Text-Bild-Collage im Ruller Haus Lesung von Schülern zum Ersten Weltkrieg in Rulle

Die Realität an der Front sah anders aus, als die Rekruten auf der Welle der Kriegseuphorie erwartet hatten. Die Feldpostkarte „Soldaten mit Gasmasken im Schützengraben“ (1915/16) ist im Museum der bildenden Künste in Leipzig ausgestellt. Foto: dpaDie Realität an der Front sah anders aus, als die Rekruten auf der Welle der Kriegseuphorie erwartet hatten. Die Feldpostkarte „Soldaten mit Gasmasken im Schützengraben“ (1915/16) ist im Museum der bildenden Künste in Leipzig ausgestellt. Foto: dpa

pm/sdo Wallenhorst. Es waren meist junge Männer, die in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs starben – und Jugendliche werden am Samstag, 22. November, im Ruller Haus Textpassagen lesen, die die Erfahrungen ihrer Altersgenossen vor 100 Jahren schildern. Sechs Oberstufenschüler des Gymnasiums Bersenbrück – drei Mädchen und drei Jungen – setzen unter Regie der Lehrerin Anne Klaus eine Idee des Rullers Burkard Imeyer um.

„Der Erste Weltkrieg – Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts – Kontraste“ lautet der Titel der Veranstaltung, die um 19 Uhr beginnt.

Ostfront – Westfront, Propaganda – Realität, Liebe – Brutalität: Das sind nur einige der Gegensatzpaare, die dabei dargestellt werden sollen, manchmal grausam, manchmal ironisch, erläutert der pensionierte Lehrer Imeyer. Dazu werden Bilder eingeblendet, die einen zusätzlichen Kontrast darstellen. Auch die Texte sind gegensätzlich; das Spektrum reicht von Romanauszügen über Tagebuchaufzeichnungen bis hin zu Gedichten, Liedtexten und Einträgen in Poesiealben.

Die Auszüge aus Erich Maria Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“ habe er aufgrund der Vielzahl von Lesungen in Osnabrück bewusst kurz gehalten, sagt Imeyer. Stattdessen sollen weniger bekannte Autoren und Zeitgenossen zu Wort kommen.

Darunter ist Elfriede Kuhr, deren Tagebuch der Professor für Narratologie Peter Englund in seinem Buch „Schönheit und Schrecken“ verarbeitet hat. Elfriede Kuhr war zu Beginn des Krieges 14 Jahre alt und führte ihr Tagebuch den gesamten Krieg hindurch, „und zwar fernab von den Fronten in dem kleinen Ort Schneidemühl in Westpreußen“, so Imeyer. Einen Gegensatz dazu bilden unter anderem Szenen aus dem Buch „Gespenster am Toten Mann“ von Paul Coelestin Ettighofer.

Schon vor zwei Jahren hatte Burkhard Imeyer mit jungen Leuten zusammengearbeitet, in Form einer szenischen Lesung von Werken des englischen Autors Charles Dickens mit Anglistik-Studenten der Universität Osnabrück. Nun sind es Schüler, die bei der Gelegenheit lernen konnten, „Inhalte dramatisch über die Sprache zu gestalten“, so Imeyer.

Der Eintritt kostet 10 Euro, Inhaber der Wallenhorster Kulturcard zahlen die Hälfte, Schüler und Studenten haben freien Eintritt, Tel. 05407/8137750.