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Familienfest gegen die Autobahn A-33-Gegner stellen in Rulle blaue Protestkreuze auf

Von Hendrik Steinkuhl


Wallenhorst. Die Gegner der A-33-Nord zwischen Belm und Wallenhorst haben Sonntagabend aus der Ruller Parkallee einen Proteststreifen gemacht. Bevor dort die blauen Widerstandskreuze in den Boden gerammt wurden, erlebten rund 3000 Besucher am Haus Maria Frieden ein Familienfest mit viel Musik und klaren Statements.

Soweit die drei Wallenhorster Bürgermeisterkandidaten in vielen politischen Ansichten auseinander liegen mögen, beim Thema A-33-Nord sind sie sich einig. „Wir könnten fast wieder von der Bühne gehen, denn alle drei lehnen den Ausbau der A 33 ab“, sagte Rainer Comfere, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Besseres Verkehrskonzept“ und Moderator des Programms . Natürlich behielt Comfere die drei Politiker trotzdem auf der Bühne und versuchte, sie mit provokanten Fragen aus der Reserve zu locken. An Stefan Düing (CDU) gewandt sagte Comfere, er habe doch im Wahlkampf auf die Stärkung der Wallenhorster Wirtschaftskraft gesetzt. Wie passe das zu seiner Ablehnung des A-33-Ausbaus? Düing antwortete, dass sich selbstverständlich Betriebe vor allem in Autobahn-Nähe ansiedeln würden. „Aber die Frage, wie eine A-33-Nord zum Wirtschaftsstandort Wallenhorst passen würde, habe ich mir gar nicht gestellt. Für mich kommt der Ausbau dieser Autobahn einfach nicht in Frage.“

Otto Steinkamp (unterstützt von SPD, Grünen und Wählergemeinschaft) musste sich die Frage gefallen lassen, wie er reagieren würde, sollte ihm in der Kantine des Landkreises Verkehrsdezernent Wilfried Wilkens auffordern, für den Fall seiner Wahl zum Bürgermeister die Wallenhorster Proteste gegen den Ausbau der A-33-Nord zu dämpfen. „Dann würde ich ihm sagen, dass es aus meiner Sicht diese Autobahn nicht geben muss“, sagte Steinkamp, derzeit Leiter des Fachdienstes Jugend beim Landkreis.

Wallenhorsts amtierender Bürgermeister Ulrich Belde (SPD-Mitglied, aber unabhängig) wiederum sollte erklären, warum der geplante Ausbau der A33 nicht nur für Rulle, sondern beispielsweise auch für Hollage ein Thema sei. „Wenn die A-33-Nord käme, würde sie zwar hier in Rulle hineinschneiden, aber sie hätte natürlich Auswirkungen auf die ganze Gemeinde“, sagte Belde.

Als das Interview beendet war, verpflichtete Moderator Rainer Comfere alle drei Politiker dazu, für wenigstens zehn Minuten Lose zu verkaufen. Der Erlös fließt – wie auch alle anderen Einnahmen des Familienfestes – in den Klagefonds der Autobahn-Gegner.

Während den Besuchern vor dem Haus Maria Frieden Politikergespräche und eine Menge Musik geboten wurde, konnten sie sich in der alten Ruller Schule über den geplanten Trassenverlauf und die Auswirkungen informieren. Wallenhorsts Umweltbeauftragter Udo Stangier zeigte hier in Dauerschleife eine Simulation der niedersächsischen Straßenbaubehörde und beantwortete viele Fragen. „Ich habe heute wieder gemerkt, dass den meisten Leuten überhaupt nicht klar ist, wie diese Autobahn verlaufen würde und wie mächtig sie ist“, sagte Stangier. „Man müsste noch viel mehr informieren, vielleicht veranstalten wir im nächsten Jahr eine Radtour entlang des geplanten Trassenverlaufs.“

Als das Fest um 17 Uhr beendet war, zogen zahlreiche Besucher und Helfer zur Parkallee und errichteten dort eine lange Reihe von blauen Andreaskreuzen, mit denen die Gegner ihren Protest gegen den geplanten Autobahnbau ausdrücken.