Nach der Bürgermeisterwahl Interview zu Wahlumfrage und -ergebnis in Wallenhorst

Von Sandra Dorn

Axel Schomborg
              
              Foto: privatAxel Schomborg Foto: privat

Wallenhorst. Die Tendenz hat gestimmt, doch die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl und der repräsentativen Umfrage der NOZ klaffen auseinander. 800 Wahlberechtigte hatte das Meinungsforschungsinstitut „Produkt + Markt“ Anfang September befragt. Da lag Steinkamp mit 42,5 Prozent vorne – gewonnen hat er mit fast 63 Prozent. Stellung nimmt Axel Schomborg, zuständiger Bereichsleiter bei „Produkt + Markt“.

Herr Schomborg, wie kann es sein, dass die Ergebnisse so weit auseinanderliegen?

Wichtig ist festzustellen: Wir haben keine Wahlprognose für den 28. September vorgestellt, sondern den Ist-Zustand vor drei Wochen analysiert. Das sind zwei grundverschiedene Dinge, die man nicht durcheinanderbringen darf. Weshalb das Wahlverhalten so stark abweicht, hängt meiner Meinung nach sehr damit zusammen, dass viele die Kandidaten Otto Steinkamp und Stefan Düing zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht kannten. In den Wochen dazwischen haben die Kandidaten erst an Bekanntheit und Profil gewonnen. Gerade bei Kommunalwahlen entscheidet sich das Wahlverhalten häufig sehr kurzfristig, insbesondere dann, wenn die Kandidaten keine klare Parteienanbindung haben.

Meinen Sie, die Umfrage hat das Wahlverhalten beeinflusst?

Den Meinungsbildungsprozess hat die Veröffentlichung der Umfrage sicherlich noch mit angeschoben, und ich bin mir sehr sicher, dass das auch den Wahlausgang mit beeinflusst hat. Doch wie sehr und in welche Richtung, kann man nicht sagen, wir haben hier keine Kontrollgruppe.

Hat Sie das Ergebnis denn überrascht?

Etwas ja, aber auch nicht vollkommen. Die Ergebnisse Anfang September haben auf eine Stichwahl hingedeutet – etwas, das viele Bürger gar nicht wollen. Da sind sicherlich einige in ihrem Wahlverhalten noch einmal aktiviert worden. Aber der Wahlkampf hat erst nach der Befragung richtig begonnen und da scheint Herr Steinkamp offenbar einen sehr guten Job gemacht zu haben.

Die Wahlbeteiligung war mit 59 Prozent recht niedrig – obwohl 70 Prozent großes Interesse angegeben hatten. Ihre Erklärung?

Da wir wissen, dass sich viele dann doch nicht an der Wahl beteiligen, hatten wir 61 bis 65 Prozent geschätzt und lagen ziemlich nah dran. Da kann das gute Wetter den einen oder anderen abgehalten haben, oder er ist nicht zur Wahl gegangen, da sein Kandidat in den letzten drei Wochen doch nicht mehr so überzeugend gewirkt hat.


Bei der repräsentativen Befragung von 800 Wahlberechtigten in Wallenhorst am 4., 5. und 6. September sah alles nach einer Stichwahl aus – es kam bekanntermaßen anders. Die Wahlumfrage hat das Wallenhorster Institut „Produkt + Markt“ im Auftrag der NOZ durchgeführt – als Momentaufnahme.

Die Wahlergebnisse von Sonntag im Vergleich mit den Umfragewerten (dahinter in Klammern):

Otto Steinkamp (parteilos): 62,8 Prozent (Umfrage: 42,5)

Stefan Düing (CDU): 18,7 Prozent (27,3)

Ulrich Belde (unabhängig): 18,5 Prozent (30,2).