Steinkamps erster Arbeitstag Mit Rückenwind ins Wallenhorster Rathaus

Von Sandra Dorn


Wallenhorst. Die Wände sind noch weiß und leer in Otto Steinkamps Büro. „Deshalb sind Sie heute eigentlich zu früh“, sagt Wallenhorsts neuer Bürgermeister grinsend und bietet am kleinen runden Besprechungstisch erst mal eine Tasse Kaffee an. Am Montag hatte der 51-jährige Osnabrücker seinen ersten Arbeitstag als Rathauschef.

Zwei persönliche Gegenstände hat Steinkamp mitgebracht und auf dem fast leeren Schreibtisch neben Telefon, Computerbildschirm und Laptop platziert: seinen 1.-FC-Köln-Kaffeebecher und einen Tischkalender mit Fotos seiner Familie. Von seinem neuen Team gab es einen Blumenstrauß; am Nachmittag wollte Steinkamp sich nach einer Mitarbeiterversammlung mit einem kleinen Empfang revanchieren.

Eine „große Fülle an Terminen und Terminanfragen“ habe er erst abgearbeitet, gefolgt von der montäglichen Fachbereichsleiterrunde.

Klingt trocken, ist es aber nicht für Steinkamp. „Es ist schon ein aufregender Tag“, sagt er. Eine Woche zuvor erst hatte er seinen letzten Arbeitstag beim Landkreis Osnabrück, wo er zuletzt den Fachdienst Jugend geleitet hatte. „Nach 35 Jahren beim Landkreis woanders zu arbeiten ist schon auch ein bisschen komisches Gefühl“, gibt er zu. „Bei alledem überwiegt aber die riesengroße Freude.“

Große Wählermehrheit

Fast 63 Prozent der Wähler hatten am 28. September ihr Kreuz bei dem gebürtigen Alfhausener gemacht. Damit ließ Steinkamp seine beiden Mitbewerber Stefan Düing (CDU) und SPD-Amtsinhaber Ulrich Belde (unabhängig) weit hinter sich. In der öffentlichen Ratssitzung am 11. November wird Otto Steinkamp vereidigt. Bis dahin kann er sich im Rathaus schon einmal einleben.

Gemächlich wird das nicht ablaufen – denn die Zeit bis zur Verabschiedung des Haushaltes für 2015 drängt. Er hoffe, dass „eine ganz, ganz große Mehrheit“ das Zahlenwerk im Dezember auf den Weg bringen wird, „vielleicht sogar einstimmig“. Mit dem Haushalt legt Wallenhorst schließlich fest, welche großen Projekte im kommenden Jahr angepackt werden. „Ich werde noch viele Gespräche mit allen Fraktionen führen“, kündigt Steinkamp an. Derer gibt es seit vergangener Woche allerdings fünf statt wie bislang vier – plus das Linke-Ratsmitglied Michael Riemann. Fünf Ratsmitglieder haben sich nach der Wahlschlappe für den Kandidaten Stefan Düing als „Christlich Demokratisch für Wallenhorst“ (CDW) von der CDU abgespalten. Kommentieren will Steinkamp das nicht. „Das ist eine parteiinterne Geschichte. Für mich gilt: Ich habe alle mitzunehmen und werde ein Bürgermeister für alle sein.“

Nicht nur den Haushalt, auch die einzelnen Ratsitzungen will er intensiv mit den Fraktionen vorbereiten. Die großen Themen kenne er bislang nur aus der Wahlkampfperspektive – also wird er nun viele Akten wälzen müssen. Der Blick fällt dabei aus dem Fenster auf den Alten Pyer Kirchweg.

An die Wand hinter seinem Schreibtisch will Steinkamp ein berühmtes Bild des Street-Art-Künstlers Banksy hängen. „There is always hope“ („Es gibt immer Hoffnung“) lautet der Titel des Graffitos, bei dem ein kleines Mädchen einen roten Luftballon in Herzform loslässt. „Das war ein schöner Slogan fürs Jugendamt, und ich denke, das ist er auch für Wallenhorst.“