Neue Orgel für Alte Kirche 405 Pfeifen ertönen bald in Alt-St.-Alexander in Wallenhorst

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Wallenhorst. Wenn demnächst ein heiliges Brausen durch das Kirchenschiff geht und die Gottesdienstbesucher noch ergriffener als bislang der Choralbegleitung lauschen, dann liegt es am „8-Fuß-Principal“. Die Alte Alexanderkirche bekommt derzeit eine neue Orgel eingebaut, deren Hauptwerk aus bis zu acht Fuß, also rund 2,40 Meter langen Pfeifen besteht. „Das gibt den raumfüllenden Klang“, erläutert Orgelbaumeister Werner Mann.

Er ist zusammen mit seiner Frau Gudrun aus Mainbernheim in Unterfranken angereist, wo er die renommierte Orgel-Manufaktur Mann betreibt, „Mann, wie Silbermann, aber ohne Silber“, erklärt er mit Anspielung auf die große Orgelbauerfamilie Silbermann. Auf dem Anhänger hatte er das gute Stück für Alt-St.-Alexander mitgebracht, das nun gerade auf der Sängerempore im Westbau einen neuen Platz findet. Gar nicht so einfach, denn: „Rechte Winkel gibt es hier nicht“, wie Werner Mann schnell feststellen musste. Das bestätigt Karl Burmeister, der Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer der Alten Kirche zu Wallenhorst: „Der Boden fällt nach vorne zur Brüstung hin ab, das war gewollt, damit die Chorsänger in der hinteren Reihe klar ihre Stimmen über die Köpfe der weiter vorne Stehenden hinweg erheben konnten.“

Alte Orgel verstimmt

Die Empore an der Westseite gegenüber dem Altar ist eigentlich der typische Standort für eine Orgel. Nicht so bislang in der Alten Alexanderkirche: Die vorhandene Orgel ist im linken Seitenschiff zwischen Orgel und Altar eingebaut. Schon seit einiger Zeit hatten die Kirchenmusiker keine rechte Freude mehr an dem alten Instrument. Es hätte grundlegend renoviert und neu gestimmt werden müssen. Die Experten des Bistums, der Orgelsachverständige Franz-Josef Rahe und Kirchenmusikreferent Martin Tigges, rieten davon jedoch ab, da der Aufwand in keinem Verhältnis zum möglichen Erfolg stehe. Sie schlugen der Pfarreiengemeinschaft und dem Förderverein den Ankauf einer neuen Orgel vor, die dann am besten auch gleich auf die Westempore gesetzt werden sollte.

Eine neue Orgel würde kaum unter 150000 Euro zu haben sein. Deshalb hielt die Findungskommission auch nach einer passenden gebrauchten Ausschau. Zwei Jahre später wurde sie in Fredenbeck bei Stade fündig: Kirchenmusiker Günter Rose wollte sich von seiner „Principal 8-Fuß“ mit 405 Pfeifen trennen, die Orgelbauer Mann ihm 1986 in sein Wohnzimmer eingebaut hatte. Orgel-Fan Rose war es wichtig, dass das im Grunde für ein Wohnzimmer völlig überdimensionierte Instrument „in gute Hände“ komme, am liebsten in eine Kirche. Der Wunsch ging in Erfüllung, der Wallenhorster Förderverein, Rose und Orgelbauer Mann als Dritter im Bunde wurden sich handelseinig. Alt-St.-Alexander bekommt nun für 45000 Euro die vom Hersteller demontierte und überholte Orgel vor Ort angepasst und eingebaut, dazu ein neues Pedal und einen neuen Sub-Bass. „Die Stimmung des Instruments ist eine historische, sie ist also besonders gut für alte Musik geeignet“, erläutert Werner Mann die Charakteristik des ganz überwiegend mit Holzpfeifen bestückten Instruments, „sie kann mit dem ‚Nachtigall-Register‘ aber auch Vogelstimmen imitieren.“ Etwa Mitte November wird die Intonation abgeschlossen und das Instrument bespielbar sein. Die offizielle Orgelweihe soll aber erst im nächsten Frühjahr stattfinden. „Herr Rose wird selbstverständlich dazu eingeladen, ich glaube, der freut sich schon darauf“, meint Burmeister.

Alle Register gezogen

Um den Kaufpreis zu stemmen, muss der Förderverein nun alle Register ziehen. „Wir hoffen, dass die politische Gemeinde zu der traditionellen Kostendrittelung steht“, erinnert Burmeister an die bisherige Übung bei größeren Bauausgaben. Bistum und Pfarreiengemeinschaft hätten bereits 14000 Euro zugesagt, ein weiteres Drittel könne der Verein selbst tragen. Es gebe Signale aus dem Rathaus, dass das fehlende Drittel im Gemeindehaushalt 2015 Platz finden könne, sagt Burmeister: „Hoffentlich bleibt es jetzt dabei.“


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