Bild für Bild für Bild Filmpremiere Wittekindsburg von Yukihiro Taguchi

Von Stefanie Preuin

Filmpremiere im Ruller Haus: Yukihiro Taguchi stellt seinen Film Wittekindsburg vor, thematisch unterstützten ihn Judith Franzen (rechts) und Elisabeth Lumme. Foto: Stefanie PreuinFilmpremiere im Ruller Haus: Yukihiro Taguchi stellt seinen Film Wittekindsburg vor, thematisch unterstützten ihn Judith Franzen (rechts) und Elisabeth Lumme. Foto: Stefanie Preuin

Wallenhorst. Nach und nach zieht sich ein Weg durch den Wald, Stöcke bilden einen Stuhl, und Pilze verschwinden von der Rinde. Yukihiro Taguchi erstellte in der vergangenen Woche einen Film an der Wittekindsburg, nun feierte er Premiere.

Bevor der 34-jährige Künstler sein Projekt startete, unterstützte er den jungen Filmnachwuchs. In den Herbstferien organisierte das Ruller Haus einen Workshop. Viele lustige, spannende und experimentelle Kurzfilme entstanden, die vor der Premiere gezeigt wurden. Dabei arbeiteten die Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren mit vorhandenen Materialien und der Stop-Motion-Technik.

Einzelbilder werden dafür aneinandergesetzt und abgespielt. So tanzten Stühle auf der großen Bühne, Steine entwickelten ein Eigenleben, und Legosteine verliebten sich. Elisabeth Lumme, Kunstpädagogin, erzählte stolz: „Die Kinder haben die Projekte selbst erdacht und nur wenig Hilfe gebraucht.“

Das Making-of zeigte dem Premierenpublikum den Spaß der Kinder, mit Formen und Materialien zu experimentieren. Durch die Arbeit mit dem Nachwuchs konnte Yukihiro Taguchi Inspiration für sein eigenes Projekt sammeln. Der thematische Anstoß kam von Judith Franzen, denn im nächsten Jahre steht das 40. Jubiläum der Stadt- und Kreisarchäologie an. Die Wittekindsburg ist in diesem Zusammenhang eine wichtige Station.

„Eine Woche ist eine sehr kurze Arbeitsphase“, gestand Künstler Taguchi. Seit 2007 befasst er sich mit Stop-Motion-Filmen, die sich mit Veränderungen auseinandersetzen. Seine Filme sind maximal fünf Minuten lang. „Ich habe schon unzählige Filme gemacht. Ich schätze, insgesamt komme ich auf 2,5 Stunden Filmlaufzeit,“ so Taguchi. In der letzten Woche nutzte er das Tageslicht, um in den Ruinen der Burg ein Tipi zu bauen, Laub zu sammeln und Gäste einzuladen.

Klingt erst einmal einfach, aber Yukihiro Taguchi bannte die kleinste Veränderung und Bewegung auf den Chip seiner Kamera, um einen Ablauf im Film darzustellen. So war er nicht nur mit Säge und Seil bewaffnet, sondern auch mit einem Kamerastativ. Die Dramaturgie ergab sich auch aus den gefundenen Materialien. Das Herbstlaub quoll aus einem Baumstamm, Holzscheite bereiten Bild für Bild den Weg für einen selbst gebauten Stuhl. Bevor die Gäste kommen, deckt sich plötzlich das Tipi mit Blättern zu.

„10 Bilder pro Sekunde brauche ich ungefähr“, erklärte Yukihiro Taguchi. Jede Weiterentwicklung musste er mit Bedacht wählen, um keine Sprünge im Film zu erzeugen. „Das Knacken des Holzes und ein Rascheln werde ich als Tonaufnahme noch ergänzen“, berichtete Taguchi. Elisabeth Lumme und der 34-Jährige erhoffen sich eine Fortsetzung des Projekts – bis auch der Osnabrücker Dom ins Bild gefasst ist.