Wahlkampf einmal künstlerisch Wallenhorster Bürgermeisterkandidaten malen Grüne Wiese

Von Sandra Dorn

Von detailverliebt bis schematisch: Die drei Bürgermeisterkandidaten haben Wallenhorsts Grüne Wiese gemalt. Fotos: privat/Montage: LandwehrVon detailverliebt bis schematisch: Die drei Bürgermeisterkandidaten haben Wallenhorsts Grüne Wiese gemalt. Fotos: privat/Montage: Landwehr

Wallenhorst. Eines können alle drei Wallenhorster Bürgermeisterkandidaten: Strichmännchen zeichnen. Wir haben ihnen im Wahlkampf eine künstlerische Aufgabe gestellt. Thema: „Meine Grüne Wiese“ (Zentrum Wallenhorst). Dazu bekam jeder ein weißes Blatt Papier, vier Buntstifte und ein Gespräch lang Zeit, sich Gedanken darüber zu machen und einen echten Belde, Steinkamp oder Düing zu kreieren.

Es ist das Thema, das in den vergangenen Monaten für die meiste Aufregung gesorgt hat in Wallenhorst: das Scheitern des Arkaden-Centers, des Einkaufszentrums, das eigentlich einmal im Herzen Wallenhorsts gebaut werden sollte. Der gesamte Rat will aussteigen aus dem Projekt, doch noch immer könnte der Investor theoretisch mit dem Bau beginnen – solange er pünktlich bis zum 30. September 2015 fertig wird. Die Aufgabenstellung für die Bürgermeisterkandidaten „Meine Grüne Wiese“ haben wir bewusst möglichst offen formuliert.

Perspektivvergleich: Was die zeichnerische Perspektive von Häusern und die Detailverliebtheit angeht, liegt CDU-Kandidat Stefan Düing vorne. Schmunzelnd platziert er noch ein „D3“ in der oberen rechten Ecke – auf Plakaten mit demselben Aufdruck hatte er in einer Vorab-Kampagne für sich geworben und eine Woche später aufgelöst, dass „D3“ für „Direkt. Dynamisch. Düing.“ steht. Amtsinhaber Ulrich Belde (SPD-Mitglied, aber unabhängiger Kandidat) bevorzugt eine schematische Darstellung und kommt ohne schriftliche Ergänzungen nicht aus. Der parteilose Otto Steinkamp (unterstützt von SPD, Grünen und Wählergemeinschaft) wiederum wählt ein Mittelding und platziert seinen Wahlkampfslogan „Jetzt. Gemeinsam. Besser.“

Zeitvergleich: Steinkamp muss nicht lange nachdenken: Fünf Minuten nach Aufgabenstellung ist seine Zeichnung fertig. Seine beiden Kontrahenten haben sich mehr Zeit gelassen.

Strichmännchenvergleich: Glücklich sind die Wallenhorster auf Düings und Steinkamps Grüner Wiese, und bei Düing haben manche von ihnen sogar Haare. Alle recken eifrig die Arme in die Höhe. Doch was ist mit Beldes Männchen los? Weinen sie? Mitnichten. Sie reden miteinander, erläutert Belde beim Malen.

Arkaden-Center-Vergleich: Das so gut wie gescheiterte Projekt wird nur von Belde zeichnerisch thematisiert – indem er es entschieden durchstreicht. Die beiden anderen Kandidaten blicken direkt in die Zukunft.

Die Zukunft der Grünen Wiese: Sonnig sieht sie aus, die Zukunft der Grünen Wiese, wenn es nach Belde geht. Dass die Sonne grün ist und nicht gelb, hat nichts mit Farbenblindheit zu tun: Die Kandidaten hatten bloß vier Farben zur Verfügung: Blau, Schwarz, Grün und Rot.

Düing malt lieber einen blauen See und viele Männchen ringsum. Auch Freizeitaktivitäten bietet er seinen Strichmännchen in der linken unteren Bildecke an.

Der Osnabrücker Steinkamp lässt dem Bildbetrachter viel Raum für Interpretation und legt sich ebenso wie Belde nicht endgültig fest. Was auch immer auf der Wiese gebaut wird – ob Wohnungen oder etwas anderes – hängen bleibt: Die Männchen sind glücklich.