ich aber ein Stück weit aus der zweiten Reihe. Ich bin der festen Überzeugung, dass nach der Kommunalwahl noch einmal eine neue Zeit anbrechen wird, weil einfach neue Akteure das Geschäft im Rat beleben. Und ich würde mich freuen, wenn es allen Parteien gelingen würde, wirklich viele neue Leute dafür zu interessieren, sich als Kandidaten aufstellen zu lassen. Bei all den schwierigen Diskussionen ist Kommunalpolitik etwas, das Spaß machen kann. Und etwas, das für die Demokratie sehr wichtig ist. Nichts wäre schlimmer, als wenn die Zahl der Akteure, die sich für so ein Mandat zur Verfügung stellen, immer kleiner wird.


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