„Menschen zum Nachdenken bringen“ Hollages Pastor über seine Vorbereitung auf die Weihnachtspredigt

Pastor Hans-Georg Meyer-ten Thoren. Foto: privatPastor Hans-Georg Meyer-ten Thoren. Foto: privat

Wallenhorst. An den kommenden Weihnachtstagen werden die Menschen wieder zu den Krippenfeiern und Christvespern in die Kirchen strömen. Als besucherstärkster Gottesdienst hat sich vielerorts in den vergangenen Jahren die Christmette an Heiligabend um 18 Uhr entwickelt. Unsere Redaktion hat einige Tage vor dem Fest mit dem Pastor der evangelischen Andreasgemeinde in Hollage Hans-Georg Meyer-ten Thoren darüber gesprochen, wie er sich auf die Predigt vorbereitet und seine ganz persönliche Weihnachtsfeier mit der Familie im Anschluss aussieht.

Herr Meyer-ten Thoren, worüber sprechen Sie in Ihrer Predigt an Heiligabend?

So weit bin ich noch gar nicht… lacht, aber in gewisser Weise ist das vorgegeben durch die Predigtreihe, die am ersten Advent begonnen hat und die in diesem Jahr aus den Evangelien besteht. Zufälligerweise fällt das Weihnachtsevangelium diesmal auf den Heiligabend. Im Vorfeld mache ich mir natürlich Gedanken darüber, welche Themen im Moment die Gesellschaft in Deutschland und in der Welt bewegen.

Was sind das für Themen?

Das hat auch was mit der Weihnachtsgeschichte zu tun, nämlich die Frage, wie wir mit Flüchtlingen umgehen. In Osnabrück ist ja jetzt die Entscheidung gefällt worden, dass in Trägerschaft der Diakonie ein Flüchtlingsheim geführt werden soll. Damit übernimmt die Kirche eine wichtige Aufgabe. Denn wir haben als Christen einfach die Pflicht, das zu tun.

Wie setzen Sie dann dieses Thema um?

Ich will das Alltagsgeschehen nicht nur herunterbrechen, sondern die Menschen berühren und zum Nachdenken darüber bringen, was die Weihnachtsgeschichte heute für uns bedeutet. Ich will den Menschen sagen: In den Flüchtlingskindern begegnet uns dieser kleine Gott, der in einem Stall geboren wurde.

Wie lange darf eine Predigt dauern?

An Heiligabend zwischen zehn und zwölf Minuten. Vor 25 Jahren dauerten Predigten noch viel länger: Da habe ich auch schon mal über 20 Minuten gepredigt. Das habe ich noch so gelernt. Aber sich über einen so langen Zeitraum zu konzentrieren ist heute für viele Menschen eine große Anstrengung. Da hat sich einfach das Hörverhalten verändert, was sicherlich auch an den modernen Kommunikationsmitteln liegt.

Welche Rolle spielen bei Ihnen Gestik und Mimik?

Eine ganz große. Sie sind Unterstützung für das, was ich spreche. Auch die Stimme selbst kann sehr viel bewirken. Deswegen lese ich vorher jeden Predigttext auch zwei- bis dreimal laut. Das gehört für mich zu einer guten Vorbereitung dazu. Nur dann kann ich wirklich frei sprechen und auf Reaktionen aus der Gemeinde reagieren. Ich habe auch schon mal während der Predigt Textpassagen komplett umgeändert.

Wie bereiten Sie sich auf das Weihnachtsfest vor?

Da gibt es bei uns ein immer wiederkehrendes Prozedere: Meine Frau und ich schmücken am Morgen des Heiligabends gemeinsam mit den Kindern den Baum. Dann schaue ich mir am Computer alle meine Bilder des Jahres an. 25 Bilder setze ich dann zu einem Jahresbild zusammen und verschicke das als Weihnachtsgruß an Freunde und Verwandte. Wenn ich das abgeschlossen habe, ist für mich Weihnachten.

Wie feiern Sie Weihnachten?

Meine Frau und ich haben an Heiligabend zunächst beide Dienst und kommen dann um halb acht zusammen. Dann essen wir mit den Kindern: Bei uns gibt es seit Jahren Ragout fin. Im Anschluss gibt es die Bescherung. Das dauert bei uns auch wirklich lange, weil wir würfeln, wer als Nächstes ein Geschenk auspacken darf. Um Viertel nach zehn Uhr gehe ich dann auch schon wieder zur Christmette in die Kirche.


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