Geschichte lebendig verpackt Schüler lesen Weltkriegstexte in Rulle

Von Stefanie Preuin

Eindrucksvoll lesen (von links) Josie Deters, Katharina Bergmann und Lydia Münstermann Texte aus dem Ersten Weltkrieg. Foto: Stefanie PreuinEindrucksvoll lesen (von links) Josie Deters, Katharina Bergmann und Lydia Münstermann Texte aus dem Ersten Weltkrieg. Foto: Stefanie Preuin

Wallenhorst. Romanauszüge, Tagebuchaufzeichnungen, Liedtexte und Gedichte aus dem Ersten Weltkrieg. Was 2014 sehr fern und verstaubt klingt, rückte bei der Lesung von Schülern des Gymnasiums Bersenbrück wieder ganz nah. Das Projekt ist eine kaleidoskopische Text- und Bildcollage, die das Publikum am Samstag im Ruller Haus zurück in den Weltkrieg zerrte.

„Die Schüler, die heute lesen, sind in der Altersgruppe der Jungen und Mädchen an der Front damals“, erklärte Lehrerin Anne Klaus vorab. Die Zwölftklässler seien reif genug, die Texte zu durchdringen.

Zusammen mit Burkhard Imeyer, der die Dramaturgie der Texte ausarbeitete, übten die Schüler des Gymnasiums Bersenbrück seit Frühjahr dieses Jahres an dem Projekt. Der eindrucksvolle Vortrag beinhaltete vor allem Texte aus Peter Englunds „Schönheit und Schrecken“ – unter anderen mit Tagebucheinträgen von Elfriede Kuhr – und Paul Coelestin Ettighofers „Gespenster am Toten Mann“.

„In der Heimat, in der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehen“, sangen die Schüler Felix Krumme, Lennart Jürgens und Niclas Gieseke mit kräftigen Stimmen. Zuvor berichtete Katharina Bergmann von Elfriede Kuhrs Erfahrungen, als das Infanterieregiment ihren Heimatort Schneidemühlen verließ. Fast auswendig trug die Schülerin den Text vor. Lydia Münstermann und Josie Deters stimmten beim nächsten Abschnitt in den Gesang ein: „Lazarettzüge, Lazarettzüge.“

Die begleitenden 50 Bilder zur Lesung waren nicht als Illustration gedacht, sondern sollten Assoziationen wecken. Ein Wechsel von alten Postkarten, Portraits und Gemälden unterstrich den mitreißenden und erschreckenden Vortrag der jugendlichen Leser. „Ich habe Gänsehaut bei dieser Darstellungsform bekommen“, sagte Hilke Romann in der Pause.

Die engagierten Schüler sehen das Projekt als Beweis dafür an, dass Geschichtliches lebendig verpackt werden kann. „Im Unterricht gehen viele Themen unter, die Texte sind nah dran und spannend“, urteilte Schülerin Lydia Münstermann.

Gruppendynamik

Der pensionierte Lehrer Burkhard Imeyer zeigte sich begeistert von den motivierten Schülern, die auch in der neunten Stunde noch mit vollem Einsatz geprobt hatten. „Mit diesen Schülern kann man weiter arbeiten, sie haben sich noch einmal gesteigert – eine tolle Gruppendynamik“, berichtete Imeyer.

Das Ende der Aufführung zwang die Zuschauer zum Nachdenken: „Wir werden weiter marschieren“ tönte es durch das Ruller Haus, während Paul Webers Karikatur eines Sargs mit Hakenkreuz und der hinein fallenden Armee eingeblendet wird.