Der Dachschaden ist behoben Fachbetrieb repariert Windmühle Lechtingen

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Wallenhorst. Was hat ein ausgemustertes Einsatzfahrzeug der Feuerwehr Ludwigshafen an der Lechtinger Mühle zu suchen? Die Antwort liegt in dem übermalten Schriftzug „Vaags Meester Molenmakers“ über der noch schwach durchscheinenden Altbeschriftung auf der Fahrerhaustür: Der niederländische Mühlenbaubetrieb Vaags aus Aalten hat die Drehleiter übernommen. Vom Rettungskorb an der Spitze der ausgefahrenen 30-Meter-Leiter aus lassen sich Reparaturen an Dächern und Mühlenflügeln sicher und relativ bequem ausführen.

Genau so ein Einsatz ist in Lechtingen nötig, seitdem ein Juni-Sturm einen Flügel der Windrose zerlegte. An dieser Stelle ist ein klein wenig Mühlenkunde erforderlich: Die Windrose ist ein kleines Windrad, das auf der drehbaren Kappe den großen Mühlenflügeln gegenüber befestigt ist. Es dient dem Nachführen der Kappe in die Windrichtung, sodass die Flügel des großen Windrades den Luftstrom genau von vorne aufnehmen können.

Wenn der Wind sich dreht und nicht mehr im rechten Winkel auf das Mühlenkreuz auftrifft, fangen die kleinen Flügel der Windrose den Querwind auf und versetzen über ein Getriebe die ganze Kappe automatisch in eine Drehbewegung, bis das Mühlenkreuz wieder genau im Wind steht.

Im Juni war nun ein Flügel der Windrose gebrochen. Das lose Stück flog aber zunächst nicht weg, sondern blieb noch durch einen Metallbeschlag mit der Windrose verbunden. Mit jeder Umdrehung der Windrose hackte das Bruchstück nun auf die Dachkappe ein und schlitzte die Dachhaut nach Art einer Kreissäge auf. Direkt am Kappenfirst entstand so ein Loch von fast einem Quadratmeter Größe.

Ein örtlicher Dachdecker spannte zunächst eine Notplane, damit das hölzerne Innenleben des Mühlenantriebs bei Regen keinen Schaden nimmt. Die endgültige Reparatur, das wurde den Mühlenfreunden schnell klar , würde aber ein Fachbetrieb ausführen müssen. Vaags hatte schon häufiger geholfen; der niederländische Betrieb gleich hinter der Grenze bei Coesfeld ist der nächstgelegene Mühlenbauer.

Mitinhaber Gerben Vaags lädt sich einige Dutzend Eichenholzschindeln in den Montagekorb und macht sich auf den Weg zur Kappe in 16 Meter Höhe. Einige Dachlatten sind schon erneuert, jetzt tackert er den ersten Teil der neuen Schindeln fest. Danach wird noch die ebenfalls nur notreparierte Windrose überarbeitet und die gesamte Kappe auf weitere Schäden untersucht. Und dann, ja dann mögen die Herbststürme ruhig kommen: „Wir können dem Wind keinen Vorwurf machen, der soll ja schließlich blasen“, sagt Mühlenvereins-Vorstandsmitglied Ansgar Vennemann, „aber unsere Mühle ist schließlich eine 127-Jährige, da kann so etwas immer mal passieren.“


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