Gemeinde investiert 1,5 Millionen Euro Wallenhorst nimmt Blockheizkraftwerk in Betrieb

Nahmen nach rund dreieinhalb Monaten Bauzeit das Blockheizkraftwerk in Betrieb (von links): Thomas Lorenz, Otto Steinkamp, Andreas Hammersen und Thomas Nüsse. Foto: Egmont SeilerNahmen nach rund dreieinhalb Monaten Bauzeit das Blockheizkraftwerk in Betrieb (von links): Thomas Lorenz, Otto Steinkamp, Andreas Hammersen und Thomas Nüsse. Foto: Egmont Seiler

Wallenhorst. Auf dem Gelände der Firma Lorenz Kunststofftechnik fiel der Startschuss für das erste Projekt der 2013 gegründeten Gemeindewerke Wallenhorst: Nach rund dreieinhalb Monaten Bauzeit wurde das Blockheizkraftwerk (BHKW) in Betrieb genommen, mit dem zunächst das neue Baugebiet „An der Barlager Brücke“ mit Nahwärme versorgt werden soll. Die Investitionssumme liegt bei 1,5 Millionen Euro.

„Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, wenn es um erneuerbare Energien geht“, befand Bürgermeister Otto Steinkamp. „Durch das Blockheizkraftwerk können Synergieeffekte zwischen denen, die Wärme übrig haben, und solchen, die Wärme brauchen, genutzt werden“, so Steinkamp weiter. „Wir können die Wärme gar nicht nutzen, die hier entsteht“, bestätigte auch Geschäftsführer Thomas Lorenz, dessen Unternehmen viel Strom in der Produktion verbraucht und damit ein geeigneter Kooperationspartner für die Gemeindewerke ist. Technisch funktioniert das Ganze so: Das in einem eigens dafür errichteten Gebäude befindliche BHKW erzeugt über einen mit Gas betriebenen Generator Strom, der von der Firma Lorenz genutzt wird. Die dabei entstehende Abwärme in Form von Wasser gelangt über Pumpen und ein 4,4 Kilometer langes Rohrleitungssystem entlang der Hansastraße bis zum Baugebiet „Barlager Brücke“, wo im Laufe der nächsten Zeit 28 Häuser entstehen sollen. Zurzeit befinden sich dort bereits 17 Häuser in der Bauphase. „Eine Vorlaufleitung sorgt für den Transport des Wassers zu den Verbrauchern, ein Rücklaufrohr befördert das abgekühlte Wasser zurück“, erklärt Thomas Nüsse, Geschäftsführer der Firma für Kabel- und Rohrleitungsbau. Das BHKW ist, so Nüsse weiter, auf Zuwachs geplant, sodass sich noch mehrere Unternehmen anschließen könnten. Sollte das BHKW einmal ausfallen, kann ein Heizkessel dessen Arbeit übernehmen. Frieren muss also keiner. Auch in ökologischer Sicht soll sich das Projekt rechnen: „92 Tonnen CO2/Jahr im Vergleich zum deutschen Strommix werden durch die Form der Wärmeerzeugung eingespart“, stellte Thomas Oesterreich, verantwortlicher Planer der Ingenieur Netzwerk Energie eG, heraus.

Damit das alles funktioniert, hat die Westnetz Anfang Dezember eine neue Gasdruckregelstation mit einem Gasanschluss in der Heizzentrale der Gemeinde Wallenhorst in Betrieb genommen und kann damit die Haushalte an der „Barlager Brücke“ und die anliegenden Industriegebiete mit Fernwärme versorgen. Die Westnetz ist der Verteilnetzbetreiber für Strom und Gas im Westen Deutschlands und eine 100-prozentige Tochter der RWE.

„Im Februar bekommt der erste Hauseigentümer Wärme“, kündigte Annegret Rethmann, Kämmerin der Gemeinde Wallenhorst, an. „Wir hoffen, dass Mitte des nächsten Jahres die Hälfte aller Bauherren so weit mit dem Bau ist, dass sie Leistungen von uns beziehen.“ Das könne dann im Sommer der Bezug von Wärme für Brauchwasser oder die Trocknung des Baus sein. Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit hoffe man, dass bereits drei Viertel der Hauseigentümer Wärme für ihre Heizung beziehen. Welche Einnahmen dann in die Kasse der Gemeindewerke flössen, sei abhängig vom konkreten Verbrauch der Hauseigentümer. Sicher zu rechnen ist lediglich mit der Anschlussgebühr von 12000 Euro pro Hauseigentümer, die mit dem Bezug der Wärme fällig wird.

Die Wallenhorster CDU-Fraktion hat bei der Beschlussfassung im August dieses Jahres den Anschlusszwang kritisiert und den ökologischen Sinn bezweifelt, weil das BHKW mit Gas anstatt mit Holzpellets betrieben werden soll. Die Mehrheitskooperation aus SPD, Grünen und Wählergemeinschaft haben das Projekt seinerzeit gegen die Stimmen der CDU-Fraktion durchgesetzt.


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