Nach 50 Jahren ist Schluss Wallenhorst: Hans Stallkamp legt Ratsmandat nieder

Fehlte noch in der Sammlung des Hans Stallkamps (dritter von links): Die große Verbandsmedaille. Nach 50 Jahren Ratsarbeit präsentiert er sie stolz im Kreise der Gratulanten (von links): Bürgermeister Otto Steinkamp, Ratsvorsitzender Hans Stegemann und Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. Foto: Jessica von den BenkenFehlte noch in der Sammlung des Hans Stallkamps (dritter von links): Die große Verbandsmedaille. Nach 50 Jahren Ratsarbeit präsentiert er sie stolz im Kreise der Gratulanten (von links): Bürgermeister Otto Steinkamp, Ratsvorsitzender Hans Stegemann und Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. Foto: Jessica von den Benken

Wallenhorst. Er ist immer für Überraschungen gut: Hans Stallkamp, Gemeinderatsmitglied der CDU-Fraktion, legte am Donnerstag sein politisches Amt im Wallenhorster Rat nieder, beantragte eine Änderung des Bebauungsplans der Gemeinde und ließ obendrein noch Blumen sprechen.

Unter Punkt 4.2 der Tagesordnung sollte es eigentlich nur um die Ehrung Stallkamps für seine 50-jährige Ratsmitgliedschaft gehen. Der Politjubilar in seiner unverfälschten Art nutzte diesen Anlass jedoch für ganz andere Dinge.

Nachdem Bürgermeister Otto Steinkamp und Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, ihre lobenden und anerkennenden Worte für Stallkamps langjähriges politisches Engagement verkündet hatten, Geschenke, Medaillen, Urkunden und Händedrücke ausgetauscht waren, trat das Wallenhorster Urgestein zum Rednerpult. „Dies ist nun meine Zeit“, sagte er in ruhigem Ton, „und man hat mir gesagt, ich darf sie nach meinem Befinden nutzen.“

Drei Dinge habe er an seinem Ehrentag zu verkünden. Entgegen aller Erwartungen hielt Stallkamp keine lange Rede über seine Vergangenheit, sondern richtete den Blick in die Zukunft: Zum Einen sei es sein Bestreben, sein am Porta-Kreisel gelegenes Gelände „An der Sandgrube /Nordwestlich Dörnte“ dem DRK-Ortsverband als Dankeschön und anlässlich seiner 50-jährigen Ratsmitgliedschaft zu stiften. „Ich verdanke dem DRK sehr viel. Zwei meiner vier Kindern wurden nach zwei schweren Unfällen auf der alten B68 in der Nähe unserer Hofeinfahrt durch das DRK aus höchster Lebensgefahr gerettet“, sagte er und erklärte: „Die Stiftung der Grundstücke als Bauplatz für eine Rettungswache mit Fahrzeughalle , Übungsraum und Bereitschaftswohnung wäre mein Vermächtnis an das DRK.“ Das sei jedoch nur möglich, wenn Gemeindeverwaltung und Rat einem von ihm gestellten Antrag auf Änderung des Bebauungsplanes Nummer 167 zustimmen. „Ich bitte nun darum, dieses Anliegen und den Wunsch des DRK-Ortsverbandes sorgfältig und wohlwollend zu prüfen und in angemessener Zeit positiv zu bescheiden“, fasste der Jubilar sein Anliegen zusammen.

Schwarz-Rot-Gold

Dieses Bestreben konnte jedoch nicht lange auf die Anwesenden wirken, denn auch der Dank an seine Ratskollegen war Stallkamp an diesem Abend ein Anliegen. Auch hierbei schwang der 76-Jährige keine großen Reden, sondern überreichte jedem eine mit einer schwarz-rot-goldenen Schleife verzierte Rose. „Schwarz steht für meine Partei, Rot für meine Socken und Gold für als das, was wir in der CDU bewegen konnten“, erklärte der CDU-Politiker und fand für jeden Einzelnen seiner Weggefährten und Ratskollegen ein persönliches oder auch versöhnliches Wort.

Als er im Anschluss Bürgermeister Steinkamp einen verschlossenen Briefumschlag reichte, herrschte plötzlich Stille im Ratssaal. „Ich möchte Sie bitten, dieses Schreiben laut vorzulesen“, forderte er den Verwaltungschef auf. Die Stille schlug schnell in Verwunderung, Überraschung und Respektbekundungen um, denn Steinkamp verkündete: „Hans Stallkamp wird mit Ablauf des Tages auf seinen Sitz im Wallenhorster Rat verzichten.“

„Damit hat er uns alle wirklich überrascht“, meinte Ratsvorsitzender Hans Stegemann verwundert, und Steinkamp sagte: „Ich bin noch nicht lange Bürgermeister dieser Gemeinde und als ich begann, mich für Wallenhorst zu interessieren, rief man mir zu: Hans Stallkamp wird dich noch das eine oder andere Mal überraschen. Dies ist Ihnen heute gelungen und ich sehe Ihnen an, dass Ihnen diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist. Dafür spreche ich Ihnen meinen hohen Respekt aus.“ Alle Anwesenden stimmten mit lautem Applaus zu.


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