Parteiloser Osnabrücker gewinnt haushoch im ersten Wahlgang Wallenhorster Neuanfang mit Steinkamp


Wallenhorst. Wallenhorst hat einen neuen Bürgermeister gewählt. Mit sensationellen 62,81 Prozent der Stimmen hat der parteilose Otto Steinkamp die Wahl haushoch gewonnen. Der bisherige Bürgermeister Ulrich Belde (unabhängig) landete nach 14 Jahren im Amt auf dem letzten Platz (18,46 Prozent) – und damit noch hinter CDU-Herausforderer Stefan Düing (18,74 Prozent). Nur 59,22 Prozent der Wahlberechtigten gingen an die Urnen.

In jedem einzelnen der 17 Wahlbezirke hat der von SPD, Grünen und Wählergemeinschaft unterstützte Steinkamp die absolute Mehrheit der Stimmen bekommen – ein Erdrutschsieg.

Der Ratssaal des Rathauses war schon proppenvoll, als Gemeindewahlleiter Rüdiger Mittmann um 18.19 Uhr die ersten Ergebnisse verlas. Ein Raunen ging durch den Raum, der noch voller wurde. 58 Prozent, 64 Prozent, einmal gar 73 Prozent: Jubel bei den Steinkamp-Fans – betretene Gesichter bei den CDU- und Belde-Anhängern.

Liveticker zum Nachlesen: Otto Steinkamp wird Bürgermeister in Wallenhorst

Und die Kandidaten? Die kamen erst in den Saal, als klar war, wer der Sieger ist. Gefasst und souverän schritt Belde hinein, schnappte sich in gewohnter Manier das Mikrofon und musste erst einmal lange anhaltenden Applaus abwarten. Er wollte gerade zu reden beginnen, als Otto Steinkamp sich zusammen mit Frau und Kindern durch die Menge schob und laut bejubelt wurde. Steinkamp lächelte still vor sich hin, hatte einen leichten Anflug von Tränen in den Augen – und trug anders als sonst während des Wahlkampfes sogar Krawatte.

Amtsinhaber Belde hieß die Zuschauer „recht herzlich willkommen“. „Das Ergebnis ist eindeutig, der Wähler hat gesprochen“, sagte der 58-Jährige. „Herzlichen Glückwunsch, alles Gute für Sie in den nächsten sieben Jahren meinerseits“, sagte er zu Steinkamp, der am 1. November das Chefbüro im Rathaus übernehmen wird.

In der Zwischenzeit hatte auch CDU-Kandidat Stefan Düing unter verhaltenem Applaus den Saal betreten – und Steinkamp gab das Mikrofon erst noch an ihn weiter. „Auch ich kann nur gratulieren, es ist ein eindeutiges Ergebnis“, sagte der 47-jährige Lechtinger. „Es ist so, wie es ist“, fasste Düing gelassen zusammen, „das ist Demokratie.“ Seine Partei werde „mit dem neuen Bürgermeister gut zusammenarbeiten“.

Steinkamp hatte die ganze Zeit ein Lächeln auf den Lippen, dann begann seine erste Ansprache als Bürgermeister in spe: „Liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Freunde“, sagte er. Auf drei Varianten habe er sich vorbereitet: „Entweder ich scheide gleich aus, es gibt eine Stichwahl, oder ich habe 51 Prozent.“ Hinter ihm an der Leinwand standen jedoch weit über 60 Prozent. „Dieses Ergebnis trifft mich unvorbereitet“, sagte er. „Ich kann nur Danke sagen, noch mal Danke und noch mal Danke sagen.“

Sein Dank richtete sich an die Bürger, sein Wahlkampfteam und „zuallererst an meine Familie“.

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„Dieses Ergebnis ist nicht nur ein Ergebnis für Otto Steinkamp. Das sind viel zu viele Prozentpunkte“, stellte der gebürtige Alfhausener klar. „Es ist ein Ergebnis für Wallenhorst, den Rat und alle, die sich hier aktiv einbringen.“ Es gehe nun darum, künftig gut zusammenzuarbeiten. „Ich werde auch in der nächsten Zeit Gespräche mit den führenden Kräften der CDU führen“, betonte der Parteilose. Und dann noch einmal: „Danke, danke, danke. Wir sehen uns gleich in der Post, denn da geht selbige ab“, lud er ein zur Wahlparty im Gasthof „Zur Post“.

Als die ersten Ergebnisse aus den einzelnen Wahllokalen veröffentlicht wurden, habe er mit seiner Familie im Auto gesessen, verriet er hinterher. Um fünf nach sechs seien sie im Osnabrücker Stadtteil Schölerberg losgefahren. Eigentlich habe er um Wallenhorst kreisen wollen, bis das Ergebnis feststand. Doch als die Zahlen so deutlich ausfielen, ging es doch früher ins Rathaus als geplant.

„Ich bin völlig platt und baff“, so Steinkamp. „An morgen denke ich ausnahmsweise noch nicht.“ Der Landkreis Osnabrück wird sich jedenfalls einen neuen Leiter für den Fachdienst Jugend suchen müssen. Ab dem 1. November tritt Steinkamp in Wallenhorst sein neues Amt als Bürgermeister an.