Die rote Socke der CDU Hans Stallkamp seit 50 Jahren im Wallenhorster Rat


Wallenhorst.Seine Partei wird als schwarz bezeichnet, doch seine Socken sind rot. Und nicht nur das macht den Christdemokraten Hans Stallkamp zu einem Unikat im Wallenhorster Rat. Seit 50 Jahren sagt der heute 76-Jährige seine Meinung – auch wenn ihn andere dafür ausbuhen. 1964 wurde er erstmals in den Wallenhorster Rat gewählt, dem er seither ohne Unterbrechung angehört. Ein außergewöhnliches Durchhaltevermögen – und dafür wird er in der Ratssitzung am 18. Dezember vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund ausgezeichnet.

Zuletzt war Hans Stallkamp bundesweit im Fernsehen zu sehen: Bei Stern TV auf RTL, im ZDF, bei Sat1 und n-tv pries er die beleuchteten Gullydeckel am neuen Barkey-Kreisel in Wallenhorst an und taufte ihn zum „Glühwürmchen-Kreisel“ um. Dass Spötter stattdessen von „Ratten-Bordell“ sprechen und das 10000-Euro-Projekt als Steuergeldverschwendung ins Lächerliche ziehen, ficht Stallkamp nicht an. Die eingebauten Lämpchen seien zusammengerechnet mit nur 50 Watt sparsamer als eine herkömmliche Glühbirne, sagt er, und optisch sei die Installation auch ein Gewinn. „Ich bin eigentlich dankbar, dass der Kreisel uns so bekannt gemacht hat.“

Vor 50 Jahren wäre ein medialer Widerhall wie heute unvorstellbar gewesen. 26 Jahre alt war der Landwirt, als er in den Ratsunterlagen vom 27. Oktober 1964 für die CDU-Fraktion erstmalig als „Stallkamp, Johannes jun.“ auftauchte. Sein Nachbar Franz Brockmeyer, von dem er nur als „Onkel Franz“ spricht, motivierte ihn damals, in die CDU einzutreten und als sein Nachfolger für den Rat zu kandidieren. Mit einer Stimme überholte Hans Stallkamp seinen früheren Volksschullehrer Josef Reiners und schaffte den Sprung in das Gremium – gerade zu der Zeit, als seine Partei dort die Alleinherrschaft verlor und fortan Gesellschaft von der Wallenhorster Wählergemeinschaft hatte. .

Streitbarer Politiker

Streitbar war Hans Stallkamp schon immer und machte sich damit auch in der eigenen Partei nicht immer Freunde. „Aber ich bin nie aus der CDU oder der CDU-Fraktion ausgetreten“, betont der Rentner von sich aus. Anfang der 1980er-Jahre war er trotzdem isoliert im Wallenhorster Rat – er und zwei weitere Parteikollegen. „Hubert Otte wollte mich 1981 nicht in die Fraktion lassen“, erzählt Stallkamp. Zwei Jahre lang gab es also zwei CDU-Fraktionen, bis der Kreisverband einschritt und sich die Christdemokraten wieder zusammenrauften. 2001 war es dann wieder so weit: Stallkamp stand gegen den Rest seiner Fraktion als Einzelkämpfer und wurde bei diversen Abstimmungen zum Zünglein an der Waage.

Nicht nur die jahrzehntelange politische Arbeit hat ihn abgehärtet, sagt er, sondern mehr noch sein Job als Landwirt. Neun Hektar Land hatten seine Eltern nach dem Krieg geerbt, 1953 habe er den Acker noch mit Pferden gepflügt, erinnert er sich. 1956 bauten Stallkamps den ersten Hühnerstall, der mit den Jahren immer weiter ausgebaut wurde – genauso wie der Schweinestall. 1966 übernahm „Küken-Hänschen“, wie manche Stallkamp heute noch nennen, den elterlichen Hof und expandierte immer weiter. 1967 heiratete er seine Frau Maria, 1976 wurde er außerdem für die kommenden 25 Jahre Kreistagsmitglied und 1988 Präsident der niedersächsischen Geflügelwirtschaft – eine Funktion, in der er sich immer mehr für bessere Stallbedingungen einsetzte.

Am Ende hatten Stallkamps 200 Hektar Land gepachtet und im Laufe der Jahre mehr als 50 Landwirte ausgebildet. 1994 verabschiedeten sie sich von der Landwirtschaft, da keines der vier Kinder den Hof übernehmen wollte. Die 20 Hektar, die Stallkamp nebenher weiterhin bewirtschaftete, formte er aber zum Biobetrieb um. Seine höchste Auszeichnung, das Bundesverdienstkreuz, nahm er 2007 entgegen.

„Erst wird man verlacht, dann wird man bekämpft, und dann sagen alle, das musste ja so kommen“, zitiert Stallkamp frei den dm-Drogeriemarktgründer Götz Werner, der sich für das bedingungslose Grundeinkommen einsetzt – wie Stallkamp selbst. „Dass ich etwas links bin in der CDU, das weiß jeder.“ Deshalb trägt er übrigens auch fast immer rote Socken. „Das ist die Sozialkomponente meiner Persönlichkeit“, sagt der bei Kolping aktive Christdemokrat.

Meilensteine

Wer ihn nach seinen persönlichen Meilensteinen in Wallenhorst fragt, dem zeigt er den Abzug eines Fotos von Norbert Quint, das zurzeit in der Ausstellung „Durchblicke“ im Rathaus hängt. Am linken Bildrand: Die Bäckerei Berelsmann, vor 50 Jahren noch Gastwirtschaft, in der er seine ersten Ratssitzungen erlebte. „Im dritten Fenster unten links, da saß ich“, erzählt er. Weiter rechts im Bild: Das neue Rathaus, das genau dort steht, wo er es haben wollte, erzählt er stolz. Und noch weiter rechts neben der erhaltenen alten Küsterei: Die alte Schule, in der er die erste Klasse besuchte. Und schließlich die Annakapelle, die er 1968 mit zur Gedenkstätte für Kriegsgefangene umgestaltet hatte.

2016 wird ein neuer Rat gewählt. Mit oder ohne Hans Stallkamp? Er grinst. „Ich habe mal gesagt, dass ich so lange kandidiere, wie der liebe Gott das will.“


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