Otto Steinkamp vor dem Amtsantritt Ein Spaziergang mit Wallenhorsts neuem Bürgermeister



Wallenhorst. Beim Übergabegespräch mit seinem Vorgänger Ulrich Belde hat Wallenhorsts künftiger Bürgermeister Otto Steinkamp sein neues Büro im Rathaus bereits besichtigen können. Am 3. November will Steinkamp es um 8 Uhr morgens beziehen und loslegen. Für die kommenden sieben Jahre haben die Wallenhorster ihn zum Verwaltungschef gewählt. Er wird nun viel Zeit zwischen Alexanderkirche und Grüner Wiese verbringen. Bei einem Spaziergang durchs Wallenhorster Zentrum erläutert der 51-Jährige, wie die nächsten Wochen für ihn aussehen werden.

Dass der Parteilose ab 1. November Wallenhorsts neuer Bürgermeister ist, hat Otto Steinkamp mittlerweile realisiert – aber dass es tatsächlich 7180 Wallenhorster (62,81 Prozent der Wähler) waren, die am 28. September ihr Kreuz bei ihm machten, lässt ihn immer noch ungläubig den Kopf schütteln. „Natürlich freut man sich riesig“, sagt Steinkamp. Ein bisschen Wehmut, dass er nach 35 Jahren Arbeit beim Landkreis Osnabrück nun das Kreishaus am Schölerberg verlässt, sei aber auch dabei. Zuletzt leitete er dort den Fachdienst Jugend mit 140 Mitarbeitern.

Übermäßig Zeit zur Erholung nach dem Wahlkampf hat Steinkamp in der Übergangsphase nicht. Als er mittags zum verabredeten Treffpunkt vor dem Rathaus eilt, hat er bereits einen Termin zur Besprechung des Gemeindehaushaltes für 2015 hinter sich. „Das läuft ganz gut an“, sagt er und blickt auf das Verwaltungsgebäude. Mit Belde habe er bereits ein Übergabegespräch geführt, erzählt Steinkamp, in „angenehmer Atmosphäre, hoch professionell und gut.“

Der Spaziergang zur Grünen Wiese hinter dem Rathaus ist holprig. Bekanntermaßen bröckelt das erst vor 18 Jahren verlegte Kopfsteinpflaster der Rathausallee. Die größten Löcher hatte die Gemeinde im Sommer mit Asphalt gestopft – optisch ansprechend geht anders. „Das ist ein Zustand, der mit einer Fußgängerzone nicht viel zu tun hat“, urteilt Steinkamp – eines der Themen, die ihn als Bürgermeister beschäftigen werden.

Ein anderes erstreckt sich verlassen und frisch gemäht einige Meter weiter vor dem Verwaltungsfachmann: Noch immer liegt die Grüne Wiese brach, noch immer ist das Projekt „Arkaden-Center“ nicht endgültig begraben. Steinkamp hält sich mit Äußerungen zu den so gut wie gescheiterten Plänen für ein Einkaufszentrum zurück. „Die rechtliche Situation ist so schwierig. Wir dürfen dem Investor nicht in die Karten spielen“, betont Steinkamp. „Ich will genau in die Akten schauen und das dann Stück für Stück angehen.“

Ohnehin wird er in den ersten Wochen viele Akten wälzen müssen. „Ein bisschen was muss man ja auch machen als Bürgermeister“, sagt er grinsend. Bis Weihnachten muss die Haushaltsplanung für 2015 stehen. „Das oberste Ziel ist, dass das ein Haushalt wird, der von allen Ratsmitgliedern mitgetragen wird“, sagt Steinkamp, als es weiter geht über die Große Straße zum Töwerland-Grundstück. „Ich möchte alles dafür tun, um im Vorfeld mit wirklich allen ein Gespräch zu führen.“

Das sei das wichtigste Thema für die nächsten Wochen: Mehr Sachlichkeit in der Diskussion im Gemeinderat, so Steinkamp. Als parteiloser Bürgermeister, der noch dazu von außen kommt, will er sich dafür einsetzen, dass der politische Umgang der Fraktionen miteinander wieder in geregelten Bahnen verläuft und nicht wie bisher Streitigkeiten im Vordergrund stehen. Das hatte der gebürtige Alfhausener, der seit 16 Jahren in Osnabrück lebt, schon im Wahlkampf versprochen.

Mittlerweile sind wir an der Ecke Große Straße/Franksmannstraße angekommen. „Hier haben wir die zweite Grüne Wiese“, kommentiert Steinkamp. Vor dreieinhalb Jahren hatte die Gemeinde auf dem Eckgrundstück die Überreste des abgebrannten Hotels Töwerland, ehemals Bitter, abgerissen. Seitdem sucht sie einen Investor für die Nachfolgenutzung – und braucht das Geld dringend für die Zentrumssanierung, die schon der Großen Straße ihre neue Optik verliehen hat. „Ich kenne noch das Hotel Bitter“, sagt Steinkamp. „Hier bin ich schon als Jugendlicher beim Tanz gewesen.“ Jetzt gehe es aber darum, schnell eine Lösung zu finden. „Es wäre mir ein Anliegen, dass wir es in einem Jahr schaffen, einen verlässlichen Investor zu bekommen“, sagt Steinkamp.

Viele Baustellen der Gemeinde befinden sich zurzeit rings ums Rathaus – eine aber betrifft die gesamte Gemeinde mit ihren Ortsteilen Rulle, Hollage, Lechtingen und Wallenhorst: Das neue Buskonzept, mit dem viele Bürger wegen umständlicherer Umsteigelösungen nicht so recht einverstanden sind. „Wir werden dazu noch Gespräche führen mit den Stadtwerken Osnabrück“, sagt Steinkamp.

„Glückwunsch!“, unterbricht eine Frau, die an der Bushaltestelle vor dem Gasthof „Zur Post“ auf den Bus wartet, und gratuliert Steinkamp zum Wahlsieg. „Jetzt muss sich nur noch der Rat ändern“, sagt die Dame.

In der Gaststätte „Zur Post“ hatte Steinkamp vor drei Wochen den Wahlsieg gefeiert – zusammen mit seinen Unterstützern von SPD, Grünen und Wählergemeinschaft, aber auch mit einigen CDU-Mitgliedern. „Da fiel die ganze Anspannung ab“, erinnert er sich.

In diesem Jahr reicht die Zeit nicht mehr, doch künftig will Steinkamp ähnlich wie beim Landkreis Strategie-Workshops mit Verwaltungsmitarbeitern und Ratsmitgliedern abhalten, um sich auf die wichtigsten Projekte für das jeweils kommende Jahr zu einigen. Auf dieser Basis soll dann die Finanzplanung stattfinden. Ob er sich bei seinem Arbeitsstil als Stratege bezeichnen würde? „Nein, das klingt so militärisch“, sagt er. „Eher vorausschauend planend. Die Verwaltung soll nicht gegen den Rat arbeiten, sondern die Basis legen für politische Entscheidungen.“

Der kleine Rundgang endet auf dem Parkplatz vor dem Rathaus, wo Steinkamp in sein Auto steigt, um nach Hause zu fahren. Das ist und bleibt sein Einfamilienhaus in Osnabrück, wie er von Anfang an betont hatte – und als Kandidaten von außen haben die Wallenhorster ihn auch gewählt.


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