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Bunte Gullydeckel ZDF verspottet Wallenhorsts beleuchteten Kreisel

Von Hendrik Steinkuhl


Wallenhorst. Bunte Lichter im Wert von 10 000 Euro hat die Gemeinde Wallenhorst in Gullydeckeln versenkt – und es damit ins Fernsehen geschafft: Das ZDF berichtete am Samstag in seinem Magazin „Länderspiegel“ über den dezent beleuchteten Kreisverkehr am Ortseingang.

Wallenhorst steht derzeit ganz im Zeichen des Bürgermeisterwahlkampfs , doch der Rest von Deutschland interessiert sich eher für einen mit fünf bunt schimmernden Gullydeckeln dekorierten Kreisverkehr . Nachdem unsere Zeitung vor einigen Wochen darüber berichtet hatte, dass der neu angelegte Aral-Kreisel eine 10 000 Euro teure Kopie eines misslungenen Kunstwerks aus Bad Rothenfelde ist, meldete sich bereits der Bund der Steuerzahler zu Wort.

„Hammer der Woche“

Am Samstag griff auch das ZDF-Magazin „Länderspiegel“ die von vielen verspottete Installation auf – und zwar in der Rubrik „Hammer der Woche“. Was sich dahinter verbirgt: „Bürokratenwillkür und Geldverschwendung – das ist der Stoff für den ‚Hammer der Woche‘ im Länderspiegel. Fatale Irrtümer vom Amt, rausgeschmissenes Geld für Fehlinvestitionen – das bringt immer mehr Bürger in Rage.“

Dass die bei Nacht sanft glimmenden Gullydeckel in diese Rubrik passen, ließ sich das ZDF von zahlreichen Wallenhorstern bestätigen. „Das ist ein absoluter Witz, dafür so viel Geld auszugeben“, sagt Mark Wolff. „Ich glaube, die müssen nicht beleuchtet sein. Aber gut, wenn die Gemeinde so viel Geld hat, müssen sie es ausgeben“, meint Oliver Hörnschemeyer. Auch Klaus Havliza, langjähriger Vizepräsident des Osnabrücker Amtsgerichts, äußert sich vor der Kamera: „Dafür 10 000 Euro ist ein schlechter Scherz.“

In dem knapp zweieinhalb Minuten langen Beitrag kommt aber auch Hans Stallkamp zu Wort, der die Installation der fünf beleuchteten Gullydeckel vor einem halben Jahr angeregt hatte. „Dass der Volksmund kritisch hinterfragt, können wir ertragen“, sagt der CDU-Ratsherr. „Ich behaupte: ein billiger, wirklich schick gestalteter Glühwürmchen-Kreisel.“

Kaputte Lämpchen

Nicht gefragt wurde Stallkamp zu der Haltbarkeit der LED-Leuchten – obwohl der Beitrag zeigt, dass es darum offenbar nicht gut bestellt ist. Als sich der Politiker vor dem rot beleuchteten Gullydeckel hinkniet, ist deutlich zu erkennen, dass drei der 16 Lämpchen kaputt sind. Auch in dem mittleren Gully, der in vier verschiedenen Farben leuchtet, hat eine LED bereits den Geist aufgegeben. Die Gemeinde Wallenhorst hatte vor vier Wochen gegenüber unserer Zeitung erklärt: „Die Beleuchtung ist in ‚echten Gullydeckeln‘ beziehungsweise in den Schächten unter den Gullydeckeln verbaut, und zwar so, dass sie auch von Schwerlastverkehr überfahren werden kann.“ Allein für die Beleuchtung hatte die Gemeinde 5000 Euro ausgegeben, für die Schächte und die darin installierte Technik kamen noch einmal weitere 5000 Euro hinzu.

In all dem Spott über den „teuren Scherz“, wie das ZDF den beleuchteten Aral-Kreisel nennt, versteckt sich allerdings auch ein erheblicher Fehler: Laut dem „Länderspiegel“-Beitrag hätten die Gully-Lampen eigentlich wie Lichtsäulen in den Himmel schießen sollen. Das stimmt zwar – doch nur in Bezug auf Bad Rothenfelde. Die dortigen Verantwortlichen hatten die technische Umsetzung ihrer Vision nicht gut durchdacht und standen am Ende vor einer misslungenen Installation.

Den Mitgliedern des Wallenhorster Rates, die mit Ausnahme des Bürgermeisters geschlossen für den glimmenden Kreisel stimmten, war wohl nicht bewusst, dass sie die Kopie eines gescheiterten Kunstwerks in Auftrag gaben.

Hier geht es zum Beitrag in der ZDF-Mediathek